Genießen in Berlin

Miguel A. Torres: „Wein ist Lebensfreude“

Der 76-jährige Miguel A. Torres hat das Weingut Torres weltweit bekannt gemacht. Ein Gespräch über guten Wein und den Klimawandel.

Familiensache seit fünf Generationen: Miguel A. Torres (r.) und seine Familie in einem seiner Weinberge in Spanien.

Familiensache seit fünf Generationen: Miguel A. Torres (r.) und seine Familie in einem seiner Weinberge in Spanien.

Foto: ProCrea / BM

Wer etwas über Wein erfahren will, ist bei Miguel A. Torres genau richtig. Der 76-jährige Katalane machte das 1870 gegründete Weingut Torres, das nun schon in der fünften Generation als Familienbetrieb geführt wird, weltweit bekannt. Torres exportiert Weine in über 150 Länder der Welt und besitzt Weinbergslagen in einigen der prestigeträchtigsten Regionen Spaniens. Walter Bau und Gudrun Büscher trafen ihn bei einem Berlin-Besuch.

Herr Torres, woran erkennt man einen guten Wein?

Miguel A. Torres: Wein muss Charakter haben. Er muss den Boden reflektieren auf dem er erwächst und das Klima, in dem er groß geworden ist. Wenn man dann noch die Handschrift des Winzers entdeckt , ist alles gut.

Wenn ich im Supermarkt vor dem Weinregal stehe, überfordert mich das aber.

Torres: Ganz grob gesagt gibt es Weine in drei Bereichen. Über Weine unter fünf Euro rede ich nicht. Wir bieten das auch nicht an. Zwischen fünf und zehn Euro gibt es ordentliche Weine. Es ist möglich guten Wein für unter zehn Euro zu machen. Das mittlere Bereich beginnt bei zehn Euro und geht bis etwa 40 oder 50 Euro. Und dann sind da noch die Spitzengewächse ab 50 Euro. Das größte Wachstum haben wir im mittleren, Premiumbereich. Diese Kunden suchen Qualität und sind auch bereit, mal etwas Neues auszuprobieren.

Frage: Das hilft mir immer noch nicht so richtig.

Torres: Gehen Sie in ein Fachgeschäft, lassen Sie sich beraten, seien Sie neugierig und vor allem probieren Sie immer mal wieder einen anderen Wein aus. Wein ist etwas Großartiges.

Frage: Es gibt Menschen, die sich nicht an Wein herantrauen, weil sie Angst haben, sich zu blamieren mit der Weinauswahl beim Abendessen.

Torres: Ich kann Ihnen nur sagen: Hören Sie, was ihr Mund sagt. Was schmeckt, ist ok. Auch Rotwein zu Huhn oder Weißwein zum Steak. Ich rate zur Anarchie. Wein ist Lebensfreude. Probieren Sie es aus.

Frage: Aber ein paar Regeln gibt es doch – oder?

Torres: Weißwein sollte etwa 10 Grad haben, Rotwein nicht über 17 Grad. Und: Schütten Sie keine Limonade in den Wein – wie die Spanier es beim „Tinto verano“ oder Sangria tun. Das hat mit Wein nichts mehr zu tun.

Frage: Erkenne ich an einem Schraubverschluss einen schlechten Wein?

Torres: Nein, bei jungen Weinen, die nicht gelagert, sondern schnell getrunken werden, ist der Drehverschluss vollkommen ok. Aber große Weine, wie z. B. unsere Reserva Real oder Grans Muralles brauchen einen Naturkorken.

Frage: Haben Sie eine Lieblingstraube?

Torres: Cabernet Sauvignon. Diese Rebsorte habe ich in den 60er Jahren bei uns angepflanzt. Und unser „Gran Coronas Black Label“ (heute Mas La Plana), ein reiner Cabernet Sauvignon, hat vor fast 40 Jahren bei der Weinolympiade in Paris den ersten Platz erreicht. Bei der Blindverkostung hat er alle französischen Spitzenweine hinter sich gelassen. Das freut mich heute immer noch. Es war eine großartige Bestätigung für uns. Wir arbeiten aber auch sehr viel mit einheimischen Rebsorten.

