Luftverkehr

Flughafen Schönefeld soll im März schließen

In der Krise wird der inzwischen als Terminal 5 des BER firmierende Alt-Airport nicht gebraucht. Der Flughafenchef Lütke will Kosten sparen

Der alte Flughafen Schönefeld wurde zum Terminal 5 umgewandelt.

Der alte Flughafen Schönefeld wurde zum Terminal 5 umgewandelt.

Foto: Simone Kuhlmey / imago images/Pacific Press Agency

Berlin/Schönefeld. Der Einbruch des Luftverkehrs könnte auch das Schicksal des letzten der früher drei alten Flughäfen in der Region Berlin-Brandenburg vorzeitig besiegeln. Die Flughafengesellschaft plant, das alte Terminalgebäude in Schönefeld zu schließen. Das erfuhr die Morgenpost aus Kreisen des Projektausschusses des Aufsichtsrates. Der früher als SXF abgekürzte Airport firmiert seit der Eröffnung des neuen Flughafens als Terminal 5 des BER.

Am Freitag hatte Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup dem Projektausschuss seine Pläne vorgestellt. Am nächsten Freitag soll der Aufsichtsrat insgesamt das Thema erörtern. Lütke Daldrup möchte den Terminal 5 mit Beginn des Sommerflugplans im März 2021 für zunächst ein Jahr stilllegen.

Der Flughafenchef bestätigte auf Nachfrage der Morgenpost am Sonntag entsprechende Überlegungen. „Angesichts der sehr schlechten verkehrlichen Entwicklung müssen wir darüber nachdenken, ob wir T5 in 2021 wirklich benötigen“, sagte Lütke Daldrup. Derzeit seien am BER insgesamt nur ein Zehntel der Passagiere wie im vergangenen Jahr unterwegs. „Alle deutschen Flughäfen zusammen erwarten für 2020 insgesamt ein Minus von 75 Prozent und für das Jahr 2021 ein Minus von etwa 65 Prozent gegenüber 2019“, sagte Lütke Daldrup.

Für die Flughäfen sei der derzeit geltende Lockdown light genau so dramatisch wie der Lockdown im Frühjahr. Die Passagierzahlen sinken, nachdem es im Sommer eine kurze Erholung gegeben hatte.

Lütke Daldrup steht unter massivem Druck, die Kosten des Flughafenbetriebes zu senken, um das Defizit zu begrenzen. Wie viel Geld bei einer Aufgabe von Schönefeld eingespart werden kann, wollte die Flughafengesellschaft noch nicht beziffern. Es gehe aber um hohe Millionenbeträge, die eine Konzentration des Flugverkehrs bringen könnte.

Im Winter 2021 über Wiederöffnung entscheiden

Für das kommende Jahr braucht die Flughafengesellschaft nach derzeitigen Kalkulationen noch einmal zwischen 500 und 550 Millionen Euro, wie Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) kürzlich im Abgeordnetenhaus sagte. 37 Prozent dieser Summe müsste Berlin aufbringen.

Angesichts dieser Perspektive sei nicht mit Widerständen gegen eine Schließung des Terminals 5 zu rechnen, hieß es am Wochenende. Lütke Daldrup hatte schon im Frühjahr geplant, den damals noch geöffneten Flughafen Tegel vorübergehend dicht zu machen und den Flugverkehr in Schönefeld zu konzentrieren. Damals zögerte der Aufsichtsrat jedoch mit seiner Zustimmung so lange, dass der Manager angesichts wieder steigender Verkehrszahlen im Sommer darauf verzichtet hatte. Das lag auch daran, dass der Bund damals noch seine Flugbereitschaft in Tegel stationiert hatte, die inzwischen auch zum BER umgezogen ist.

Nun wird die Perspektive für ein Wiederaufleben des Flugverkehrs skeptischer eingeschätzt als im Frühjahr. Bis das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht wird, sind in der Branche verschiedene Szenarien im Umlauf. Die einen sprechen von 2023, andere gehen erst von 2027 aus. Lütke Daldrup will mit seiner Stilllegung von Kapazitäten offenbar Zeit gewinnen, um im Winter 2021 auf einer besseren Grundlage über die weitere Zukunft des alten SXF entscheiden zu können. Vor der Krise war es geplant, den SXF am Netz zu lassen, bis auf dem zentralen Flughafengelände ein neuer Terminal 3 errichtet worden wäre. Wie andere Ausbauprojekte ist auch dieses Vorhaben jetzt verschoben worden. Ob Schönefeld also je wieder öffnet, ist fraglich.

Flugzeuge am BER sind derzeit nur zur Hälfte besetzt

Zumal am BER auch noch das Zusatzterminal 2 bereit steht. Die Flughafenmanager sind noch am Überlegen, ob sie die Airlines aus Schönefeld dort konzentrieren oder auch am Hauptterminal 1 unterbringen. Betroffen sind vor allem die Billigflieger von Ryanair und Wizz sowie weitere kleinere Fluggesellschaften. Sie müssten am BER wegen des höheren Komforts höhere Entgelte zahlen als am alten SXF.

Die Fluggesellschaften bieten derzeit etwa ein Viertel der Flüge aus der Zeit vor der Krise an. In den meisten Fällen sind die Maschinen aber nur spärlich besetzt. Die Auslastung liegt bei etwa 50 Prozent.