Berlin

Flughafenchef holt als Berater einen Ex-SPD-Sprecher

Die Flughafengesellschaft hat einem Bericht zufolge Lars Kühn für die "strategische Kommunikationsberatung" engagiert.

Der Flughafenchef vom BER, Engelbert Lütke Daldrup, führt Politiker und Pressevertreter über das Gelände des Flughafens

Der Flughafenchef vom BER, Engelbert Lütke Daldrup, führt Politiker und Pressevertreter über das Gelände des Flughafens

Foto: Joerg Krauthoefer

Der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat einen Parteifreund als externen Berater engagiert: Nach Informationen der "Bild am Sonntag" erhält der frühere SPD-Sprecher Lars Kühn für seine "strategische Kommunikationsberatung" einen Tagessatz von 2000 Euro. Die Flughafengesellschaft FBB wies am Sonnabend den möglichen Eindruck zurück, dass damit einem SPD-Genosse ein lukrativer Job verschafft wurde. "Die Flughafengesellschaft lässt sich in unterschiedlichen Geschäftsbereichen auch von externer Seite beraten und unterstützen", sagte FBB-Sprecher Lars Wagner auf Anfrage. "Die Beauftragung von Herrn Kühn erfolgte aufgrund eines Beschlusses der Geschäftsführung entsprechend der gültigen Richtlinien." Zu wirtschaftlichen Einzeldaten von Verträgen mit Dienstleistern gebe die FBB keine Auskunft, so Wagner.

BER-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider (SPD) sprach von einem "Sturm im Wasserglas". Es sei die originäre Aufgabe eines Flughafenchefs, solche Verträge abzuschließen, betonte Bretschneider auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Er unterstrich auch, dieser Beratervertrag sei nicht vergleichbar mit dem Vertrag, den Lütke Daldrups Vorgänger Karsten Mühlenfeld Anfang des Jahres mit Ex-Bahnmanager Christoph Bretschneider abgeschlossen hatte. Mühlenfeld wollte damals eigenmächtig und gegen das Votum des Aufsichtsrates und der BER–Eigner Technikchef Jörg Marks entlassen und durch Ex-Bahnmanager Christoph Bretschneider ersetzen. "Im Falle Kühns handele es sich nicht um einen Beratervertrag mit operativer Befehlsgewalt", so der BER-Aufsichtsratschef. Kühn war Sprecher der Bundestagsfraktion und verantwortete unter anderem die Presse- und Medienarbeit der SPD in den Bundestagswahlkämpfen 2002 und 2005. Seit 2009 übernahm er Beratungsmandate in Politik und Wirtschaft. Bis vor kurzem war er für die Strategieberatung WMP Eurocom tätig. Jetzt ist er selbstständig.

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