Flughafen-Chef

Lütke Daldrups großer Tag - der BER ist in Betrieb

Der Flughafenchef feiert doppelt: die Fertigstellung des Airports und seinen Geburtstag. Die Geschäftsleute sind zufrieden.

Berlin/Schönefeld. Mit dem symbolischen Druck dreier roter Knöpfe eröffnen Lufthansa-Chef Carsten Spohr, Easyjet-CEO Johan Lundgren und Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup kurz nach der Landung den Flughafen auch offiziell. Am glücklichsten darüber dürfte Lütke Daldrup gewesen sein, der jahrelang genau dafür gearbeitet hatte. Er selbst spielt die Bedeutung der Eröffnung dennoch herunter

„Heute ist kein historischer Tag. Aber es ist für Berlin und Brandenburg ein ganz wichtiger Tag“, sagt der Flughafenchef. „Es war ein langer Weg, es war kein einfacher Weg. Deswegen feiern wir hier heute keine Party, sondern machen einfach auf.“ Bis der BER nun seine Türen öffnen konnte, gab es viele Schwierigkeiten, betont Lütke Daldrup. Teilweise habe der Bau und das Erlangen der Genehmigungen einem „Kampf gegen Windmühlen“ geglichen, gibt er zu. „Mein erster Dank gilt meiner Frau. Sie hatte es nicht leicht in den vergangenen drei Jahren mit mir“, sagt der Flughafenchef.

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Trotz des Understatements: Die Erleichterung ist Lütke Daldrup anzumerken, der am Sonnabend gleich doppelt Grund zur Freude hatte. Er feiert zeitgleich mit der Eröffnung auch seinen 64. Geburtstag. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) überreicht ihm als Geschenk einen Fotoband über Willy Brandt, den Namensgeber des neuen Airports. „An der Spitze eines Teams muss immer jemand stehen, der es leitet und führt“, sagt Müller und drückt damit seine Wertschätzung für den Airport-Manager aus.

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Mit noch einem etwas größeren Buch bedenkt anschließend Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Lütke Daldrup. In Sachen BER-Witze fügt er hinzu: „Die Zeit der Jokes, damit muss jetzt Schluss sein.“ Nach den öffentlichen Presseterminen klingt der Nachmittag bei einer kleinen Feier mit Politikern aus Bund und Ländern auf dem Marktplatz des Flughafens aus.

Corona-Regeln sind am Flughafen allgegenwärtig

Riesige Erleichterung herrscht deshalb auch bei Martin Erdmann. Der IT-Techniker und seine Kollegen waren in der Bauzeit für die digitalen Anzeigen – vom Flight Information Display System, den Fluganzeigen, über die Werbetafeln bis hin zu den analogen Uhren an den Check-in-Countern, die ebenfalls digital gesteuert werden, – zuständig. „Obwohl ich inzwischen längst ein dickes Fell habe, waren die BER-Witze irgendwann nicht mehr lustig“, sagt Erdmann. Der 30-Jährige ist seit 2006 dabei und nennt es „toll, dass hier endlich Leben reinkommt“.

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Auch die Geschäftsleute am BER sind mit dem Auftakt zufrieden: „Kaffee, Kaffee und viel Quiche“, so fasst Stephine Arnan von „Auf die Hand“ den ersten Tag zusammen. Ihre sechs Mitarbeiter im Verkauf haben zu tun, die Kunden, die in einer Abstands-Schlange am Imbiss anstanden, alle zufriedenzustellen.

Direkt neben ihrem Stand hat eine Gruppe Demonstranten gegen die Flughafeneröffnung ihr Lager aufgebaut. „Aber sie sind friedlich“, sagt sie. Bisher laufe das Geschäft sehr gut. „Wir sind Mieter der ersten Stunde“, sagt Arnan, „und werden auch erst einmal am Montag weiter öffnen, aber dann nur zum Mitnehmen verkaufen.“ Ab diesen Montag, 2. November, müssen Restaurants wegen der Corona-Pandemie wieder schließen. „Ich muss sehen, ob es sich lohnt, weil ja sicherlich weniger Andrang sein wird.“ Auch bei Bäcker Kamps nebenan ist man zufrieden mit dem Geschäft des ersten Tages, schließt aber schon um 15.30 Uhr für Publikum den Verkauf. „Wir machen morgen ab 3.30 Uhr morgens wieder auf.“

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Allgegenwärtig sind am BER die Corona-Regeln – und machen selbst vor dem Ausblick von der Besucherterrasse nicht Halt: Mitten auf den Panoramascheiben, die den Blick auf das Vorfeld freigeben, mahnen Aufkleber, Abstand zu halten. Und statt Werbung laufen auf den Billboards im Inneren des Terminals beständig Hinweise zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes.

Daran liegt es jedoch nicht, dass viele der Schaulustigen nicht ganz so zufrieden sind bei ihrem ersten Besuch am BER. Viele sind schon am Morgen gekommen, um sich den Flughafen anzuschauen. Doch sie werden enttäuscht, in das Terminal duften sie nicht hinein. „Zugang nur für angemeldete Besucher, die Inbetriebnahme startet erst um 20 Uhr“, weisen die Security-Mitarbeiter Interessierte immer wieder ab. Bis dahin ging es nur ins Untergeschoss. „Ich hätte gern etwas mehr gesehen, es ist alles versperrt“, ärgert sich Ekatarina Klemm. „Es ist traurig, um ehrlich zu sein.“

Zumindest steht für sie die Ausstellung „Der Raum vom Fliegen“ offen, die am Sonnabend im Untergeschoss des Terminal 1 eröffnet hat und in der es auch um das Baudesaster geht. Die Schau, in der die wichtigsten Ereignisse der Fluggeschichte in Berlin und Brandenburg in Zeitraffer dargestellt werden, spart auch die Geschichte des „Monsters“, der Brandschutzanlage, nicht aus, die zum Symbol für das Scheitern des BER geworden ist. „Trotz Corona-Auflagen, nach der nicht mehr als 15 Personen gleichzeitig in die Ausstellung dürfen, waren bis jetzt schon 463 Besucher da“, informiert die nette Dame von der Aufsicht. Noch bis 21 Uhr wird sie an diesem Tag den Zugang regeln. Auch am Sonntag wird die Ausstellung geöffnet sein. Da ab Montag strengere Corona-Auflagen gelten, sollten Interessierte ber.berlin-airport.de vorsichtshalber auf der Internetseite des Flughafens nachschauen, welche weiteren Regelungen und Öffnungszeiten gelten – wie für alle Angebote am BER.