Pub Food

Vom Kneipen-Restaurant zum Gastro-Pub

Zwei typische Berliner Gastro-Pub-Newcomer haben den sonntäglichen Braten auf ihrer Karte.

Kristof Mulack (links) und Martin Müller haben kürzlich die „Tisk Speisekneipe“ eröffnet

Kristof Mulack (links) und Martin Müller haben kürzlich die „Tisk Speisekneipe“ eröffnet

Foto: Promo / BM

Berlin. Einst gab es in jeder anständigen Berliner Kneipe zum Bier eine Boulette, ein Solei, ein Hackepeter-Brötchen oder eine Bockwurst. Doch eigentlich war Essen am Tresen nicht das eigentliche Ziel eines Kneipenbesuchs. Nur wenn der Hunger den Biertrinker plötzlich übermannte, wurde zugegriffen. Doch immer schon hat es auch Bierlokale und Gaststätten wie das „Wilhelm Hoeck 1892“ oder das „Metzer Eck“ gegeben, die mehr als den Tresenstandard anboten und sich einer ordentlichen bürgerlichen Küche im besten Sinne widmeten. Und spätestens mit der Gründungswelle alternativer Kneipen in den 70er- und 80er-Jahren und Szene-Lokalen wie beispielsweise dem „Kleisther“ in Schöneberg zog auch das Kneipen-Restaurant in die Gastro-Szene ein. Dies findet nun seine moderne Fortsetzung in den Gastro-Pubs.

Schon immer gab es in den britischen Pubs einfaches „Pub Food“ und „Pub Meals“ wie Steaks, Pies und Stews. In den 90er-Jahren begannen dann einige Pubs vor allem in London verstärkt auf „high-end food and high-end beers“ zu setzen. So betreiben etwa in Edinburgh die beiden Küchenchefs Tom Kitchin und Dominic Jack neben ihren Sterne-Restaurants gemeinsam den Gastro-Pub „The Scran & Scully“. Die Küche des „Public House with Dining“, mit Klassikern wie Fish & Chips und modernen Interpretationen traditioneller schottischer Gerichte war dem Michelin immerhin schon einen Bib Gourmand wert. Gepflegt wird dort auch die Tradition des „Sunday ­Roast“, des Sonntagsbratens.

Auch zwei typische Berliner Gastro-Pub-Newcomer mit britischem Background, das „Salt n Bone“ in Prenzlauer Berg und das erst im vergangenen Sommer eröffnete „St. Bart“ in Kreuzberg, haben den sonntäglichen Braten auf ihrer Karte. Dabei zeigt sich die Küche des „Salt n Bone“ generell fleischlastig. Burger, Spareribs, langsam gegarter Schweinebauch und Scotch Eggs sind die Klassiker. Daneben setzt Mitinhaberin Rebecca Lynch aber auch auf Gins, Cocktails und vor allem Craft- Biere. Es gibt immer sechs verschiedene Biere vom Fass, die ständig gewechselt werden. „Wir glauben daran, die kleinen Brauereien in Berlin zu unterstützen und immer die besten lokalen Craft-Biere zu haben“, erklärt die Gastronomin.

Auch Barchef Victor Hausladen setzt im „St. Bart“, abgeleitet vom heiligen Bartholomäus, auf hochwertige Drinks, führt aber neben Bieren wie Potsdamer Stange und Störtebeker Schwarzbier auch ausgefallene Spirituosen wie Eversbusch Doppelwacholder und eine internationale Weinauswahl inklusive Naturweinen. „Unser Augenmerk liegt verstärkt auf kleinen Produzenten“, sagt Nadin Hollasch-Thompson, deren Mann Lee Thompson im „St. Bart“ am Herd steht. Der Küchenchef wechselt die Karte alle paar Wochen, wobei etwa das „Fried Chicken“ oder das „Back Bacon Sandwich“ fast immer zu bekommen sind. Ansonsten legt er viel Wert auf Vegetarisches, und es kommen einfallsreiche Gerichte als „kleine Teller“, wie frittierter Rosenkohl oder Kaninchen-Rillettes, sowie „große Teller“ etwa mit Lachs, Meerrettich oder warme Linsen mit Ziegenkäse auf den Tisch.

Noch frischer am Start ist die kürzlich eröffnete „Tisk Speisekneipe“ in Neukölln. Die beiden jungen Köche Martin Müller und Kristof Mulack setzen in ihrem typischen, aber zeitgemäß umgesetzten Eck­lokal auf Berliner Küche „reloaded“, interpretieren Klassiker neu. Es gibt Broiler und Blutwurstkroketten, Eisbein und Kartoffelstampf. Am Tresen bekommt man ein Drei- oder Fünf-Gänge-Menü und kann den Köchen bei der Arbeit zusehen. Doch auch die eher klassischen Kneipen-Restaurants wie „Walhalla“, „Max & Moritz“, „Dicke Wirtin“ oder „Die Berliner Republik“, die auf ehrliche Hausmannskost und regionale Küche setzen, profitieren von dem Trend zu gutem Essen in entspannter Kneipen-Atmosphäre. Davon kann man sich etwa im zumeist rappelvollen „Wendel“ am Richard-Wagner-Platz überzeugen, das im nächsten Jahr sein einhundertjähriges Bestehen feiert. Betreiber Rüdiger Weidemann schlachtet noch zweimal im Jahr selber. „Für meine Bratwürste kommen die Leute aus ganz Berlin“, sagt der Wirt, der häufig noch selber in der Küche steht. Die Würste – gibt’s auch außer Haus – serviert er im Lokal mit einer ordentlichen Portion Bratkartoffeln. Dazu fließen zwölf verschiedene Premiumbiere aus dem Zapfhahn. Stammgäste bleiben im Übrigen gern etwas länger. Denn: „Jeden Abend ab 22 Uhr gibt es Buletten frisch aus der Pfanne.“

Adressen und Infos:

„St. Bart“, Graefestraße 71, 10967 Berlin, stbartpub.com

„Salt n Bone“, Schliemannstraße 31, 10435 Berlin, saltnbone.de

„Tisk Speisekneipe“, Neckarstraße 12, 12053 Berlin, tisk-speisekneipe.de

„Wendel“, Richard-Wagner-Straße 57, 10585 Berlin

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