Hauptstadtflughafen

Der BER-Anbau soll nur noch die Hälfte kosten

Das Zusatzterminal für den Großflughafen soll 100 Millionen Euro kosten - die Hälfte.

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup (l), und der Staatssekretär und Flughafenkoordinator in der Brandenburger Staatskanzlei, Rainer Bretschneider

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup (l), und der Staatssekretär und Flughafenkoordinator in der Brandenburger Staatskanzlei, Rainer Bretschneider

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin.  Über das Jubiläum mochte am Montag keiner so recht reden: Fast genau fünf Jahre ist es her, dass die damaligen Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD), die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens "Willy Brandt" (BER) kurzfristig absagten. Spätestens im Sommer 2012 werde ein neuer Termin genannt, hieß es damals. Inzwischen haben zwar die Flughafen-Manager mehrfach gewechselt, doch auch der neue Chef, der frühere Berliner Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup, muss bekennen, dass er noch immer keinen Eröffnungstermin für den BER nennen kann. "Wir brauchen einfach noch ein bisschen Zeit, bis wir verantwortungsvoll einen Vorschlag für die BER-Eröffnung machen können", sagte er nach der Sitzung des Aufsichtsrats der Flughafen Berlin-Brandenburg (FBB).

Zumindest in einer Frage hat Lütke Daldrup einen Kurswechsel eingeleitet. Seit langem ist klar, dass der BER – wann immer er auch eröffnet wird – in seiner ursprünglichen Gestalt zu klein sein wird. Bereits im Vorjahr sind an den beiden Berliner Alt-Flughäfen Tegel und Schönefeld knapp 33 Millionen Passagiere abgefertigt worden. Die neueste Prognose sagt 47 Millionen Passagiere für 2030 vorher. Doch der BER ist nur für 27 Millionen Passagiere im Jahr konzipiert.

Neben einem Weiterbetrieb des alten Schönefeld-Terminals plante bereits Lütke Daldrups Vorgänger Karsten Mühlenfeld in Verlängerung des Pier Nord ein zusätzliches separates Abfertigungsgebäude. Das Terminal T1-E soll nun nur in einer Light-Version gebaut werden, kündigte Lütke Daldrup an. "Damit sind wir flexibler, kostengünstiger und schneller", so der Flughafenchef. Das neue Gebäude mit einer Abfertigungskapazität von sechs bis acht Millionen Passagieren im Jahr soll mit Kosten von rund 100 Millionen Euro nicht nur um die Hälfte billiger als in der von Mühlenfeld vorgeschlagenen Variante, sondern auch rund ein Jahr früher fertig werden. Statt im Jahr 2021 bereits Anfang 2020. Zumindest da legt sich Lütke Daldrup zeitlich fest.

Rundgang durch die Flughafen-Baustelle am BER

Rundgang durch die Flughafen-Baustelle am BER

Von der Leichtbau-Halle zu Fuß über das Rollfeld

Einsparungen soll nun eine Modulbauweise in Industriebaustandard bringen. In der Leichtbau-Halle, wie sie ähnlich bereits als Erweiterungen in Tegel und Schönefeld stehen, sollen die Passagiere nur einchecken, ihr Gepäck aufgeben und durch die Sicherheitskontrollen gehen. Dann geht es über zwei Brücken hinüber in das BER-Pier Nord, das bereits seit zwei Jahren fertiggestellt ist. Es ist das Pier, wo die Billigflieger andocken sollen. Zum Flugzeug geht es dort nicht über Fluggastbrücken, sondern zu Fuß oder per Bus übers Rollfeld.

Auch der spätere Ausbau des zu klein geratenen Flughafens nach 2025 soll demnach preisgünstig und zudem aus Eigenmitteln des Unternehmens erfolgen. Ein Masterplan dafür soll bei der Aufsichtsratssitzung am 7. Juli besprochen werden. "Wir werden keine hochkomplexen Gebäude mehr konzipieren, die einen so hohen Standard haben, dass man sie am Ende nicht beherrschen kann", sagte Lütke Daldrup mit Blick auf das Hauptterminal. Dieses kann nach zahlreichen Umplanungen, Technikproblemen und Baumängeln seit über fünf Jahren nicht in Betrieb gehen. Das Kostenrahmen wuchs seit Baubeginn 2006 von zwei auf 6,5 Milliarden Euro. Einen Eröffnungstermin will Lütke Daldrup im Sommer nennen. Erklärtes Ziel ist ein Start 2018. Sicher ist das aber noch nicht. Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider bekannte, dass in der Sitzung "keine gewaltigen Fortschritte" auf der Baustelle zu verzeichnen waren.

Lütke Daldrup weist Kritik an Beratervertrag zurück

Kritik an einem Beratervertrag für den früheren SPD-Sprecher Lars Kühn wies Lütke Daldrup zurück. Kühn soll den Ex-SPD-Staatssekretär sechs Tage im Monat bei der strategischen Kommunikation beraten. Der Tagessatz liegt laut "Bild am Sonntag" bei 2000 Euro. Das Parteibuch sei nicht entscheidend, das Honorar marktüblich, sagte Lütke Daldrup. Er gab zudem bekannt, dass für die operative Kommunikationsberatung einen Vertrag mit der Agentur MSL gebe. Deren Geschäftsführer Axel Wallrabenstein gilt als CDU-nah. Die Flughafengesellschaft habe insgesamt ein Jahresbudget von 200.000 Euro für externe Kommunikationsberatung.

Im laufenden Geschäft profitiert die Flughafengesellschaft von steigenden Passagierzahlen an den Bestandsflughäfen in Tegel und Schönefeld. Das operative Ergebnis verbesserte sich gegenüber 2015 um 28 Prozent auf ein plus von 109 Millionen Euro. 2015 hatten die Belastungen durch die Baustelle unterm Strich noch für ein Minus von 138 Millionen Euro gesorgt. Lütke Daldrup sagte, der Gesamt-Fehlbetrag sei 2016 geringer ausgefallen.

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