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So erleben Händler und Gastronomen das erste Jahr am BER

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Gut 1,46 Millionen Fluggäste wurden im September am Flughafen BER gezählt, rund 30.000 mehr als im August.

Gut 1,46 Millionen Fluggäste wurden im September am Flughafen BER gezählt, rund 30.000 mehr als im August.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Seit knapp einem Jahr ist der Flughafen BER eröffnet. Wie es Händlern und Gastronomen in der Corona-Pandemie ergangen ist.

Berlin. Der Geruch von Parfüm liegt in der Luft, sobald man den Duty-free-Shop am Flughafen BER betritt. Tatsächlich sind es Duft-Klassiker, etwa von Chanel, die hier von Flugreisenden besonders gern gekauft werden, erzählt Steffen Jopp, General Manager beim Duty-free-Betreiber Heinemann. Das am besten verkaufte Produkt ist allerdings etwas anderes: Es ist das Wasser, wie Jopp mit einem Lachen einräumt.

Der Duty-free-Shop gilt als wichtigster Laden am Hauptstadt-Airport, kein Fluggast kommt von der Sicherheitskontrolle zu seinem Gate, ohne ihn zu durchqueren. Und die Passagierzahlen – das ist es, was Jopp und die anderen Händler knapp ein Jahr nach Eröffnung des Flughafens positiv stimmt – nehmen zu.

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Der September war für den BER bislang der passagierreichste Monat: Gut 1,46 Millionen Fluggäste wurden den Angaben nach gezählt, rund 30.000 mehr als im August. Das sind zwar nicht einmal halb so viele, wie noch im September 2019 erfasst wurden, verglichen mit den ersten Monaten dieses Jahres ist es aber eine deutliche Steigerung. Damals lagen die Fluggastzahlen lediglich zwischen 200.000 und 300.000. „Das erste Quartal war sehr, sehr schwierig“, sagt deshalb auch Manager Jopp, nur durch Kurzarbeit wurde die Zeit überstanden. Im zweiten Quartal ging es dann etwas bergauf, und mit der Ferienzeit habe es langsam angefangen, „dass die Geschäfte wieder Spaß gemacht haben“.

Pleiten von Mietern am BER wurden verhindert

Es herrscht vorsichtiger Optimismus unter den Geschäftstreibenden am BER, auch wenn allen bewusst ist, wie fragil die Situation in der weiter bestehenden Corona-Pandemie ist. In der Zeit des Lockdowns hat der Flughafen versucht, die Mieter der insgesamt 115 Einheiten im Terminal 1 zu entlasten – durch die Möglichkeit für flexiblere Öffnungszeiten oder indem die Mindestmiete zunächst gestrichen und später an die aktuellen Passagierzahlen gekoppelt wurde. „Wir haben viele kleine Mieter aus der Region, denen das geholfen hat“, sagt Norbert Minhorst, Leiter Commercial, der betont: „Es ist kein Mieter wegen Corona pleitegegangen.“ Und inzwischen würden viele auch wieder länger öffnen.

Dennoch bleibt der Einfluss der Pandemie spürbar: Im Schnitt haben Fluggäste laut Minhorst eine knappe halbe Stunde Zeit, um in Geschäften einzukaufen oder die Gastronomie zu nutzen. Durch Corona habe sich das Zeitfenster jedoch verkleinert, weil die Kontrollen und der Einstieg ins Flugzeug länger dauern. Insgesamt, meint Minhorst, liefe es bei der Gastronomie inzwischen aber ziemlich gut. „Sie sind, gekoppelt an die Passagierzahlen, ziemlich nah dran an den Erwartungen, teilweise sogar darüber“, sagt er. Beim Einzelhandel sieht Minhorst noch mehr Luft nach oben.

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Marathon-Wochenende als Vorgeschmack auf normale Auslastung

Besser könnte es immer sein – das sagt auch Sascha Fourman, Chef des Geschenke-Ladens „Promobo“, von dem es in Berlin noch drei weitere Filialen gibt. Ein Geschäft am BER zu eröffnen, sei naheliegend gewesen, erzählt Fourman, weil sich das Konzept insbesondere an Touristen richte. Nur sind die weggeblieben. Ob er es bereut habe, an den Flughafen gekommen zu sein? „Manchmal schon“, räumt der Geschäftsführer offen ein. „Es war der falsche Zeitpunkt. Einen Laden zu eröffnen, kostet ja auch Geld.“ Dennoch versucht sich Fourman ebenfalls in Optimismus: „Die Frequenz ist steigend, es geht bergauf.“

Einen Vorgeschmack darauf, wie es am Flughafen bei guter Auslastung ablaufen könnte, hat das Wochenende von Bundestagswahl und Berlin-Marathon gegeben. „Berlin war an den Tagen voll, auch mit internationalem Publikum“, sagt Jörg Rösemeier von der Wöllhaf-Gruppe, die unter anderem das Lokal „Ständige Vertretung“ am Flughafen betreibt. Es habe sich ein bisschen wie zu Tegel-Zeiten angefühlt, schwärmt Rösemeiser, auch wenn er hinterherschiebt: „Na ja, noch nicht ganz.“ Die „Ständige Vertretung“, in der neben Bildern von Willy Brandt oder Angela Merkel nun auch ein Foto von Ex-Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup hängt, hatte bei Start des BER am 31. Oktober 2020 lediglich für einen Tag geöffnet, dann jedoch wegen der wenigen Passagiere wieder geschlossen. Kurzarbeit half auch hier durch die Krise, bis im Juli zum zweiten Mal geöffnet wurde.

Weitere Geschäfte im Terminal 1 sollen eröffnen

Rösemeier betont: Von den 110 Mitarbeitern, die das Unternehmen in Tegel hatte, sei keiner entlassen worden, wenngleich manche sich von selbst einen neuen Job gesucht hätten. Auch deshalb sei man in der „glücklichen Lage“, jetzt noch genügend Mitarbeiter zu haben. Für den Handel – die Wöllhaf-Gruppe betreibt auch sechs Geschäfte im Terminal 1 – hofft Rösemeier noch auf mehr internationale Passagiere und Dienstreisende. Sobald das Terminal 2 an den Start geht, kommen dort eine Bäckerei und ein Café hinzu. Dass das Terminal im kommenden Jahr seine Türen öffnet, da zeigt sich Rösemeier zuversichtlich. „Wir sind bereit“, sagt er.

Auch im Terminal 1 sollen in den nächsten Monaten weitere Geschäfte und Gastronomie eröffnen. Mit einer freien Fläche am Marktplatz und zwei Einheiten im Food Court wolle man jetzt an den Markt gehen, sagt Vermietungschef Minhorst. Gastro-Betreiber Casualfood plant, bald noch zwei Berliner Pubs zu eröffnen. „Letztes Jahr um diese Zeit waren wir noch sehr nervös“, sagt Standortleiter Benedikt Augustin. Inzwischen hat sich der Flughafen weiterentwickelt, und es herrscht Augustin zufolge auch eine andere Gefühlslage vor: „positive Aufbruchsstimmung“.