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Yvonne Rahm mixt Deutschlands beste Cocktails

Mit Whiskey-Cocktails hat Yvonne Rahm den Titel „World Class Bartender Germany 2018“ gewonnen. Wir veröffentlichen die Siegerrezepte.

Yvonne Rahm mixt in der „Schwarzen Traube“ im Kreuzberger Wrangelkiez. Gerade ist sie „World Class Bartender Germany 2018“ geworden

Yvonne Rahm mixt in der „Schwarzen Traube“ im Kreuzberger Wrangelkiez. Gerade ist sie „World Class Bartender Germany 2018“ geworden

Foto: Diageo

Wer diesen Sommer vom normalen Standard-Drink abweichen will, der kann sein Repertoire mit den Cocktail-Rezepten von Bartenderin Yvonne Rahm um eine preisgekrönte Variante erweitern: Die Berlinerin wurde diese Woche mit dem Titel „World Class Bartender Germany 2018“ ausgezeichnet. Wenn die 31-Jährige die Mixbecher nicht gerade für einen Wettkampf schüttelt, steht sie hinter dem Backstein-Tresen der „Schwarzen Traube“ in Kreuzberg. Die verwinkelte Bar, die man nur nach vormaligem Klopfen eintreten kann, rangiert zwischen Flüsterkneipe und Wohnzimmer. Seit 2013 gehört Rahm zum Team der Szenebar – und hat Tempo und Technik der Cocktailkunst perfektioniert.

Bereits 2013 nahm Rahm an dem Wettbewerb teil, nun setzte sie sich gegen 13 weitere Finalisten aus Deutschland durch – damit ist sie die allererste Frau überhaupt, die den Titel in Deutschland trägt. Laut Begründung der Jury hätten ihre starke Präsentation und ihre ruhige und bestimmte Art zum Sieg beigetragen. „Den Titel teile ich natürlich mit unserem tollen Team in der ,Schwarzen Traube‘“, sagt sie. Es folgt noch das World Class Finale, und das wird für Rahm, die in Alt-Treptow geboren wurde, ein Heimspiel: Im Oktober dieses Jahres findet es erstmals in Berlin statt. Teilnehmer aus mehr als 57 Ländern kämpfen dann um den Titel des besten Bartenders der Welt.

Die vertraute Umgebung könnte helfen, denn schließlich soll beim großen Finale nichts schiefgehen. „Es kann schon mal passieren, dass der Shaker explodiert, weil er nicht richtig verkeilt wurde. Oder man reißt beim Schütteln Gläser mit dem Ellenbogen um“, sagt Rahm. Dass sie aber Zutaten vergisst, kommt selten vor. In der „Schwarzen Traube“ gehe kein Drink raus, bevor sie nicht einen Tropfen auf den Handrücken geträufelt und den Geschmack überprüft habe. Eine feste Karte gibt es übrigens nicht. Das fünfköpfige Team bereitet jeden Tag vier Cocktails vor, die zwischen 9,50 Euro und 11 Euro kosten. Der Gast bekommt die Drinks des Tages vom Team vorgestellt, kann sich aber auch einen individuellen Cocktail mixen lassen. „Die Berliner trinken viel Gin, auch Whisky-Sour-Varianten liegen zurzeit im Trend“, sagt Rahm. Welche Art von Spirituosen die Gäste bevorzugen, könne sie oft schon vor der Bestellung erkennen. „Als Bartender hat man irgendwann im Gefühl, ob jemand eher Wodka oder Scotch mag.“ Trotzdem muss man kein Kenner sein: „Wir sind keine Snobs. Wer seinen Long Island Ice Tea oder einen Mojito will, bekommt den auch.“ Auch wenn sich die „Schwarze Traube“ in ihrer direkten Umgebung von den eher studentischen Kneipen im Wrangelkiez abhebt – die Konkurrenz in der Hauptstadt ist groß. „Berlin hat mehr Bars als alle anderen Städte und ist dadurch sehr schnelllebig“, sagt Rahm. Auch die Cocktailgastronomie sei ständig auf der Suche nach Innovationen. Laut Rahm laute die Formel der gehobenen Berliner Barkultur: „Einfacher Service, aber komplexe Drinks“.

Nach Schichtende trinkt Yvonne Rahm oft lieber Tee mit den Kollegen beim Bäcker am Schlesischen Tor. „Ich finde schön, dass ich meinen Job machen kann, ohne jeden Tag selber mittrinken zu müssen. Privat wechselt mein Lieblingsschnaps außerdem von Tag zu Tag. Dauerbrenner sind aber Rum und Tequila.“

Wer gerne guten Kaffee trinkt, ist bei Yvonne Rahm ebenfalls gut aufgehoben. Sie hat lange als Barista gearbeitet. Seit ein paar Wochen hat die „Schwarze Traube“ einen Schwesternladen, „Die Lilie“ an der Muskauer Straße 15. Am Abend gibt es Cocktails – und am Tag wird Rahm ihre Gäste gelegentlich mit Kaffee und Kuchen glücklich machen.

Die Gewinnercocktails

Der Cocktail „Granny`s Vasara“:

Eine Herausforderung des Bartender-Wettbewerbs bestand darin, dass die Kandidaten zusammen mit einem Food-Influencer einen Drink improvisieren mussten. Dieser sollte von zwei mitgebrachten Zutaten des Gastes inspiriert sein. Yvonne Rahm und ihre Bloggerpartnerin punkteten hier mit einer „Whiskey Sour“-Variante, die simpel und stark ist.

Das Rezept für Einsteiger:

• 5 cl Bulleit Bourbon

• 3 cl Frischer Zitronensaft

• 1 cl Zuckersirup

• 1 Barlöffel Ananasmarmelade

Zubereitung:

1. Alle Zutaten zusammen mit Eis in einen Shaker füllen und kräftig shaken.

2. In eine vorgekühlte Cocktailschale doppelt abseihen.

Der Cocktail „Capital B“:

Der Drink mit dem B für Berlin im Namen wurde von Yvonne Rahm für die „Local Love“-Challenge kreiert. Dafür sollten selbst mitgebrachte oder hergestellte lokale Produkte aus der Heimat genutzt werden. Heraus kam diese „Rusty Nail“-Variante mit Berliner Weiße und Waldmeister Likör.

Das Rezept für Fortgeschrittene:

• 4 cl Johnnie Walker Gold Label Reserve

• 4 cl hausgemachter Whisky-Honig-Waldmeister-Likör

• 3 cl BRLO Berliner Weiße

• 1cl Honig-Rosen-Sirup

• Deko-Extra: Waldmeister-Puder und kandierte Rosenblätter

Zubereitung:

1. Den Johnnie Walker und das Whisky-Honig-Waldmeister-Likörgemisch im Glas auf Eis rühren.

2. Berliner weiße und das Honig-Rosen-Sirup mit dem Stabmixer zu Staub rühren und über den Drink schichten.

3. Mit Waldmeister-Puder und kandierten Rosenblättern garnieren

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