Geschäftsbericht

Wegen Dauerbaustelle BER: Flughafen erwartet höheren Verlust

Erwartet wird ein Verlust von 110 Millionen Euro nach 77 Millionen Euro im Vorjahr. Das steht im jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht.

Der Ausbau des BER drückt die Betreibergesellschaft in diesem Jahr voraussichtlich noch tiefer in die roten Zahlen.

Der Ausbau des BER drückt die Betreibergesellschaft in diesem Jahr voraussichtlich noch tiefer in die roten Zahlen.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die jahrelangen Verzögerungen bei der Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld drücken die Betreibergesellschaft der Berliner Flughäfen immer tiefer in die roten Zahlen. Das Unternehmen, das den Bundesländern Berlin und Brandenburg sowie den Bund gemeinsam gehört, rechnet für dieses Jahr mit einem Gesamtverlust von „rund 110 Millionen Euro“.

Das steht ziemlich versteckt auf Seite 143 des insgesamt 145-seitigen Geschäftsberichts der Flughafengesellschaft für 2018, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Für das vergangenen Jahr wird darin ein Gesamtfehlbetrag in Höhe von 77,1 Millionen Euro ausgewiesen. Dies sei etwas weniger als erwartet, heißt es.

Das erwartete höhere Defizit für 2019 ergibt sich demnach vor allem aus den konkreten Vorbereitungen zum geplanten Start des BER. Höhere Ausgaben sind auch in der Instandhaltung sowie für Beraterleistungen geplant. Zudem will die FBB mit Blick auf die BER-Eröffnung auch mehr als 200 neuen Mitarbeiter einstellen, ein Plus von rund zehn Prozent zur aktuellen Belegschaft.

Positive Entwicklung in Tegel

Vor allem dank wachsender Passagierzahlen in Tegel konnte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) im vorigen Jahr ihren Umsatz um fast sechs Prozent auf 415 Millionen Euro steigern. Im operativen Geschäft wurde dabei sogar ein Gewinn von fast 119 Millionen Euro erzielt. Doch die Belastungen durch die Dauerbaustelle BER führten unterm Strich aber zu einem Verlust.

Eigentlich sollte der BER bereits im Oktober 2011 in Betrieb gehen. Planungsfehler, Baumängel und vor allem Probleme mit der Brandschutztechnik im neuen Hauptterminal ließen mehrfach bekannt gegebene Eröffnungstermine platzen. Nun ist der BER-Start für Oktober 2020 angekündigt. Im Geschäftsbericht heißt es dazu, dass unter Berücksichtigung der Folgeprozesse die Inbetriebnahme des BER im Oktober 2020 „aktuell nicht gefährdet“ sei. Zeitliche Reserven seien weiterhin vorhanden.

Ob dieser Zeitplan gehalten werden kann, hängt maßgeblich vom Verlauf der sogenannten Wirk-Prinzip-Prüfung ab, die vor knapp zwei Wochen begonnen hat. Dabei prüfen Sachverständige des TÜV Rheinlands das Zusammenwirken der wichtigsten technischen Anlagen im Hauptterminal. Im Fokus steht vor allem die pannengeplagte Brandschutztechnik.

Praxistest mit Komparsen geplant

Erst wenn die Experten das sichere Funktionieren aller Anlagen bestätigten, kann die FBB bei den Baubehörden des Landkreises Dahme-Spreewald die Baufertigstellung anzeigen. Die haben dann noch einmal mehrere Monate Zeit, die eingereichten Unterlagen zu prüfen.

Laut FBB-Geschäftsbericht soll für den BER dann im Frühjahr 2020 das eigentliche Inbetriebnahmeprogramm ORAT (Operational Readiness an Airport Transfer) starten. Diese beinhaltet auch Praxistest mit Komparsen. Noch in diesem Jahr will die Flughafengesellschaft dafür Zehntausende Freiwillige suchen.