Berliner Flughafen

Pannenflughafen BER: Im Dickicht der Rohre

Am BER müssen Sprinkler ertüchtigt und die Sisyphos-Arbeit der Dokumentation erledigt sein. Erst dann wird der Start-Termin verkündet.

Rundgang durch die Flughafen-Baustelle am BER

Fr, 19.05.2017, 18.43 Uhr

BER

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Schönefeld.  Zwischen den holzgetäfelten Check-in-Schaltern lagert Baumaterial. Aber der erste Eindruck in der Haupthalle des Terminals am BER täusche, versichert der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup: "Das Bauen ist weitgehend fertig."

Dennoch muss der frühere Staatssekretär die Mitglieder des Berliner Hauptausschusses bei ihrem Ausflug zum BER am Freitag um Geduld bitten. Am Tag 72 nach seinem Wechsel an die Spitze der Flughafengesellschaft kann Lütke Daldrup keinen Eröffnungstermin nennen und auch keinen Zeitpunkt, an dem dies möglich sein werde. "Im Sommer haben wir alles zusammengetragen, dann gibt es eine reale Fertigstellungsprognose", so der Flughafenchef.

Berechnungen sind so teuer wie zwei Einfamilienhäuser

Echte Baufortschritte sind unter dem Dach des "Main Pier" zu sehen. Hier stehen neue Schaltkästen, in denen die Elektronik die neu konzipierte Entrauchungsanlage steuert. Daneben haben Arbeiter verschalte Kanäle und neue Kabeltrassen eingezogen. Denn anders als zunächst geplant, wird nicht mehr das ganze riesige Gebäude von einer Anlage im Keller entraucht, sondern nach oben. "Naheliegend", sagt Lütke Daldrup. Überhaupt sei er mit Blick auf das lange Zeit berüchtigte Problemthema Entrauchung "relativ entspannt".

Und auch das Problem der 1500 sicherheitsrelevanten Türen, die sich im Winter als nicht funktionsfähig entpuppt und die Hoffnungen auf eine Eröffnung 2017 endgültig zerstört hatten, könnte bis zum Spätsommer gelöst sein. Bisher seien 40 Prozent der Türen richtig programmiert. Der Aufwand ist erheblich: "Um eine Tür in Betrieb zu setzen, brauchen zwei Menschen einen ganzen Tag", berichtet der Flughafenchef.

Die Abgeordneten sind beeindruckt. Das Staunen wird nicht kleiner, als Lütke Daldrup schildert, wie mehrere Hochleistungscomputer drei Wochen lang die möglichen Rauchverwirbelungen zwischen dem unterirdischen Bahnhof und dem Terminal berechnet haben. "Das allein hat so viel gekostet wie zwei Einfamilienhäuser." Der gelernte Stadtplaner macht deutlich, was er von solcher vorbeugender Regelungswut hält. Die Fluggäste seien auf dem Weg zum Flughafen deutlich gefährdeter als im Gebäude, sagt er.

Sprinkleranlage bereitet weiter Sorgen

Sorgen macht die Sprinkleranlage, weil der Umbau dieses Systems als zeitkritisch für die Fertigstellung gilt. Statt 50.000 wurden im Zuge mehrerer Erweiterungen 80.000 Sprinklerköpfe eingebaut. Nun reicht der Wasserdruck nicht überall. Das sei aber vergleichsweise einfach, "simple Physik". Jetzt wurde alles neu berechnet und 24 kritische Bereiche identifiziert. An sieben müssten neue Rohre verlegt werden. Das sei einfach ein Mengenproblem, die Lage sei aber "nicht mehr unbeherrschbar".

Eine große Aufgabe am BER ist die Dokumentation des Gebäudes. 2,5 Millionen Blatt müssen am Ende beim Bauordnungsamt eingereicht werden. Deswegen ist die Bauabnahme der fertigen Teile eine wichtige Aufgabe. Am Ende wird die Eröffnung davon abhängen, ob in den Akten möglichst wenige Fehler auftauchen und die Behörden nicht länger prüfen müssen. Aber auch wenn niemand einen Termin nennt, so ist doch klar, dass vor 2019 mit einem Start des BER kaum zu rechnen ist.

Erweiterung auf 55 Millionen Passagiere geplant

Dafür denkt der Flughafenchef in die Zukunft. Am Montag wird er dem Aufsichtsrat Überlegungen für einen Masterplan vorstellen, um bis 2040 die Kapazität auf 55 Millionen Passagiere pro Jahr zu steigern. 2016 hatte Berlin knapp 33 Millionen Fluggäste. Wenn der BER eröffnet, soll er 27 Millionen abfertigen, das alte SXF in Schönefeld zwölf. Av 2020 soll ein neues Terminal – T1E – sechs Millionen zusätzlich bewältigen, macht zusammen 45 Millionen.

Um den Ausbau ohne weiteres Steuergeld zu finanzieren und die Kredite bedienen zu können, sucht Lütke Daldrup nach Erlösquellen. Er setzt auf mehr Einzelhandel und Gastronomie in den Terminals, will die Freiflächen um den BER vermarkten und ausgegliederte Aktivitäten wie die Abfertigungsdienste wieder in die Flughafengesellschaft zurückholen. "Sie wollen ja nicht mehr zahlen", sagte er nur halb im Scherz zu den Haushaltspolitikern.

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