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Schönefeld

"Letzte Generation": Aktivisten kleben auf BER-Gelände

| Lesedauer: 4 Minuten
Die Klimakleber streamten die Aktion auf ihren Social Media-Kanälen.

Die Klimakleber streamten die Aktion auf ihren Social Media-Kanälen.

Foto: Youtube/Screenshot

Aktivisten der "Letzten Generation" drangen am Nachmittag auf das BER-Gelände vor. Der Flugbetrieb musste eingestellt werden.

Schönefeld. Aktivisten der "Letzten Generation" haben sich am Donnerstagnachmittag gegen 16.20 Uhr auf einem Rollfeld des BER auf dem Asphalt festgeklebt. Andere fuhren mit Fahrrädern über das Rollfeld. Das berichten sie in einer Pressemitteilung. In den sozialen Medien zeigt ein Video die Aktion. Kurz vor dem Betreten des Flughafengeländes habe man die Polizei per Notruf über das Vorhaben informiert, hieß es vonseiten der Klima-Aktivisten.

Aktion am BER: Start- und Landebahnen gesperrt

Ein Sprecher des Flughafens teilte zunächst mit, dass der Flugverkehr nicht beeinträchtigt sei. Laut dem Sprecher befinden sich die Aktivisten auf einem sogenannten Taxiway, also einer Zufahrtsstraße für Luftfahrzeuge, recht nah am alten Flughafen Schönefeld. Der Abstand zum tatsächlichen Flugbetrieb sei so groß, dass es keine Beeinträchtigungen gebe. Am späten Nachmittag mussten dann aber offenbar doch Start-und Landebahnen vorübergehend gesperrt werden. Das teilte der BER via Twitter mit.

Nach Angaben eines BER-Sprechers haben sich nach bisherigem Stand zwei Gruppen mit jeweils drei-Personen Zutritt zu dem Gelände verschafft. Eine Gruppe der Aktivisten soll im Norden in der Nähe des Terminals 5 eingedrungen sein, eine andere im Süden. Der Sprecher betonte, dass keine Aktivisten auf der Start- und Landebahn gewesen sein sollen, sondern lediglich auf einer Zufahrtsstraße. Darauf verkehren Flugzeuge, wenn sie etwa zur Start- und Landebahn rollen.

Da bislang noch nicht bekannt sei, ob sich weitere Personengruppen auf dem Flughafengelände befinden, sei der Flugverkehr vorläufig eingestellt worden, so der Sprecher weiter. „Wir müssen erst sicherstellen, dass niemand zu Schaden kommt.“ Deshalb würden keine Flugzeuge starten und vorläufig keine landen können. Insofern ankommende Flüge nicht umgeleitet wurden, sollen sie laut dem Sprecher über dem Flughafen kreisen. „Wir arbeiten daran schnellstmögliche eine Start- und Landebahn in Betrieb zu nehmen“, sagte er.

Die Aktivisten streamten ihre Aktion live bei Twitter. Dort war zu sehen, wie sie kurz nach 16 Uhr einen Zaun durchknipsten und auf das Flughafengelände gingen. Anschließend hielten sie Banner in die Kamera und erklärten ihre Motive. Es war auch zu sehen, wie sich Aktivisten mutmaßlich am Boden festklebten. Etwa zehn Minuten nach Beginn der Aktion war im Livestream Blaulicht zu erkennen, wenig später waren auch Polizisten zu hören.

Sollte bei der Aktion der „Letzten Generation“ der Flugverkehr dennoch in irgendeiner Weise beeinträchtigt worden sein, so könnte es sich laut einem Sprecher der Bundespolizeidirektion Frankfurt am Main um einen gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr handeln. Das wäre unter anderem eine Straftat. Sollten sie sich unbefugt Zutritt zu dem Gelände verschaffen haben, dann käme auch noch Hausfriedensbruch hinzu.

Aktivisten in Berlin bisher meist wegen Nötigung angeklagt

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verurteilte die Aktion der "Letzten Generation". "Es war zu erwarten, dass es nicht bei den bisherigen Guerilla-Aktionen auf wichtigen Verkehrswegen im Straßenverkehr bleibt“, kommentierte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin, Benjamin Jendro. Die Aktivisten hätten heute „deutlich klargemacht“, dass sie bereit für Straftaten seien und „der demokratische Rahmen für diese Organisation keinerlei Bedeutung hat“.

Bisher wurden die Aktivistinnen und Aktivisten, die sich auf den Straßen der Hauptstadt festgeklebt haben, meist wegen Nötigung angeklagt und kamen mit Geldstrafen davon. Erst am Donnerstag verurteilte das Amtsgericht Tiergarten einen 26-Jährigen, der sich im Juni neben anderen Aktivisten an der Anschlussstelle Beusselstraße festgeklebt haben soll, zu einer Geldstrafe von 1050 Euro. Im Vergleich zu den bisherigen Urteilen ist das relativ viel, bewegten sich die doch zumeist im dreistelligen Bereich.

Allerdings spielt bei der Höhe das Einkommen des Angeklagten eine Rolle. Zum Teil erhielten die zum Teil noch heranwachsenden Blockierer auch Sozialstunden oder müssen Beratungsgespräche absolvieren. Der Ruf nach härteren Sanktionen wird in Berlin derweil immer lauter – geäußert unter anderem von den Oppositionsparteien CDU und FDP im Abgeordnetenhaus.

( BM/jwue/dpa )