Angebot der Morgenpost

Rum-Tasting mit der Morgenpost: Karibik im Waldorf

Beim August-Tasting der Berliner Morgenpost im "Waldorf Astoria" geht es um Rum.

Rum-Tasting im Waldorf Astoria v.li. Willi Bittorf (Head Bartender), Nick Paulus, Daniel Scherr (Barmanager) ,Hanna Richter (Supervisor)

Rum-Tasting im Waldorf Astoria v.li. Willi Bittorf (Head Bartender), Nick Paulus, Daniel Scherr (Barmanager) ,Hanna Richter (Supervisor)

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Die Geschichte des Rums, das muss Willi Bittorf zugeben, war nicht immer eine ruhmreiche. Schließlich arbeiteten zur Entstehungszeit der Spirituose – im 17. Jahrhundert gerüchteweise in den britischen oder spanischen Kolonien in der Karibik – hauptsächlich Sklaven auf den Zuckerrohrplantagen. Nicht nur zur Ehrenrettung des „Rumbullions“, wie man das Melassedestillat zunächst nannte, hat der Head Bartender der „Lang Bar“ im Hotel „Waldorf Astoria“ ein ganzes Morgenpost-Tasting-Menü erdacht. Fünf hochwertige Rums, fünf begleitende Snacks und fünf Geschichten erwarten die Teilnehmer im August.

Bittorf beginnt mit einem abgewandelten Klassiker. Der John Jacob Astor Punch, benannt nach dem Gründer der Waldorf-Astoria-Hotels, geht auf den Regent’s Punch zurück. Komponiert aus Champagner und verschiedenen Likören, aufgegossen mit grünem Tee. Die Idee kam im 19. Jahrhundert auf, um die Dandys der britischen Oberschicht davon abzuhalten, sich allzu schnell zu betrinken. Die genossen ihre Drinks nämlich gern pur. Um das Vergnügen zu verlängern, wurde Hochprozentiges kurzerhand mit Champagner und Tee verdünnt. Bittorf verwendet einen Smith & Cross Arrack Rum, Cognac, Oleo-Saccharum, Ananassirup, Zitronen- und Orangensaft und grünen Tee, darüber kommt ein Hauch frische Muskatnuss. Optisch kommt der Drink mit seinem sonnengelben Schimmer und einem Stiefmütterchen als Garnitur ganz harmlos daher. Umso mehr überrascht der erste Eindruck bei der Annäherung von Nase und Glas: stark! Einmal auf der Zunge angekommen, dann die Überraschung. Der Punch ist leicht, frisch und fruchtig. Mit seinen runden Zitrusaromen und nur einem Hauch von Bitterton im Abgang fließt er so leicht die Kehle hinunter, dass man fast vergessen könnte, dass man tatsächlich Alkohol zu sich nimmt. Der perfekte Drink für den Sommer also, der in Berlin in diesem Jahr beinahe so tropisch ausfällt wie in der Karibik.

Leicht bleibt es auch beim Food Pairing, der begleitenden kulinarischen Kleinigkeit. Der Babymais ist in einem Sud aus Salz, Zucker und Butter langsam auf den Punkt gegart, sodass er sich seine Knackigkeit bewahrt hat. Dazu passen die Mangosalsa mit frischer Minze, schwarzem Sarawak-Pfeffer und Sternanis. Schärfe und Süße halten sich harmonisch die Waage und finden im Punch ihre geschmackliche und optische Entsprechung.

