Infrastruktur

Verkehrschaos? IHK fordert Ausbau der Infrastruktur zum BER

Im Oktober soll der Hauptstadtflughafen BER endlich eröffnen. Die Berliner IHK warnt in der Folge vor Problemen bei der Anfahrt.

Noch ist am BER alles ruhig. Die IHK sieht nach der Eröffnung ein wachsendes Verkehrsaufkommen auf Berlin zukommen.

Noch ist am BER alles ruhig. Die IHK sieht nach der Eröffnung ein wachsendes Verkehrsaufkommen auf Berlin zukommen.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) fordert einen massiven Ausbau der Verkehrswege zum neuen Hauptstadtflughafen BER. „Man muss heute anfangen, hier richtig was zu tun, und man muss über Landesgrenzen hinweg denken“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder am Dienstag.

Eine Studie im Auftrag der Kammer ergab, dass der BER, der am 31. Oktober 2020 eröffnen soll, momentan zwar gut angebunden ist, die Verkehrsströme aber bis 2040 stark wachsen werden. Zudem hätten Teile der Berliner Bevölkerung etwa im Nordwesten nach BER-Eröffnung und Tegel-Schließung längere Anfahrtswege zu einem Flughafen. Eder betonte, dass Berlin sich derzeit angesichts zweier in unterschiedlichen Himmelsrichtungen liegenden Airports in einer Luxussituation befände.

Airport ist mit dem ÖPNV schneller zu erreichen

Nach der Eröffnung sei der BER dann mit dem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in weiten Teilen Berlins grundsätzlich schneller zu erreichen als mit dem Auto, so die Studie. Das ÖPNV-Angebot muss aus Sicht der IHK jedoch stetig ausgeweitet werden, um die Zunahme des Bedarfs bewältigen zu können.

Eder nannte Taktverdichtungen bei der U-Bahn, bessere Angebote außerhalb der Hauptverkehrszeiten, mehr Verbindungen ins Umland und flexiblere Lösungen für den Stadtrand. Für die Randlagen schlug Eder etwa eine Erweiterung des BVG-Rufbusses Berlkönig vor. Bislang fährt das Sammeltaxi nur innerhalb des östlichen Berliner S-Bahn-Rings. Mit Blick auf den dann vom BER besonders weit entfernten Bezirk Spandau forderte Eder ein umfassendes Verkehrskonzept. Dazu gehöre unter anderem eine bessere Regionalbahnanbindung, eine Straßenbahn sowie die Ertüchtigung der Siemensbahn. Die IHK plädiert auch für eine Verlängerung der U7 (Rathaus Spandau-Rudow) in Richtung BER.

Bei der S-Bahn müsse laut Eder mehr „Betriebsstabilität“ sichergestellt werden, vor allem auf dem Ring. Zudem müsse über den zweigleisigen Ausbau der S-Bahn nachgedacht werden, sagte Eder. Hilfreich seien zudem attraktivere Tarifoptionen, etwa ein Kombiticket Flug/ÖPNV. Die Erweiterung des ÖPNV sei auch deshalb zwingend, um die Straßen zu entlasten, allen voran die Stadtautobahn A113. „Ohne ÖPNV-Ausbau gibt es den Verkehrsinfarkt auf der Straße“, so Eder.

Autoverkehr nimmt auf der Nord-Süd-Achse zu

Da der Autoverkehr auf der Nord-Süd-Achse dennoch zunehmen werde, müssen aus Sicht der IHK aber auch Routen wie die sogenannte Tangentialverbindung Ost oder der 17. Bauabschnitt der A100 von Treptower Park bis Storkower Straße angegangen werden. Rot-Rot-Grün hatte sich 2016 darauf verständigt, die Planungen für diesen Abschnitt zu stoppen und die A100 nur vom Dreieck Neukölln bis Treptower Park fertigzubauen.

Für essenziell hält die IHK außerdem eine Beilegung des aus ihrer Sicht absurden Taxistreits. Nach jetzigem Stand wird es am BER so sein wie momentan am alten Flughafen Schönefeld: Ankommende Fluggäste dürfen nur in Taxen aus dem Landkreis Dahme-Spreewald steigen, in dem der Airport liegt. Die dürfen dann in Berlin für die Rückfahrt aber keine Gäste aufnehmen. Umgekehrt dürfen Berliner Taxen zwar Menschen aus der Hauptstadt zum BER bringen, müssen von dort aber leer wieder zurückfahren.

IHK-Chef Eder mahnte zudem an, die Verkehrspolitik über die Landesgrenzen hinaus zu denken. Dass sowohl Berlin als auch Brandenburg Nachholbedarf bei der Zusammenarbeit hätten, habe jüngst das Beispiel Tesla gezeigt, so Eder. Die Rangeleien um die Frage, wer den Ansiedlungserfolg für sich verbuchen könne, zeige, dass das Denken als gemeinsamer Wirtschaftsraum noch nicht funktioniere. Eder bezeichnete es zudem als „peinlich“, dass in der Brandenburger Task Force kein einziger Vertreter aus Berlin sitze. Der E-Auto-Bauer Tesla hat angekündigt, in Grünheide, südöstlich von Berlin, ein neues Werk bauen zu wollen.