Luftverkehr

Probebetrieb im neuen Hauptstadtflughafen BER beendet

Der Probebetrieb mit 9000 Freiwilligen am Hauptstadtflughafen endete ohne Probleme. Die Bilanz folgt nächste Woche.

Blick in die Abflughalle des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg Willy-Brandt.

Blick in die Abflughalle des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg Willy-Brandt.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Schönefeld. Die erste Bilanz kann die Beteiligten positiv stimmen: Rund zwei Wochen vor der geplanten Eröffnung ist am Donnerstag der Probebetrieb am künftigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld zu Ende gegangen. Knapp vier Monate lang wurde das Flughafengeschehen imitiert. Zum Abschluss testeten nach Betreiberangaben noch einmal einige hundert Freiwillige die Abläufe im neuen Terminal. Am 31. Oktober soll der Flughafen nach jahrelangen Verzögerungen in Betrieb gehen.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, die Prozesse laufen stabil“, sagte eine Sprecherin. Seit Juni waren etwa 9000 Freiwillige im Einsatz, das Unternehmen dankte nun für ihre Neugier und ihre Geduld. Ursprünglich geplant war, dass etwa rund 20.000 Freiwillige den Flughafen testen werden. Nach Ausbruch des Coronavirus erhielten sie alle eine Absage und mussten sich neu bewerben. Weniger Teilnehmer sollten das bessere Abstandhalten ermöglichen.

Geprobt wurden in den vergangenen Monaten alle Abläufe im Terminal, rund 330 Einzelprozesse – von der Ankunft über den Check-in bis zum Gate. Statt in ein Flugzeug ging es dort aber in einen Bus. Auch die Abläufe auf dem direkt unter dem Flughafen gelegenen Flughafen-Bahnhof wurden getestet.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte deutlich gemacht, dass die Testläufe keine schwerwiegenden Mängel zu Tage gefördert haben. Die Erfolgsquote beim Probebetrieb wurde vergangene Woche auf 82 Prozent beziffert. 80 Prozent sei das Ziel gewesen. Schon früh zeigte sich etwa, dass die Beschilderung im Terminal noch verbessert werden konnte. Schließlich sollen die Passagiere ohne Umwege zum Flugzeug kommen. Deutlich wurde auch, dass es vor den Sicherheitskontrollen leicht zu Gedränge kommen kann.

Mehrere Protestaktionen zur Eröffnung geplant

Die Verantwortlichen wollen nächste Woche eine Bilanz des Probebetriebs ziehen. Zugleich dämpfte Lütke Daldrup die Erwartung, dass bei der Inbetriebnahme alles glatt laufe. „Es wird sicherlich nicht alles hundertprozentig funktionieren.“ Der Probebetrieb ist nicht vorgeschrieben. Pflicht war nur eine Evakuierungsübung für den Bahnhof.

Zur geplanten Inbetriebnahme am 31. Oktober sind in Schönefeld auch mehrere Kundgebungen und Protestaktionen geplant. Die Gruppe „Am Boden bleiben“ ruft dazu auf, die Eröffnung zu stören. Die Jugend des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will als Zeichen für den Klimaschutz bunte Drachen steigen lassen. Berliner Taxifahrer planen derweil eine Sternfahrt mit 1000 Fahrzeugen zum neuen Terminal.

Der Flughafen sei „eine neue riesige Emissionsschleuder“, kritisierte der BUND. „Insbesondere innerdeutsche Flüge sind klimapolitischer Irrsinn.“ Die Aktivisten fordern außerdem ein Nachtflugverbot in der Zeit von 22 bis sechs Uhr. Vom alten Schönefelder Terminal soll die Demonstration zum Neubau führen. „Dort wollen wir gemeinsam statt der dreckigen Flieger Drachen steigen lassen“, hieß es.

BER – das steht für die Gruppe „Am Boden bleiben“ für Blockieren, Einstellen, Recyceln. „Am Wochenende des 30. Oktober bis 1. November werden wir entschlossen die Eröffnung des BER in Berlin blockieren.“ Ein ähnlicher Aufruf hatte vor einem Jahr am Flughafen Tegel zu einem Großeinsatz der Polizei geführt. Die Aktivisten – teils in Pinguin-Kostümen – erklärten dort jedoch, es handele sich um eine symbolische Aktion. Im aktuellen Aktionskonsens heißt es, man werde sich ruhig und besonnen verhalten und suche keine Eskalation. „Wir werden mit unseren Körpern blockieren. Es ist nicht das Ziel, Infrastruktur zu zerstören oder zu beschädigen.“

Das zuständige Polizeipräsidium Potsdam gab in dieser Woche auf Anfrage nicht bekannt, welche Demonstrationen und Kundgebungen geplant sind. „Wir stellen uns darauf ein, dass es dort zu Kundgebungen oder weiteren Aktionen kommt“, sagte ein Sprecher. „Aber wir sehen das gelassen.“

Die Taxifahrer haben ein anderes Anliegen als das Klima: Sie protestieren dagegen, dass zunächst nur 300 Berliner Kollegen die Genehmigung erhalten, am BER Fahrgäste aufzunehmen. Welche das sind, soll in den kommenden Tagen durch das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten ausgelost werden. Die Berechtigung gelte zunächst nur für ein Jahr, ehe neu ausgelost werde. Aus dem Landkreis Dahme-Spreewald dürfen ebenfalls nur 300 Taxifahrer Fahrgäste am BER aufnehmen, das ist der Kompromiss nach einem langen Streit zwischen Berlin und dem Kreis. In Berlin gibt es aber mehr als 7000 Taxis. Gut 500 Fahrer zogen erst am Mittwoch protestierend vor das Rote Rathaus. Am 31. Oktober heißt das Ziel BER. Mehr als 1000 Teilnehmer würden erwartet, sagte Initiator Erkan Özmen.