Im Anschluss wird es dunkel und stürmisch im Glas. Bittorf serviert das Nationalgetränk der Bermudas, eine Kombination aus schwerem, dunklem Rum mit einer würzigen Ingwerlimonade und Limettensaft. Der „Dark ’n’ Stormy“ ist eine Erfindung der Gosling Brothers, deren 1806 gegründete Destille sich noch heute in Familienbesitz befindet. Der Drink erinnert an den populären, wodkabasierten Moscow Mule, ist jedoch weniger scharf und ingwerlastig und stattdessen intensiv limettig. Ein Hauch Angostura sorgt für die dezent-würzige Bitternote. Aus der Küche kommt dazu jamaikanisches Baby Jerk Chicken mit einem kreolischen Süßkartoffelpüree. Das Huhn ist butterzart in der Konsistenz, würzig-scharf im Geschmack und wird von der sanften Süße der Kartoffeln aufgefangen. Die Aromenvielfalt von Nelke, Zimt, Koriander und Pfeffer schlägt die perfekte Brücke zum karibischen Gosling Rum und fängt die Säure der Limette auf.

Es folgt ein echter Barklassiker: der Daiquiri. Von Bittorf liebevoll auch als „König unter den unzähligen Rum-Cocktail-Kreationen dieser Welt“ bezeichnet. Die Verbindung aus Zucker, Limettensaft und knackigem Botucal Planas Rum mit dezenten Bananennoten sorgt für ein erfrischendes, süßsaures Geschmackserlebnis. In der „Lang Bar“ wird der Daiquiri nach den Vorlieben von John F. Kennedy serviert: straight-up im vorgekühlten Glas, ohne gestoßenes Eis, was ihn purer, aber auch stärker macht. Der Papayasalat dazu ist wunderbar leicht und beweist einmal mehr, dass vegetarische Gerichte auch alleine stehen können. Die sanfte Süße, die mit dem Bananenchip noch einmal potenziert wird, ist die ideale Korrespondenz zur Säure des Drinks, die Minze gibt eine angenehme Frische.

Als „Drink für Fortgeschrittene“ kündigt der Head Bartender seinen nächsten „Gang“ an, einen Rum-Martinez. Und tatsächlich ist die Mischung aus Ron Zacapa 23 Rum, Antica Formula Wermut, La Quintinye Rouge Wermut, Maraschino Kirschlikör und Orange Bitter nichts für Anfänger. Klassisch, nackig, ehrlich – ganz ohne Deko und Filler wird der Drink serviert. Die kraftvollen Raucharomen erinnern an alte Ledersessel und kubanische Zigarren. Erst im Abgang meldet sich ganz dezent die fruchtige Kirsche zu Wort. Die herben Noten finden sich auf dem Teller im Zitrusfruchtsalat wieder. Hier harmoniert der nussige Geschmack des Flank Steaks mit Koriander und Mandel perfekt mit den frischen, säuerlichen Noten der Orange-, Limette- und Grapefruit-Scheibchen.

Prickelnde Blasen schlägt als Abschluss der Soyer au Champagne auf der Zunge. Pompero Aniversario Rum, Maraschino Kirschlikör, Grapefruit Bitter und Orangen Curacao werden auf eine Kugel Pfirsicheis gegeben und mit Champagner aufgefüllt. Der After-Dinner-Cocktail wurde von Bartender-Legende Harry Craddock aus dem „Savoy Hotel“ in London erdacht und ist eine sommerliche Melange aus süßem Eis, herbem Champagner und den karamelligen Noten des Rums. Über die Intensität der Süße bestimmt der Gast selber, je nachdem wie weit er das Eis vor dem Verzehr schmelzen lässt. Bittersüß ist auch die dazu gereichte Variation von karibischer Schokolade, die mit herbem Kakao, salziger Mandel und einem fruchtigen Spieß die perfekte Ergänzung bildet.

An die Theke

Fünf Drinks mit Food Pairing für 49,90 Euro pro Person gibt es vom 9. bis zum 15. August um 18.30 Uhr (sonntags zusätzlich 14.30 Uhr) in der „Lang Bar“ des „Waldorf Astoria“, Hardenbergstraße 28, 10623 Berlin. Reservierungen unter 030/814000-2410, nur solange die Plätze reichen. Mindestteilnehmerzahl: 5 Personen.

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