Personaldebatte

Warum Mühlenfeld vorerst BER-Chef bleibt

Eine Sondersitzung des BER-Aufsichtsrats zur Zukunft von Flughafenchef Mühlenfeld endete in der Nacht zu Donnerstag ohne Ergebnis.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin-Brandenburg Gesellschaft (FBB), Karsten Mühlenfeld

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin-Brandenburg Gesellschaft (FBB), Karsten Mühlenfeld

Foto: dpa Picture-Alliance / Klaus-Dietmar Gabbert / picture alliance / dpa

Die Führungskrise bei der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft bleibt trotz eines mehrstündigen Krisentreffens zunächst ungelöst. Der Aufsichtsrat ging in der Nacht zu Donnerstag ohne Ergebnis auseinander, wie das Unternehmen mitteilte. Das Kontrollgremium will seine Beratungen über die Zukunft von Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Montag fortsetzen. Seine Ablösung scheiterte nach dpa-Informationen am Widerstand Brandenburgs.

Der Bund und Berlin wollen Mühlenfeld entlassen, weil er auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens BER Personalentscheidungen gegen den Willen des Aufsichtsrats getroffen hatte. Es ist jedoch unklar, ob Mühlenfeld dabei Regelverstöße beging. Der Bund und Berlin sehen aber das Vertrauensverhältnis erschüttert.

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Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen war auch eine Mehrheit der Arbeitnehmervertreter im dem Gremium zu einem Rauswurf Mühlenfelds bereit. Berlin schlug vor, dass der Flughafenkoordinator der Senatskanzlei, Engelbert Lütke Daldrup, vorübergehend die Geschäfte führt, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden wird. Dies hätten die Vertreter Brandenburgs aber abgelehnt, hieß es.

Potsdams Flughafenkoordinator und Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider hatte die Beteiligten schon vor dem Treffen aufgerufen, einen kühlen Kopf zu bewahren. "Heute entscheiden wir über die Sache", sagte er zu Fragen nach Personalien. Auch die deutschen Fluggesellschaften hatten vor einem Rauswurf Mühlenfelds gewarnt, weil sie neue Verzögerungen am BER fürchten.

Die Länder Berlin und Brandenburg und der Bund sind gemeinsam Inhaber des Unternehmens, das den krisenbehafteten neuen Berliner Großflughafen baut. Nach neuen Verzögerungen auf der Baustelle hatte Mühlenfeld in der vergangenen Woche den Bauleiter ausgewechselt. Auf Technikchef Jörg Marks folgte der Ex-Bahn-Manager Christoph Bretschneider - obwohl die Flughafen-Eigner dagegen waren.

Nach dpa-Informationen gab es im Aufsichtsrat auch Stimmen für eine Rückkehr Marks'. Er ist formell noch nicht entlassen, sondern zunächst nur freigestellt. Zudem soll auch über eine Ablösung von Finanzchefin Heike Fölster diskutiert worden sein.

Differenzen hatte es vorab auch über die Aussage des Flughafenchefs gegeben, Berlin sei über die Nachfolger-Suche für Marks informiert gewesen. Die Senatskanzlei widerspricht dem. Bretschneider wurde auf Honorarbasis angeheuert. Ab einem Gesamthonorar von 120.000 Euro im Jahr muss dies vom Aufsichtsrat abgesegnet werden.

Die Eröffnung des Flughafens BER war seit Baubeginn 2006 schon fünf Mal verschoben werden, das Projekt ist inzwischen mehr als fünf Jahre im Verzug. Grund sind Technikprobleme, Fehlplanungen und Baumängel. Die Baukosten stiegen seit dem ersten Spatenstich von 2 auf 6,5 Milliarden Euro, wobei ein Teil davon auf Erweiterungen entfällt.

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