Frage: Stimmt es, dass der damalige US-Präsident Barack Obama und der kubanische Präsident Raul Castro bei ihrem historischen Treffen in Havanna Torres-Wein getrunken haben?

Torres: Ja, einen Chardonnay Milmanda.

Frage: Mit wem würden Sie denn gern einen ihrer Spitzenweine entkorken?

Torres: Am liebsten mit Barack Obama – Flasche Chardonnay Milmanda, so wie bei seinem Besuch mit Fidel Castro. Und auch mit Angela Merkel würde ich gern mal ein Glas Wein trinken. Mit ihr würde ich einen Riesling öffnen. Einen „Waltraud“ Riesling von Torres. Waltraud ist der Name meiner Frau. Sie kommt aus Deutschland, hat den deutschen Markt aufgebaut und ist Künstlerin. Der Wein heißt nach ihr.

Frage: Spanischer Riesling? Geht das überhaupt?

Torres: Es war die Idee meines Vaters, Riesling in Spanien anzupflanzen. Auch der Name Waltraud, auch wenn das kein Spanier aussprechen kann. Er schmeckt anders als ein deutscher Riesling, hat deutlich weniger Säure. Er ist jedes Jahr ausverkauft. Wir sind immer offen für Neues und versuchen, in die Zukunft zu denken.

Frage: Deshalb auch ihr Engagement für den Klimaschutz?

Torres: Der Klimawandel geht uns alle an. Er ist eine Realität und eine Bedrohung. Die Trauben brauchen für die richtige Qualität eine bestimmte Temperatur, steigt sie an, sinkt die Qualität. Seit 1980 stieg die durchschnittliche Temperatur in der Penedes-Region, der bedeutendsten Weinregion Kataloniens, um ein Grad an. Wir lesen die Trauben heute deutlich früher als noch vor 20 Jahren. Die Rebe braucht aber auch Zeit. Wir haben in höheren Lagen Land dazu gekauft, aber man kann nicht dauerhaft nach oben ausweichen. Wir haben schon einiges getan, versuchen weitgehend CO2-Neutral zu produzieren. Investieren in die Forschung. Ökologie ist uns sehr wichtig.

Gibt es jetzt schon Probleme mit den steigenden Temperaturen?

Torres: Oh ja, im Süden Spaniens wird es auf Dauer ohne eine Hilfsprogramm der spanischen Regierung und der Europäischen Union mit dem Weinbau nicht weitergehen. Der Klimawandel gefährdet die wirtschaftliche Existenz von vielen Menschen, die dort vom Wein leben.

Frage: US-Präsident Donald Trump leugnet den Klimawandel. Ist er eine größere Bedrohung für die Winzer als die Reblaus?

Torres: (lacht) Ich hoffe, er ist nur von kurzer Dauer.

Frage: Und die Katalanen? Ist der Separatismus nicht auch eine Bedrohung für ein Exportunternehmen, das seinen Sitz in Katalonien hat? Das ist Politik, dazu sage ich nur: Ich verehre Kant. Und am Ende wird die Vernunft siegen.

Frage: Sie produzieren auch alkoholfreien Wein. Wird der überhaupt nachgefragt?

Torres: Wir probieren viel aus, versuchen innovativ zu bleiben. Unser alkoholfreier Weißwein Natureo ist vor allen in Skandinavien sehr beliebt.

Frage: Wie oft trinken Sie Wein?

Torres: Täglich, mittags zum Essen und abends ein Glas, aber nicht mehr als eine halbe Flasche. Mein Arzt hat gesagt, dass das ok ist. Es geht mir gut damit.

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