Morgenpost-Tasting

Im „Kempi“ gibt’s die Lieblingsdrinks der Prominenten

Beim zweiten Morgenpost-Tasting in der „Bristol Bar“ in der City West werden die Lieblingsdrinks der Prominenz verraten.

Das Team in der „Bristol Bar“: Küchenchef Mirko Müller (r.) und Barmanager Andreas Jochem.

Das Team in der „Bristol Bar“: Küchenchef Mirko Müller (r.) und Barmanager Andreas Jochem.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin. Streng genommen gibt es das „Kempinski“ am Kurfürstendamm schon seit Dezember 2017 nicht mehr. Seitdem firmiert das Haus an der Ecke Fasanenstraße unter dem Namen „Hotel Bristol Berlin“. Weil der Hauptstädter aber nur ungern von seinen Gewohnheiten abweicht und das „Kempi“ überhaupt zum Inventar der City West gehört, widmet sich das Morgenpost-Tasting im April der Geschichte ebendieser Institution. Genauer gesagt den Lieblingsdrinks ihrer prominenten Stammgäste.

Unter dem Motto „Berlin und sein Kempi“ haben Barmanager Andreas Jochem und Küchenchef Mirko Müller für die zweite Runde in der „Bristol Bar“ fünf Cocktails, fünf begleitende Gänge und vor allem fünf Geschichten vorbereitet. Jochem arbeitet seit 26 Jahren hinter dem Tresen in Charlottenburg und hat die Zeiten, als das „Kempi“ als Hotspot der Berliner Gesellschaft und internationaler Prominenz galt, in der ersten Reihe miterlebt. Als guter Bartender sei er natürlich zur Verschwiegenheit verpflichtet, erklärt er mit vielsagendem Blick – und fängt dann doch an zu erzählen.

Sophia Loren und ein Negroni

Den Anfang machen zwei Legenden: Sophia Loren und ein Negroni. Der in Florenz erfundene Drink feiert in diesem Jahr sein 100. Jubiläum. Nicht ganz so alt ist die italienische Filmdiva. Die heute 84-Jährige sei zu einem Berlinale-Empfang einmal in einem atemberaubenden roten Kleid in die Bar geschwebt, erinnert sich Jochem: „Alle Gäste waren wie erstarrt.“ Bestellt habe sie den Pre-Dinner-Cocktail, für den der Barchef einen Bombay Sapphire Gin, Martini Rosso und Campari verwendet. Eine Orangenzeste sorgt schon an der Nase für die notwendige Frische in dem geschmacklich doch recht herben und vor allem starken Drink. Bitter- und Fruchtnoten finden sich auch im begleitenden Gang.

Ganz im Sinne des Sophia-Loren-Zitats „Alles, was Sie hier sehen, verdanke ich Spaghetti“, hat sich Küchenchef Mirko Müller für eine Pasta mit einem Dressing aus Kapernöl, Sardellen und Tomaten entschieden – allerdings in der leichteren Gemüsevariante aus Sellerie, Karotten und Zucchini. Die süßliche Säure der Tomate ist dabei der perfekte Ausgleich zu dem kräftigen Cocktail. Die Sardellen halten sich mit ihrer intensiven Salzigkeit dezent im Hintergrund.

Ein Petite Fleur für Hildegard Knef

Der zweite Drink ist Hildegard Knef gewidmet – oder wie Andreas Jochem sagt: „dat Hildchen.“ Eine Ausnahmeerscheinung und dennoch sehr zurückhaltend, erinnert er sich an die Schauspielerin mit dem Koffer in Berlin. Als sie 2002 starb, habe sogar die Trauerfeier im „Kempinski“ stattgefunden. Mache Stammgäste begleite das Hotel sogar bis in den Tod. Ins Glas kommt zur Erinnerung ein Petite Fleur, geshaked mit Rum, Cointreau und Grapefruitsaft. Knef habe diesen Drink – neben zugegebenermaßen vielen anderen – sehr gern getrunken, erzählt Jochem. Für den besonderen Twist verwendet er einen ve­ne­zo­la­nischen Solera Rum mit leichten Rauch- und Vanillenoten.

Zum einen als Hommage an die rauchige Stimme der Knef, zum anderen als schönen Kontrast zur herben Fruchtigkeit der Grapefruit, die an der Nase fast marzipanig daherkommt. Der rauchige Rum offenbart sich erst am Gaumen, bleibt aber dennoch zart und wandelt sich im Abgang wieder zu einer gefälligen Süße. Die Aromen werden vom korrespondierenden Stubenküken aufgenommen, das über Buchenholzspänen geräuchert wurde. Die Peperonata an der Seite wurde von Müller mit Vanille mariniert, eine Oliventapenade und Salbei ergänzen das Gericht um mediterrane Noten. Das Küken ist in Textur und Geschmack extrem zart, die Süße der Peperonata steht, als Entsprechung des Cocktails, im Vordergrund.

