Neuer Flughafen

Wie der BER Shops und Restaurants in der Corona-Krise hilft

95 Shops und Restaurants buhlen am BER um Passagiere. Wegen Corona dürfte der Auftakt mau sein. Der Airport erlässt deswegen die Miete.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup in einem der Shops im Terminal 1 des BER.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup in einem der Shops im Terminal 1 des BER.

Foto: Soeren Stache / dpa

Schönefeld. Manchmal hat mit Blick auf den BER und die Frage, wann der Flughafen nun endlich aufmacht, offenbar nur noch der Glaube geholfen. Detlef Bernhardt, einer der neuen Gastronomen an dem kürzlichen eröffneten Hauptstadt-Airport, steht am Freitagnachmittag in seinem Laden und deutet auf die Glückskekse auf einem der Tische. Natürlich sei auf den Zetteln in den Keksen stets die Wahrheit notiert, sagt Bernhard dann. Erst am Sonnabend, dem Tag der BER-Eröffnung, habe er einen Keks geöffnet. „Was lange währt, wird endlich gut, hat da gestanden“, erzählt er. Da muss auch Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup lachen, der an diesem Tag zeigen will, welche Geschäfte und Gastronomieangebote die Wartezeit am BER zu einem Erlebnis machen sollen.

Insgesamt 95 Läden hätten zum Start geöffnet, erzählt Vermietungschef Norbert Minhorst. Eigentlich gebe es 111 Gewerbeeinheiten am BER, bei einigen laufe aber noch der Ausbau. 44 Shops haben es rechtzeitig geschafft, hinzu kommen Apotheken, Autovermieter und 40 Restaurants. Die gastronomischen Einrichtungen dürfen wegen der staatlich angeordneten Schließungen bis Ende November aber lediglich Essen to go anbieten. Minhorst verzieht ein wenig die Miene. „Das führt dazu, dass die Menschen ihr Essen von dort mitnehmen und sich dann auf einen Stuhl setzen. Es ist eben für viele ein Bedürfnis, vor dem Flug noch etwas zu essen“, sagt er.

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Gastronomen rechnen wegen Corona mit schlechten Umsätzen im November

Auch Detlef Bernhardt hatte sich kurz nach der BER-Eröffnung sicherlich mehr erhofft. In seinem Restaurant im Terminal 1 dreht sich alles um die Nudel. Derzeit allerdings ist das „Nu“ geschlossen. Wenn am Sonntag endlich die Lufthansa von Tegel an den BER umziehe, werde er Take-away-Gerichte anbieten. Die Gates, von denen die Kranich-Maschinen dann starten sollen, befinden sich schließlich ganz in der Nähe. Für den November allerdings rechnet der Gastronomen mit schlechten Umsätzen.

Der Flughafen wird darauf reagieren. Vermietungschef Minhorst sagt auf Morgenpost-Nachfrage, dass man den Mietern entgegenkommen werde. Für Gastronomen und auch den Handel wird es angesichts der zu erwartenden geringeren Passagierzahl einen Mieterlass geben. Eine genaue Höhe nennt er zwar nicht, aber für die Flughafengesellschaft dürften die Einnahmeverluste in die Millionen gehen. „Wir versuchen mit unseren Mietern partnerschaftliche Lösungen zu finden“, sagt Minhorst während der Rundgangs.

Lokale Produkte in Geschäften am BER-Marktplatz

Wer am BER durch die Sicherheitskontrollen geht, läuft zwangsläufig auf den Duty-free-Shop von Heinemann zu. Auch Engelbert Lütke Daldrup geht das an diesem Tag so. 1600 Quadratmeter Fläche misst der größte Shop. „Herzstück“, nennt Steffen Jopp, der für das Heinemann-Geschäft in Berlin verantwortlich ist, den Laden. „Uns war es wichtig, Lokalkolorit reinzubringen und dem Passagier zu zeigen, dass er ab Berlin abfliegt,“ erzählt Jopp. Neben Schokolade in Berlin-Motiven gibt es deshalb unter anderem „Berliner Luft“ und Spreewaldgurken. Weit mehr als 100.000 Artikel seien Teil des Sortiments. Heinemann betreibt am BER im Terminal 1 auf 5400 Quadratmetern insgesamt sechs Shops und ist der größte Mieter.

Das Unternehmen ist auch Teil des großen Marktplatzes im Terminal 1. Neben einem Foodcourt können Passagiere hier vor dem Abflug auch durch zahlreiche Läden stöbern. Originalität und Regionalität sei ihm bei der Auswahl der Mieter wichtig gewesen, sagt Vermietungschef Minhorst. Zum Beispiel gebe es am BER den einzigen Lego-Store in einem Flughafen. Als die Gruppe an dem Laden vorbeiläuft, sieht Lütke Daldrup ein lebensgroßes Lego-Männchen in Piloten-Optik. Der Flughafen-Chef zückt sein Smartphone. „Das schicke ich meiner Schwester. Sie arbeitet bei Lego“, sagt er.

Aus der Air-Berlin-Lounge wurde die Tempelhof-Lounge

Immer wieder hält Lütke Daldrup Geschäfte und Shops als digitales Foto fest. Auch in der Tempelhof-Lounge knipst er. Den Wartebereich musste der Airport vor der Eröffnung noch deutlich verändern, denn eigentlich war hier die Air-Berlin-Lounge geplant. Doch die Airline machte pleite, und jetzt betreibt die Flughafengesellschaft in neutraler Anmutung selbst die Lounge. 45 Euro kostet das Ticket, das jeder Passagier am BER buchen kann. Mit einigen Partnern wie Turkish Airlines, Qatar oder Finnair gebe es aber Verträge. Deren Business- oder First-Class-Passagiere können dann auch in die Lounge. Derzeit allerdings ist das Angebot begrenzt. Wegen Corona gibt es anstatt mehrerer warmer Gerichte lediglich kalte Lunch-Pakete.

Neben der Tempelhof-Lounge gibt am Hauptstadt-Airport auch noch die Tegel- und Lufthansa-Lounge sowie für VIP-Gäste die „Zeitgeist“-Lounge. In ein paar Jahren soll zudem in einem der weiteren geplanten Terminals die Schönefeld-Lounge hinzukommen, sagt Lütke Daldrup.

Einen der Shops bezeichnet der Airport-Geschäftsführer als besonderes Highlight: Bei Promobo gibt es Produkte von Designern aus Berlin. Filialleiter Salvatore Cottone deutet auf Gürtel in Sicherheitsgurt-Optik oder künstlerische Berlin-Bilder. Das Feedback der Gäste in den ersten Tagen sei durchweg positiv gewesen. „Mal ganz etwas anderes, sagen viele“, berichtet er. Er persönlich freue sich nun vor allem auf den Sonntag. Dann schließt Tegel – und Cottone hofft auf noch mehr Kunden.