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Einigung beim Regierungsterminal am BER

Flughafen und Bund haben sich geeinigt. Damit sind die Kapazitäten in Schönefeld beim Ausbau des BER gesichert.

Hell erleuchtet, aber nicht eröffnet: Der Flughafen BER (Archivbild)

Hell erleuchtet, aber nicht eröffnet: Der Flughafen BER (Archivbild)

Foto: Patrick Pleul / dpa

Bundesregierung und Flughafengesellschaft haben eine wichtige Hürde für den Ausbau des neuen Flughafens BER überwunden. Sie haben einen Weg gefunden, wie der Regierungsterminal ganz in der Nähe des bestehenden Schönefelder Abfertigungsgebäudes errichtet werden kann, ohne dass dringend benötigte Kapazitäten für den BER insgesamt wegfallen.

"Nach einer längeren Phase der Unsicherheit und Unklarheit" habe man nun eine gute Planungsgrundlage, sagte der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Gunther Adler. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup sagte, mit der Vereinbarung sichere man die "wichtigen Kapazitäten am Flughafen Schönefeld ab, die den schrittweisen BER-Ausbau unterstützen".

Lange galt der Wunsch des Bundes, auf der sogenannten Ramp 2 seine noch in Köln/Bonn beheimatete Flugbereitschaft und das Terminal für Staatsgäste unterzubringen, als gravierendes Problem. Die Bundesbaustelle drohte den Betrieb in den westlichen Terminals des SXF zum Erliegen zu bringen. Für Lütke Daldrup hätte ein Verlust dieser Hallen eine Lücke von sechs Millionen Fluggästen pro Jahr bedeutet. Sein Masterplan für den Ausbau der Kapazitäten wäre obsolet gemacht.

Die Aussicht, der BER werde bei seinem möglichen Start 2019 doch groß genug sein, ist ein wichtiges Argument in der Debatte vor dem Volksentscheid über die Offenhaltung des Flughafens Tegel am 24. September.

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Die Flugbereitschaft belegt zunächst nicht die komplette Fläche

In der nun vereinbarten Lösung gesteht der Bund dem Flughafen bis 2025 einen 25 Meter breiten Streifen entlang der Terminals zu. Darüber können die Busse fahren, die die Passagiere von den Gates zu einem neu zu asphaltierenden Rollfeld südlich des SXF transportieren. Hätte der Bund darauf bestanden, schon während der Bauzeit die komplette Fläche zu belegen, wären die maßgeblich von Ryanair genutzten Terminals D 1 und 2 sowie C von der Luftseite her nicht erreichbar gewesen. Weil die Flughafengesellschaft einen neuen Plan vorlegte, wie die Ramp 2 für die Bundesbauten herzurichten ist, wurde die Einigung möglich.

Das etwa 500 mal 600 Meter große Gelände hatte der Bund schon 2010 in Erbpacht übernommen, um dort das Regierungsterminal, die Hangars und Abstellplätze für die mehr als 20 Luftwaffenjets sowie eine Kaserne für die 400 Soldaten der Flugbereitschaft zu bauen. Unter dem Areal verlaufen aber zahlreiche Versorgungsleitungen. Diese möchte der Bund aus Sicherheitsgründen nicht unter seinem Rollfeld haben. Außerdem hätten nötige Wartungen womöglich die Staatsgäste beim Erreichen der deutschen Hauptstadt behindert. Die Leitungen sollten ausgegraben und an allen Seiten um das annähernd Trapezförmige Gelände herum geführt werden.

Schönefeld hätte vor BER-Eröffnung zur Hälfte schließen müssen

Das hätte bedeutet, dass schon für die Bauarbeiten und damit vor der Eröffnung des BER den SXF zur Hälfte zu schließen. Das in der ersten Stufe des BER-Masterplans für Mitte 2020 vorgesehene neue Terminal T1-E am BER hätte mit seinen sechs Millionen Passagieren gerade mal die am SXF wegfallenden Kapazitäten ausgeglichen.

Wegen dieser Lage hatten Lütke Daldrups Vorgänger Hartmut Mehdorn und Karsten Mühlenfeld mit dem Bund hart gestritten. Sogar eine Rücknahme des Erbbaurechts mit einer entsprechenden Strafzahlung von 30 Millionen Euro stand zwischenzeitlich im Raum.

Jetzt kamen die Flughafenplaner mit dem rettenden Vorschlag. Sie führen die Versorgungsleitungen nur noch an drei Seiten um das Bundes-Gelände herum und lassen die nördliche Kante frei. Genau dort kann dann der Korridor zu den Terminals verlaufen. Bis 2021 sollen diese Arbeiten fertig sein, damit der Bund bis 2025 seine Gebäude in eigener Regie errichten kann.

So lange will auch Lütke Daldrup noch die Kapazitäten in Schönefeld nutzen. Nach 2025 soll der im Masterplan vorgesehenen neue große Terminalbau T 2 so weit sein, um die bis zu 13,5 Millionen Fluggäste aus SXF aufnehmen zu können.

Plan sieht Start-Kapazität von 40 Millionen Passagieren vor

Sein Ausbaukonzept wird Lütke Daldrup kommenden Freitag dem Aufsichtsrat offiziell vorlegen. Die Kapazität des BER soll bis 2021 von 22 auf 33 Millionen Passagiere pro Jahr steigen.

Bei einer BER-Eröffnung Ende 2019 oder Anfang 2020, die allen Überlegungen zugrunde liegt obwohl offiziell noch kein Starttermin verkündet wurde, könnte der BER gemeinsam mit SXF demnach mehr als 40 Millionen Passagiere abfertigen. 2016 wurden in Tegel und Schönefeld 33 Millionen gezählt. Im ersten Halbjahr 2017 wuchs deren Zahl erneut um fast sieben Prozent.

Dennoch rechnet Lütke Daldrup anders als die Befürworter einer Tegel-Offenhaltung sogar mit einer Reserve am BER. Die bisher nicht finanzierten 1,5 Milliarden Euro, die der Ausbau kosten soll, will die Flughafengesellschaft über 15 Jahre aus eigenen Einnahmen erwirtschaften. Das sei auch so mit der EU-Kommission abgestimmt, heißt es.

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