BER-Debakel

Flughafengesellschaft veröffentlicht brisantes BER-Gutachten

Der neue Flughafenchef Lütke Daldrup lässt die Gutachten zum Eröffnungstermin des BER ins Netz stellen.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Ab sofort können die Dokumente der Unternehmensberatung Roland Berger und der Beratungsgesellschaft Netherlands Airport Consultants zu den Chancen der BER-Eröffnung über die Internetseite der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) öffentlich eingesehen werden. Die FBB reagiert damit auf neue Spekulationen im Zusammenhang mit einem BER-Eröffnungstermin nicht vor 2019.

Der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup will mit diesem Schritt offenbar im Informationsdickicht um den Pannen-Hauptstadtflughafen BER eine Schneise schlagen. "Die Veröffentlichung der Dokumente durch die Flughafengesellschaft ist ein erster wesentlicher Schritt zu mehr Transparenz am BER", betonte er am Montag.

Dass die Entscheidung tatsächlich eine veränderte Informationspolitik einleitet, ist damit noch nicht gesagt. Denn die beiden Vorgänger Hartmut Mehdorn und Karsten Mühlenfeld hatten nach der geplatzten Eröffnung im Juni 2012 unter Flughafenchef Rainer Schwarz bei ihrem jeweiligen Amtsantritt ebenfalls "mehr Transparenz am BER" angekündigt. Doch viele Entwicklungen auf der Dauer-Baustelle BER erfuhren die Abgeordneten aus den Medien. Die Flughafengesellschaft hat im Zusammenhang mit den jüngsten Veröffentlichungen inzwischen Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat gestellt.

Die frühere Geschäftsführung unter dem damaligen Flughafenchef Mühlenfeld hatte Mitte 2016 die Unternehmensberatungen Roland Berger und Netherlands Airport Consultants (NACO) mit der Erstellung von Gutachten beauftragt. Mit dem Ziel, eine unabhängige Risiko- und Wahrscheinlichkeitsanalyse des Rahmenterminplans und Eröffnungstermins des Flughafens Berlin Brandenburg zu erhalten. Die beiden Expertisen fielen unterschiedlich aus.

Der inzwischen abgesagte Start des neuen Hauptstadtflughafens in diesem Jahr galt den Beratern um Roland Berger schon im vergangenen Herbst als wenig wahrscheinlich. Aus ihrer Sicht war der Termin seinerzeit nur noch erreichbar, wenn der Probebetrieb und die Inbetriebnahme parallel liefen und Betriebsrisiken in der Startphase akzeptiert würden. Das geht aus der Präsentation für den Projektausschuss vom September 2016 hervor, die der Flughafen jetzt veröffentlicht. Nachzulesen ist auch eine Untersuchung der Netherlands Airports Consultants mit demselben Datum. Diese Berater hielten einen Start im Oktober oder November 2017 für machbar. "Ein Flughafen ist nie 100 Prozent", heißt es darin.

"Ohne weitere Maßnahmen kann sich die Eröffnung des BER bis 2019 verzögern"

Vor dem Hintergrund der eingetretenen Terminrisiken wurde im Fe­bruar 2017 ein weiteres Gutachten bei Roland Berger in Auftrag gegeben. Flughafenchef Mühlenfeld gab damals bekannt, dass der Flughafen nicht wie bislang geplant, bis Ende 2017 eröffnen könne. Am 3. März wurde das Gutachten an ihn übergeben. Mühlenfeld kannte es also zu dem Zeitpunkt, an dem er den Auflösungsvertrag unterschrieb und das Unternehmen auf Druck der Gesellschafter Berlin und dem Bund verließ.

Die Berater warnen darin: "Ohne weitere Maßnahmen kann sich die Eröffnung des BER bis 2019 verzögern." Die Wahrscheinlichkeit einer Eröffnung im Herbst 2018 beziffern sie auf 73 Prozent. Erst im Dezember 2018 wird eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit ermittelt. Es wird aber darauf verwiesen, dass die FBB eine Eröffnung des BER in den Wintermonaten ausgeschlossen hat.

Der neue Flughafenchef Lütke Daldrup erhielt das brisante Gutachten laut Flughafengesellschaft am 8. März. Am 10. März wurden die Ergebnisse der Studie dem Projektausschuss des Aufsichtsrats vorgestellt. Und nun soll es jeder Interessierte nachlesen können.

Zu finden sind die drei Gutachten hier.

Die Naco-Studie vom September 2016 (PDF)

Die Roland-Berger-Studie vom September 2016 (PDF)

Die Roland-Berger-Studie vom März 2017 (PDF)

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