Flughafengesellschaft

Pannen-Flughafen BER: Finanzgeschäftsführerin Fölster geht

Personalwechsel in der Chefetage der Flughafengesellschaft: Der Aufsichtsrat soll am Freitag über Heike Fölsters Nachfolge beraten.

Nicht länger gemeinsam in der Flughafengeschäftsführung: Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup und Finanz-Expertin Heike Fölster, die das Unternehmen nun verlässt.

Nicht länger gemeinsam in der Flughafengeschäftsführung: Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup und Finanz-Expertin Heike Fölster, die das Unternehmen nun verlässt.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

In der Chefetage der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg steht ein Personalwechsel an. Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster wird das Unternehmen verlassen. Sie war seit 2013 für die Finanzen der Flughafengesellschaft zuständig und hatte somit auch das Geld für den Bau des BER besorgt.

Wie es am Montag aus der Flughafengesellschaft hieß, verlasse Fölster das Unternehmen, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Sie habe den Aufsichtsratsvorsitzenden Rainer Bretschneider um die vorzeitige Auflösung ihres Vertrages gebeten. Das Kontrollgremium werde in seiner Sitzung am kommenden Freitag über die jetzt anstehenden Schritte für eine Nachbesetzung beraten, teilte die Flughafengesellschaft mit.

Dienstältestes Mitglied der Geschäftsführung

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll Fölster zur Deutschen Bahn wechseln und dort Finanzchefin der für die Bahnhöfe zuständigen Tochterfirma DB Station & Service werden. Ihr Vertrag bei der Flughafengesellschaft war gerade verlängert worden und läuft noch bis 2023. Die Managerin verdiente zuletzt mehr als 350.000 Euro im Jahr.

Mit Fölster geht die dienstälteste Managerin in der dreiköpfigen Geschäftsleitung, die neben Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup noch Personal-Chef Manfred Bobke-von Camen umfasst. Für den weiteren Fortgang, insbesondere die Fertigstellung des Flughafens BER in Schönefeld, dürfte der Wechsel auf der Finanzposition keine großen Folgen haben. Fölsters Stellung in der Flughafengesellschaft galt schon unter Lütke Daldrups Vorgängern Hartmut Mehdorn und Karsten Mühlenfeld als eher schwach. Schon mit Mühlenfeld habe sie sich ausgiebig gestritten, hieß es seinerzeit. Dessen Versuche, seine Mit-Geschäftsführerin loszuwerden, scheiterten damals aber. Jetzt verlässt Fölster das BER-Projekt, das nach Aussagen des Flughafenchefs kurz vor der Vollendung steht. Der Flughafen soll im Oktober 2020 eröffnen.

Vergangene Woche hatte Fölster noch einmal einen Auftritt im Beteiligungsausschuss des Abgeordnetenhauses. Sie berichtete, die Gesellschaft habe aus einer Kreditlinie der Banken noch Geld für mindestens ein Jahr. „Zusätzliche Fremdfinanzierung ist erst ab 2021 notwendig“, sagte die Managerin den Volksvertretern.

2018 finanzierte sich der BER überwiegend aus einem Darlehen der Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund über 464 Millionen Euro. 2019 und 2020 greift die Flughafengesellschaft auf Bankendarlehen zurück. Für das laufende Jahr sind mehr als 400 Millionen Euro vorgesehen. 2020 sollen knapp 600 Millionen verbraucht werden. Nach der Inbetriebnahme im Oktober 2020 rechnete Fölster mit einem weiteren Bedarf an Geld von den Gesellschaftern sowie 400 Millionen Euro aus zusätzlichen Krediten vom Finanzmarkt.

Neue Struktur für weiteren Ausbau des Airports geplant

Kurz nach Weihnachten müsse man sich damit befassen, wie man für die Zeit danach neue Finanzmittel organisieren könne, sagte Fölster vergangene Woche. Insofern ist der Zeitpunkt des Wechsels passend, weil sich dann ihr Nachfolger um die Finanzierung der geplanten weiteren Ausbauten des BER kümmern könnte. Ihr Schlusswort haben die Abgeordneten aber noch gut in Erinnerung. „Wenn die Eröffnung nicht klappt, muss man ganz neu rechnen“, sagte Fölster vergangene Woche bei ihrer wohl letzten öffentlichen Äußerung als Flughafen-Finanzchefin.

Für den weiteren Ausbau der Abfertigungskapazitäten plant Flughafenchef Lütke Daldrup ohnehin eine ganz neue Struktur. Die weiteren Terminals sollen von einer eigens zu gründenden Projektgesellschaft gebaut werden. Diese neue Struktur soll vor allem für das für die Zeit bis 2030 vorgesehene Terminal 3 (T3) gegenüber vom jetzigen Hauptgebäude Anwendung finden. Lütke Daldrup sagte, er hätte sich diese neue Struktur auch schon für das im Bau befindliche T2 gewünscht. Aber als der Auftrag ausgelöst wurde, habe dafür noch kein Aufsichtsratsbeschluss vorgelegen.