Berliner Pannen-Flughafen

Lütke Daldrup neuer BER-Chef - 800.000 Euro für Mühlenfeld

Karsten Mühlenfeld ist nicht länger Chef des Hauptstadtflughafens. Sein Nachfolger wird Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup.

Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup wird neuer BER-Chef

Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup wird neuer BER-Chef

Foto: pa

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg bekommt einen neuen Chef. Der bisherige Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld muss wegen eines tief sitzenden Zerwürfnisses mit weiten Teilen des Aufsichtsrates gehen.

Sein Nachfolger wird Berlins Flughafenstaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD). Der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) sagte, das Kontrollgremium habe dem Vorschlag einstimmig zugestimmt. Er sei am nächsten dran und sichere eine personelle Kontinuität. Lütke Daldrup sei eine gute, sachgerechte und schnelle Lösung, sagte Müller. Die Suche nach einem externen Manager mittels eines Personalvermittlers hätte mindestens ein halbes Jahr gedauert.

Neuer BER-Chef Lütke Daldrup: "Nicht so viel quatschen"

Müller kündigte zugleich an, aus dem Aufsichtsrat auszuscheiden. "Das war heute meine letzte Aufsichtsratssitzung", sagte Müller. Dies sei aus Compliance-Gründen notwendig. Die Vertragsgestaltung soll am 17. März bei der nächsten Aufsichtsratssitzung vorliegen. Die beiden stellvetretenden Aufsichtrsratschefs Rainer Bretschneider und Holger Rößler von Verdi sollen die Details aushandeln.

Müller teilte außerdem mit, dass der Bauleiter für den neuen Hauptstadtflughafen, Jörg Marks, seine Arbeit wieder aufnehmen werde.

Auf diese Lösung verständigte sich der Aufsichtsrat am Montag bei der Fortsetzung der am frühen Donnerstagmorgen unterbrochenen Sondersitzung. Der Bund als Miteigentümer neben Berlin und Brandenburg hatte seinen Widerstand gegen diese Personalie im Laufe der Sitzung aufgegeben, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Brandenburg hatte schon früher Zustimmung zum Vorschlag des Aufsichtsratschefs Michael Müller signalisiert. Über das Wochenende hatten sich die Pläne zerschlagen, einen erfahrenen, externen Manager für den Weiterbau zu engagieren.

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Mühlenfeld hatte sich mit dem Aufsichtsrat überworfen, als er in der vorvergangenen Woche überraschend den BER-Bauleiter Jörg Marks feuerte. Zwei Wochen zuvor hatte der Aufsichtsrat noch der gesamten Geschäftsführung und auch Marks das Vertrauen ausgesprochen, obwohl technische Schwierigkeiten mit Türen und Sprinklern zu einer endgültigen Absage des angepeilten Start-Termins Ende 2017 geführt hatte. Zuletzt tauchte ein anonymes Papier auf, das angebliche Versäumnisse Marks' sowie weitere technische Probleme an der Schnittstelle zwischen Brandmeldeanlage und dem Sprinklersystem auflistet.

Mühlenfeld hatte schon am Wochenende einen Aufhebungsvertrag mit den Gesellschaftern ausgehandelt, seinen Widerstand gegen seine Ablösung gab der Manager auf. Dem Vernehmen nach erhält Mühlenfeld 800.000 Euro aus seinem bis 2020 laufenden Vertrag als Abfindung ausgezahlt. Mit dem Vergleich minimieren beide Seiten ihr Risiko. Die Gesellschafter verzichten auf eine Kündigungsklage gegen den früheren Rolls-Royce-Manager. Diese hatten sie erwogen, weil Mühlenfeld eigenmächtig als Nachfolger von Marks den früheren Bahnbau-Manager Christoph Bretschneider engagiert hatte. Die Erfolgsaussichten einer solchen Kündigung ohne Abfindung waren aber ungewiss. Im schlechtesten Fall hätte die Flughafengesellschafter seine drei vollen Jahresgehälter von insgesamt 1,5 Millionen Euro auszahlen müssen.

Auch Lederer und Behrendt ziehen sich aus Aufsichtsrat zurück

Mit Müller werden sich auch die Vertreter der Koalitionspartner zurückziehen. Nach nur zwei Sitzungen ist damit Schluss für Kultursenator Klaus Lederer (LInke) und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne). Sie können nicht bleiben, wenn ansonsten keine MInister in dem Gremium arbeiten. Wer für Berlin die Kontrollfunktion übernimmt, ist laut Müller noch offen. Bei den Linken ist Lederers Staatssekretär Gerry Woop im Gespräch.

Müller sagte, er sie nicht erleichtert, dass er die Funktion an der Spitze nun aufgebe. Es habe sich in der Gesamtkonstellation nun so ergeben. "Das ist eine Aufgabe, für die man nicht belohnt oder gelobt wird", sagte Müller Er habe aber immer die politische Verantwortung übernommen.

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