Hape Kerkeling inspiriert zu einem Aquavit Fizz

Einen Gast, über den Andreas Jochem dank seiner Unaufgeregtheit beinahe schwärmerisch spricht, ist Hape Kerkeling. Der Schauspieler drehte 2008 seinen Film „Ein Mann, ein Fjord!“ im „Kempinski“ und wohnte währenddessen auch im Haus. Der Gastgeber ließ sich angesichts des nordischen Themas zu einem Aquavit Fizz inspirieren, wenngleich er zugibt, dass Kerkeling diesen nie getrunken hat. „Er ist eher ein Wasser- oder Schorlenmensch.“ Der Fizz mit Zitrone, Zucker und Soda ist ein echter Cocktailklassiker, in der Variante mit dem Kümmelbrand aber ein „Kempi“-Original.

Jochem wählt einen Linie Aquavit aus Norwegen, dessen intensive Kümmeligkeit an der Nase zunächst durch die herbe Zitronigkeit maskiert wird. Die Bitternoten und Durchschlagskraft des Aquavits treten erst verhängnisvoll spät in Erscheinung, da ist das Glas mit seiner Limonadenanmutung schon fast geleert. Die Küche serviert dazu eine würzig-salzige Kombination aus Jakobsmuschel und Passepierre-Algen, die das maritime Thema wieder aufnehmen. In Läuterzucker eingelegte Orangen- und Zitronenzesten sind das Pendant zur Süße des Drinks. Den unerwarteten Dreh liefert aber eindeutig der Salzcrunch, der optisch an Kuchenstreusel erinnert und dann mit seiner Herzhaftigkeit überrascht.

Hellmuth Karasek saß immer auf dem gleichen Platz

Als „herzlich und liebevoll“ beschreibt Andreas Jochem den 2015 verstorbenen Journalisten und langjährigen Kolumnisten der Berliner Morgenpost, Hellmuth Karasek. An der Bar im „Kempinski“ habe er immer auf dem gleichen Platz gesessen und jedes Mal einen Borgmann bestellt. Den Namen des Kräuterlikörs habe er sich dennoch nie merken können. Der Barchef hat aus dieser Vorliebe einen Cocktail mit Orange, Himbeere und Ginger Ale kreiert.

Die bestimmende Nelkennase des Likörs wird so zunächst von der Fruchtigkeit in den Hintergrund gedrängt. Die zart-süße Rauchigkeit des Ginger Ales machen den Drink nicht zu klebrig, sondern frisch und leicht. Im Kontrast dazu steht die klassische Kalbsleber auf dem Teller, die mit ihrem prägnant-ledrigen Aroma einen kulinarischen Punkt setzt. Aufgefangen wird das von einem buttrigen Kartoffelpüree, das weich auf der Zunge zergeht.

Zum Abschluss ein Drink für Demi Moore

Nie vergessen wird Andreas Jochem die Anekdote, die er zum Abschlussdrink des Tastings, benannt nach Demi Moore, serviert. Die Hollywoodschauspielerin besuchte die Bar einmal mit ihrem damaligen Ehemann Bruce Willis. Als er seinen VIP-Gästen eine Flasche Champagner servieren wollte, entglitten dem Bartender direkt am Tisch die zugehörigen Gläser. In den folgenden Tagen sei er von dem Paar – mit einem Augenzwinkern – immer wieder darauf angesprochen worden.

Der positive Nebeneffekt: Aus der Erinnerung hat Jochem einen Cocktail mit Riesling Sekt vom Schloss Reinhartshausen, Wodka, Himbeere und – für die cineastische Note – Popcornsirup gemacht. Seine Gäste lädt er ein, zuerst eine Popcorn-Himbeer-Nase zu nehmen, bevor der Drink mit dem Sekt aufgefüllt wird. Das knallig-süße Aroma versetzt den Kopf sofort in die Dunkelheit eines Kinosaals. Der Sekt entschärft die Intensität dann ein wenig. Mirko Müllers Crème Brûlée mit Mango und Minze ist dazu erfreulich frisch mit zarter Säure.

Einen, der als ultimativer Stammgast im „Kempinski“ galt, hat Andreas Jochem bei seiner Cocktailauswahl für das Morgenpost-Tasting übrigens ganz bewusst ausgespart. „Harald Juhnke war ein großartiger Schauspieler, trotzdem wird er heute nur noch mit Alkohol assoziiert“, sagt er. Manchmal müssen gute Bartender eben doch schweigen können.

Fünf Drinks mit Food-Pairing für 49,90 Euro pro Person gibt es vom 13. bis zum 21. April um 18 Uhr in der „Bristol Bar“ des „Bristol Hotels Berlin“, Kurfürstendamm 27, 10719 Berlin. Reservierung unter der Telefonnummer 8843 4731 und nur solange die Plätze reichen. Mindestteilnehmerzahl: fünf Personen.