Großflughafen

Ermittlungen zu neuem Untreue-Verdacht am BER

Die Cottbuser Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Geschäftsführer Horst Amann und stellt Akten sicher.

Ein Counter im Hauptterminal

Ein Counter im Hauptterminal

Foto: Bernd Settnik / dpa

Berlin.  Erneut ist ein früherer Verantwortlicher am künftigen Hauptstadtflughafen BER ins Visier der Justiz geraten: Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt gegen den ehemaligen technischen Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), Horst Amann. "Es besteht der Verdacht der Untreue", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Petra Hertwig, der Berliner Morgenpost.

Am Dienstagmorgen waren Ermittler ohne Vorankündigung bei der Flughafengesellschaft in Schönefeld eingerückt. Sie nahmen umfangreiches Aktenmaterial mit. Nach Informationen der Berliner Morgenpost führte die Cottbuser Staatsanwaltschaft bereits seit vergangenem Jahr Vorermittlungen gegen Amann, im März sah sie dann den Anfangsverdacht der Untreue bestätigt. Wie aus Ermittlerkreisen zu erfahren war, stehen die Vorwürfe im Zusammenhang mit unrechtmäßigen Zahlungen an den Bauausrüster Imtech Deutschland, die Amann als damaliger technischer Geschäftsführer im Jahr 2012 angewiesen haben soll.

Amann reagierte überrascht. Auf Anfrage der Berliner Morgenpost sagte er zu den seit Monaten laufenden Ermittlungen: "Mir ist nichts davon bekannt, und ich habe mir auch nichts vorzuwerfen."

Der Bauingenieur hatte am 1. August 2012 nach der spektakulär geplatzten BER-Eröffnung Manfred Körtgen abgelöst. Er galt als Hoffnungsträger, der dafür sorgen sollte, dass der Airport nur Monate später an den Start geht. Nach Machtkämpfen mit dem damaligen Flughafenchef Hartmut Mehdorn musste Amann im Oktober 2013 seinen Posten räumen. Seit Mai dieses Jahres ist er Geschäftsführer der Bahnplanungsgesellschaft RTW. Diese arbeitet an einem Großprojekt: die neue Regionalstadtbahn zwischen dem Hochtaunuskreis, dem Main-Taunus-Kreis, Frankfurt-Höchst, dem Flughafen und dem Kreis Offenbach. Bei Untreue können bis zu fünf Jahre Haft drohen.

Im Herbst vorigen Jahres musste Amann im Korruptionsprozess gegen Mitarbeiter der Flughafengesellschaft und Imtech-Verantwortliche vor dem Landgericht Cottbus ausssagen. Dabei benannte er den ehemaligen Bereichsleiter der Flughafengesellschaft als "Treiber" dafür, dass Nachtragsforderungen des inzwischen insolventen Bauausrüsters Imtech Deutschland ungeprüft überwiesen wurden. Man habe mit den Zahlungen vermeiden wollen, dass das Unternehmen in Schieflage gerate und Arbeiter von der Baustelle abgezogen würden. Der Ex-Prokurist der FBB wurde im Oktober zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt – wegen Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall. Gegen das Urteil legte er Revision ein.

Die Richter sahen es in seinem Fall als erwiesen an, dass der Angeklagte Ende 2012 Schmiergeld von 150.000 Euro von Imtech entgegengenommen hat. Im Gegenzug soll er sich in der FBB dafür eingesetzt haben, dass kurz danach Firmen-Nachtragsforderungen für Arbeiten am BER von mehr als 60 Millionen Euro ungeprüft überwiesen wurden.

Der Ex-Vorsitzende der Geschäftsleitung von Imtech Deutschland erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten wegen Bestechung, ein weiterer Mitarbeiter eine Bewährungsstrafe wegen Beihilfe. FBB-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte der Berliner Morgenpost: "Wir nehmen jede Ermittlung ernst und unterstützen die Staatsanwaltschaft." Der Vorgang sei dem Aufsichtsrat seit Längerem bekannt. Die Flughafengesellschaft kündigte an: "Sollte der FBB ein Schaden entstanden sein, behält sich das Unternehmen rechtliche Schritte vor."

Flughafen gibt Akten schließlich freiwillig heraus

Per Pressemitteilung ging sie in die Offensive, Stunden nach Beginn der Aktion der Staatsanwaltschaft. Die FBB unterstütze die gegenwärtigen Ermittlungen "in vollem Umfang und wird die ihr zugänglichen Informationen und Unterlagen zeitnah an die Staatsanwalt Cottbus übergeben". Flughafen-Sprecher Lars Wagner betonte: "Es gab keine Durchsuchungen bei der FBB." Richtig sei: Es gab einen "Durchsuchungsbeschluss mit Abwendungsverfügung". Das heißt: Das Unternehmen gab die Akten schließlich freiwillig heraus. Die Staatsanwaltschaft prüft zudem seit einiger Zeit auch Untreue-Vorwürfe gegen Horst Amann und den damaligen Flughafenchef Hartmut Mehdorn im Zusammenhang mit der Vergabe von Haftungsgutachten 2013 zum geplatzten BER-Start.

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