Flughafen BER

Taxifahrer bangen wegen der BER-Eröffnung

Mit dem BER-Start gehen in Tegel die Lichter aus. Viele Berliner Fahrer trifft das hart. Auch ihre Kollegen in Schönefeld bangen.

Taxifahrerin Günnur Toprak ärgert sich über das Aus für den Flughafen Tegel.

Taxifahrerin Günnur Toprak ärgert sich über das Aus für den Flughafen Tegel.

Foto: Christian Latz / BM

Berlin/Schönefeld.  Wenn an diesem Wochenende der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet, macht sich an vielen Stellen Erleichterung breit. Günnur Toprak aber kann sich über den lang erwarteten Betriebsstart in Schönefeld nicht freuen. Nur eine Woche später schließt der Flughafen Tegel, als Taxifahrerin eines ihrer wichtigsten Ziele. „Wir wissen nicht, was wir danach machen werden. Wir verlieren mit Tegel einen wichtigen Arbeitsplatz.“

Lange Zeit bot der City-Airport im Nordwesten vielen Berliner Taxifahrern ein gutes Einkommen. Der Weg ins Zentrum war kurz, als Alternative gab es nur den Bus: Hervorragende Bedingungen, um möglichst viele Fluggäste davon zu überzeugen, lieber in einem der beigefarbenen Fahrzeuge Richtung Innenstadt zu fahren, die oft zu Hunderten in einem komplizierten System am Flughafen Tegel für Fahrgäste anstanden. Damit ist schon seit Ausbruch von Corona Schluss. Immer weniger Taxifahrer warten noch am Flughafen auf die kleine Zahl der Passagiere – doch auch für sie reicht die Nachfrage längst nicht mehr. Dafür werden die Wartezeiten bis zur nächsten Fahrt immer länger.

Nun versetzt die Tegel-Schließung der Branche den nächsten Schlag, so sehen es viele Fahrer. Denn von den laut Taxi-Innung rund 7300 Fahrzeugen in Berlin erhalten nur 300 ein sogenanntes Laderecht am neuen BER. Nur sie dürfen ab Sonnabend gemeinsam mit 300 Kollegen aus dem Landkreis Dahme-Spreewald, in dem der BER liegt, auf Fluggäste vor dem neuen Terminal 1 warten.

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Viele Fluggäste könnten die Bahnanbindung vorziehen

Wer von Berliner Seite aus dazu gehört, wurde zuletzt vom Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten ausgelost. Alle Fahrer hatten zuvor die Möglichkeit, sich zu bewerben. „Ich habe mich beworben, aber keinen Schein bekommen“, sagt Toprak. Dass es so kommen würde, sei ihr eigentlich schon vorher klar gewesen. Viel zu gering war die Wahrscheinlichkeit bei der begrenzten Platzzahl. Versuchen wollte sie es dennoch. Ohne Flugreisende muss sie sich nun einen neuen Ort zum Warten auf Kundschaft suchen. „Ich arbeite gerne in Mitte“, sagt Toprak. Oft stand sie sonst auch am Potsdamer Platz oder am Alexanderplatz. „Aber ich weiß nicht, ob ich da jetzt Kunden finde.“

Nur ein kleiner Trost ist für Toprak, dass ihr auch ein Laderecht am neuen Hauptstadtflughafen derzeit nicht viel brächte. „Momentan würde es sich auch am BER nicht lohnen.“ Die weite Strecke zwischen Flughafen und Stadtzentrum sei das größte Problem. Niemand wolle zurzeit 80 Euro für ein Taxi ausgeben. „Auch ich werde da künftig die Bahn nehmen.“

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Meist standen nur noch 50 Taxis am Flughafen Schönefeld

Es sind diese Gründe, weshalb auch Jacquline Hackermann-Richter am BER nicht das große Geschäft sieht. „Meine Erwartungen am BER sind gering.“ Sie ist seit sieben Jahren in Schönefeld Taxifahrerin und hat deshalb problemlos ein Laderecht für den BER erhalten. Doch viel einfacher mache das die Situation nicht. Schon bislang hätten die wenigen Landungen am Flughafen Schönefeld kaum etwas hergegeben.

„Wir haben momentan Wartezeiten von elf Stunden, um eine Fahrt zu bekommen“, sagt sie. Dabei stünden meist nur noch 50 Taxis am Flughafen. Für die 600 Fahrzeuge, die von nun an am BER warten dürften, gebe es nicht genug Kundschaft. „Ich rechne mit einer Wartezeit von drei bis fünf Stunden auf eine Fahrt.“ Auch langfristig sieht sie das Geschäft am Flughafen durch Corona gestutzt. „Die Geschäftsreisenden, die wir früher transportiert haben, machen jetzt Telefonkonferenzen.“ Das könnte in vielen Fällen auch künftig so bleiben, befürchtet sie.

Auch die vielen Bahnverbindungen zum BER dürften für viele Fluggäste interessanter sein, schätzt Hackermann-Richter. „Da wird ja einiges angeboten. Vielmehr wird da über die Bahn rollen.“

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