BER-Debakel

Neuer BER-Chef: "Natürlich ist 2018 das Ziel"

BER-Chef Lütke Daldrup ist zuversichtlich. Rainer Bretschneider zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats ernannt.

Der neue Geschäftsführer der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH (FBB), Engelbert Lütge Daldrup (r), und BER-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider

Der neue Geschäftsführer der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH (FBB), Engelbert Lütge Daldrup (r), und BER-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider

Foto: Soeren Stache / dpa

Es war der Beginn einer neuen Ära für das Flughafenprojekt BER. Das erste Mal seit Jahren tagte der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg ohne Spitzenpolitiker mit am Tisch. Nachdem sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und mit ihm seine Senatoren Klaus Lederer (Linke) und Dirk Behrendt (Grüne) zurückgezogen haben, ist das Projekt zumindest von der Aufsichtsseite her so unpolitisch wie lange nicht. Lederer und Behrendt waren nur bei den beiden Krisensitzungen vor zwei Wochen dabei, als Müller den Flughafenchef Karsten Mühlenfeld aus der Geschäftsführung drängte und seinen eigenen Flughafen-Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup trotz Bedenken der Mitgesellschafter Bund und Brandenburg an seiner Stelle installierte.

Zum Vorsitzenden wählten die Aufsichtsräte am Freitag erwartungsgemäß den Brandenburger Flughafen-Staatssekretär Rainer Bretschneider. Der Sozialdemokrat sagte, er wolle gemeinsam mit dem neuen Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup konstruktiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Der Aufsichtsrat habe Arbeitsverträge der Geschäftsführer Lütke Daldrup und des neuen Arbeitsdirektors, dem Düsseldorfer Rechtsanwalt Manfred Bobke-von Camen, beschlossen.

2018 soll Regierungsterminal übergeben werden

Im Wirtschaftsplan 2017 sei geplant, im Betrieb der Flughäfen Tegel und Schönefeld einen positiven dreistelligen Millionenbetrag zu erwirtschaften, so Bretschneider. Was womöglich weiteres Geld der öffentlichen Hand angehe, sehe er "absolut keinen Handlungsbedarf". Er sehe gute Chancen, dass man mit den bereits zugesagten 2,2 Milliarden Euro bis 2020 auskomme.

Lütke Daldrup sagte nach zehn Tagen im Dienst, beim Interims-Regierungsterminal gehe es sichtbar voran, im Sommer 2018 werde man es dem Bund übergeben. Beim Hauptterminal wolle man sich noch einmal sehr genau die Risiken anschauen und alle vorhandenen Informationen durchgehen. Lütke Daldrup bat um Geduld, bis er einen belastbaren Eröffnungstermin nennen kann. Das würde noch einige Zeit dauern aber "natürlich ist 2018 das Ziel". Der Verkehrsstaatsekretär des Bundes, Rainer Bomba (CDU), sagte hingegen: "Ich bleibe bei 2018." Mit seiner Prognose stellt sich Bomba aber gegen die Aussagen eines Gutachtens, wonach ein Start 2018 eher unwahrscheinlich ist.

Zu seinem Vertrag sagte Lütke Daldrup, dieser habe eine kürzere Laufzeit als die fünf Jahre seines Vorgängers Mühlenfeld: "Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen, die Frage der finanziellen Honorierung hat für mich keine Rolle gespielt." Er bekomme ein amtsangemessenes Gehalt. Bretschneider wollte sich zu den Konditionen seines Vertrages nicht äußern.

Zwei Berliner Posten werden mit Externen besetzt

Für Berlin nahm Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) an der Abstimmung der Eigentümer teil. Das soll er nun häufiger tun, sagte seine Sprecherin. Kollatz-Ahnens Haus übernimmt von Müllers Senatskanzlei wie berichtet auch die Rolle des Flughafen-Kontrolleurs in der Administration. Finanz-Staatssekretärin Margaretha Sudhof kehrt nach kurzer Auszeit in den Aufsichtsrat zurück und wird dort neben Lederers Staatssekretär Gerry Woop den Senat vertreten.

Die beiden anderen Berliner Mandate werden offenbar mit externen Experten besetzt. Die Grünen konnten ihren alten Wunsch durchsetzen und entsenden den 61 Jahre alten Projektmanager Norbert Preuß in das Gremium, der unter anderem den Münchner Flughafen mitgebaut hat. Die beiden anderen Berliner Mandate werden offenbar mit externen Experten besetzt.

Nach Informationen der Morgenpost hat auch die SPD für den vierten Berliner Aufsichtsratsposten einen externen Experten im Auge. Der Name ist aber noch geheim, an der Sitzung am Freitag nahm die neue Person offenbar noch nicht teil.

Allerdings sagte Lütkei Daldrup auch: "Natürlich ist 2018 das Ziel."

Bretschneider sagte, was womöglich weiteres Geld der öffentlichen Hand angehe, sehe er "absolut keinen Handlungsbedarf". Er sehe gute Chancen, dass man mit den bereits zugesagten 2,2 Milliarden Euro bis 2020 auskomme.

Er verteidigte die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin wegen Geheimnisverrates. Es seien Telefonprotokolle von vertraulichen Gesprächen über die Finanzierung des Projektes an die Öffentlichkeit gegeben worden.

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