Berlin

Zeit des Technikchefs ist abgelaufen

Jörg Marks kam 2014 als „Heilsbringer“, um den BER fertig zu bauen. Nun wurde er entlassen

Es war wohl eine einsame Entscheidung des Karsten Mühlenfeld. Der Chef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) hat am Donnerstag offenbar gegen den Willen des Aufsichtsrates den Technikchef des BER, Jörg Marks, gefeuert. Der frühere Siemens-Manager war seit Sommer 2014 für die Pannen-Baustelle verantwortlich. Es ist der vierte Bauleiter in fünf Jahren, der den BER verlassen muss. Sein Nachfolger wird der frühere Geschäftsführer der DB ProjektBau GmbH, Christoph Bretschneider.

Mühlenfeld macht Marks nach Informationen der Morgenpost verantwortlich für die Ende letzten Jahres bekannt gewordenen technischen Probleme mit der Steuerung von Türen und der Sprinkleranlage. Die daraus folgenden Verzögerungen führten zur Absage der Eröffnung Ende 2017. Zudem soll Mühlenfeld kritisiert haben, dass am Bau beteiligte Firmen Fristen überschritten hätten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.

Die Aufsichtsräte waren gegen die Entlassung

Der Aufsichtsratsvorsitzende und Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte daraufhin Mühlenfeld öffentlich kritisiert, weil er die Terminverschiebung nicht frühzeitig erkannt und die Probleme lange als kurzfristig lösbar dargestellt habe. Es habe da ein "Erkenntnisproblem der Geschäftsführung" gegeben, so Müller vor zwei Wochen im Abgeordnetenhaus.

Mühlenfeld informierte am Mittwoch den Präsidialausschuss des Aufsichtsrates. Dort war die Haltung zu diesem Schritt aber sehr kritisch, eine Zustimmung gab es nicht. Die Vertreter der drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund rieten dem Flughafenchef ab. Sie sahen keinen Sinn darin, kurz vor der Fertigstellung die Verantwortlichen auszutauschen. Das sei kaum zu vermitteln.

Laut Müller befindet sich der BER "in der Schlusskurve". Er rechnet inoffiziell mit einer Eröffnung im Sommer 2018, wie er im Parlament andeutete. Trotz der Kritik darf Mühlenfeld über die Personalie entscheiden. "Jetzt muss sich die Geschäftsführung daran messen lassen, dass der BER sicher und im Kostenrahmen in 2018 eröffnet wird", sagte Müller. Nach Morgenpost-Informationen legte sich Mühlenfeld am Donnerstag fest. "Das muss 2018 möglich sein", sagte er in einem Abgeordnetenhaus-Ausschuss zum Eröffnungstermin.

Jörg Marks war im Juni 2014 als Heilsbringer von Siemens zum BER gewechselt. Der Ingenieur leitete bis dahin das Ostdeutschland-Geschäft der Siemens-Division "Building Technologies" und war damit für die Arbeiten von Siemens am Flughafen verantwortlich. Der Seitenwechsel wurde seinerzeit zwiespältig aufgenommen. Die einen begrüßten, dass nun ein Experte mit Kenntnissen über die nicht richtig funktionierende Entrauchungsanlage gewonnen werden konnte. Andere warnten, die Nähe zum Großauftragnehmer Siemens könne problematisch sein, weil der Konzern womöglich bei Streitigkeiten um Bauleistungen und Nachträge andere Interessen verfolge als die Flughafengesellschaft. Letztlich war Marks aber insoweit erfolgreich, als dass der BER nun erstmals komplett genehmigt ist. "Jörg Marks haben wir viel zu verdanken", erklärte Mühlenfeld in einer Mitteilung des Flughafens: "Durch seinen Einsatz ist es gelungen, am BER seit 2014 wesentlich voranzukommen."

Der Flughafenchef rechtfertigt den Rauswurf damit, dass das Projekt in eine neue Phase getreten sei. Um den Flughafen schnell zu eröffnen, sei es notwendig, die "schwierige Konstellation mit den verantwortlichen Unternehmen und den Sachverständigen" zu lösen und die "Voraussetzungen für eine planmäßige und verlässliche technische Inbetriebnahme" zu schaffen.

Es kommt der fünfte Technikchef in fünf Jahren

Das traut der Flughafenchef dem neuen Mann offenbar eher zu als Marks. Christoph Bretschneider verfüge über die "notwendigen Qualifikationen und den erforderlichen Pragmatismus". Der 56-Jährige habe komplexe Großprojekte gesteuert, unter anderem für Siemens den Bau des Transrapid in Shanghai (China) sowie die Inbetriebnahme der Leit- und Sicherheitstechnik für die Metrolinie 1 in Guangzhou. Im Aufsichtsrat sorgt man sich hingegen, dass der Neue noch nie im Hochbau tätig gewesen sei.

Bretschneider ist Berliner und lebt seit 2015 wieder als freier Unternehmensberater in der Stadt. Er wirbt mit seiner Kommunikationsstärke. Mit Brandenburgs Flughafenkoordinator und BER-Aufsichtsrat Rainer Bretschneider ist er laut Flughafengesellschaft weder verwandt noch verschwägert.

Bretschneider ist der fünfte Technikchef des BER in fünf Jahren. Manfred Körtgen musste nach der geplatzten Eröffnung 2012 gehen. Sein Nachfolger Horst Amman sammelte die Baufehler und musste im November 2013 nach einem Machtkampf mit BER-Chef Hartmut Mehdorn seinen Stuhl räumen. Es kam Jochen Großmann, der bald darauf wegen einer Korruptionsaffäre gefeuert wurde.

Die Opposition schoss sich auf den Aufsichtsratsvorsitzenden Müller ein. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja wertete die Entscheidung als "Beweis, dass Müller nichts gelernt hat und immer noch lieber Köpfe rollen sieht, als pragmatisch an Lösungen zu arbeiten". Der CDU-Abgeordnete Heiko Melzer warnte, die Bauausführung drohe "mal wieder in Verzug" zu geraten, da sich jeder neue Verantwortliche erst einarbeiten müsse.

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