BER-Debakel

Das Vertrauen in BER-Chef Mühlenfeld schwindet

Die Flughafengesellschafter sollen bereits intensiv nach einem neuen BER-Chef suchen.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld auf der Start- und Landebahn in Schönefeld (Archivfoto)

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld auf der Start- und Landebahn in Schönefeld (Archivfoto)

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd Settnik / picture alliance / ZB

Das berufliche Schicksal von Karsten Mühlenfeld wird sich wohl in den kommenden Tagen entscheiden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost könnte bereits am Montag ein Termin für die vom Anteilseigner Bund geforderte Sondersitzung des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft bekannt gegeben werden. Und es verdichten sich immer mehr die Anzeichen, dass es am Ende zu einem Wechsel an der Spitze der Flughafengesellschaft kommen wird.

Auslöser der aktuellen Führungskrise war der in der Vorwoche durch Mühlenfeld veranlasste Rauswurf des bisherigen Projektverantwortlichen für den BER, Jörg Marks. Die Flughafen-Gesellschafter waren von der Personalentscheidung nicht nur überrascht worden, sie hatten davor ausdrücklich gewarnt. Mühlenfeld verwies hingegen darauf, dass diese Entscheidung in den operativen Verantwortungsbereich der Geschäftsführung fällt und präsentierte zudem umgehend mit dem früheren Bahn-Manager Christoph Bretschneider einen Nachfolger für Marks. Bretschneider sei der richtige Mann, um das BER-Projekt zum Abschluss zu bringen, sagte er.

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Von Mühlenfelds Vorgehen sehen sich speziell die Flughafen-Anteilseigner Berlin und Bund vor den Kopf gestoßen. Nicht so sehr die Personalentscheidung selbst, sondern insbesondere die begleitende Kommunikation dazu sorgt für Unmut. So erfuhren dem Vernehmen nach die Flughafen-Gesellschafter erst aus einem Interview, das Mühlenfeld am Freitag dem "Tagesspiegel" gab, Details über die Anstellung des neuen Projektverantwortlichen. Dieser soll nicht zu einem Festgehalt, sondern auf Basis eines Tageshonorars von 1700 Euro bis zur BER-Eröffnung für den Flughafen arbeiten. Was in der Wirtschaft durchaus gängige Praxis ist, stößt bei den staatlichen Anteilseignern der Flughafengesellschaft augenscheinlich auf wenig Verständnis.

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Gleichfalls für anhaltende Verärgerung sorgte die Aussage von Mühlenfeld, dass er schon seit ein paar Wochen nach einem Nachfolger für Marks gesucht habe. Dies, so sagte er in dem Zeitungsinterview, sei mindestens dem Anteilseigner Berlin bekannt gewesen. Senatssprecherin Claudia Sünder wies diese Behauptung entschieden zurück: "Dem widersprechen wir. Die Anteilseigner sind von der Personalentscheidung Mühlenfelds in dieser Woche völlig überrascht worden." Der Bund als dritter BER-Gesellschafter neben den Ländern Berlin und Brandenburg hat wegen der Personalentscheidung eine Sondersitzung des Aufsichtsrats beantragt, deren Termin noch nicht bekannt ist. An ihr sei auch das Land Berlin interessiert, sagte Sünder. Die nächste reguläre Sitzung des Kontrollgremiums steht am 17. März an.

Das Land Brandenburg, das Mühlenfeld vor zwei Jahren als Flughafenchef vorgeschlagen und auch durchgesetzt hat, sprach sich derweil in der Debatte um den Flughafenchef gegen überhastete Reaktionen aus. "Ich plädiere stattdessen für eine sachliche Aufarbeitung der aktuellen und strategischen Probleme. Von einer hektischen medialen Kontroverse halte ich nichts", sagte Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider am Sonntag.

Offenbar schon zwei Namen als Nachfolger-Kandidaten im Gespräch

Ungeachtet dessen soll es bereits eine intensive Suche nach einem Nachfolger für Mühlenfeld geben. Da möglicherweise eine schnelle Lösung benötigt wird, sind auch die Namen von zwei Beamten im Gespräch, die bereits seit Langem mit dem Flughafenprojekt beschäftigt sind. Zum einen der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, der sich bereits 2015, als ein Nachfolger für den zurückgetretenen Flughafenchef Hartmut Mehdorn gesucht wurde, für den Posten ins Gespräch gebracht hatte. Und der von Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup, der als Berlins Flughafenkoordinator das BER-Projekt begleitetet.

Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus warnte indes vor einer solchen Besetzung. Es wäre "ein verhängnisvoller Fehler, wenn die Gesellschafter Flughafenchef Karsten Mühlenfeld tatsächlich in die Wüste schicken und durch einen Politiker aus dem Aufsichtsrat ersetzen würden, erklärte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja. Denn deren Flughafenkompetenz tendiere eher gegen Null. "Da würde der Bock zum Gärtner gemacht", so Czaja. Zumindest in Berliner Gesellschafterkreisen verweist man indes auf die hohe Expertise Lütke Daldrups.

Gesellschaft willl sich nicht äußern

Berlins CDU-Generalsekretär Stefan Evers verlangte, den "offenen Widerspruch" zwischen den unterschiedlichen Aussagen lückenlos aufzuklären. "Wir wollen wissen, wer die Wahrheit zum unnötigen Rauswurf des BER-Technik-Chefs sagt: die Flughafengesellschaft oder die Senatskanzlei", hieß es in einer Stellungnahme am Sonntag.

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg wollte sich am Sonntag nicht zu der Diskussion äußern. Ihr Pressesprecher Lars Wagner verwies auf Mühlenfelds zitiertes Zeitungsinterview, das weiterhin gelte. Darin verteidigt der Geschäftsführer noch einmal Marks' Entlassung. Dies sei nötig gewesen, um den Airport zügig fertigzubauen.

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