Pannenflughafen

Mängel gefährden BER-Eröffnung - Mehr Transparenz gefordert

Immer neue Hiobsbotschaften stellen die Fertigstellung des BER infrage. Die Opposition fühlt sich nicht ausreichend informiert.

Rundgang durch den Flughafen BER

Im Flughafen herrscht noch Helmpflicht, doch der neue BER-Chef zieht eine positive Bilanz: Von 180.000 Mängeln müssen laut Lütke Daldrup nur noch 13.000 beseitigt werden. Die Entrauchungsanlage soll mittlerweile funktionieren.

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Berlin/Schönefeld. Ein interner TÜV-Bericht listet weitere zahlreiche Mängel auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens BER auf und soll die geplante Eröffnung des Airports im Herbst 2020 höchst unwahrscheinlich machen. Das berichtet der "Tagesspiegel".

Die Flughafengesellschaft (FBB) wies die Darstellung zurück und versicherte, dass der Airport wie geplant im Oktober 2020 eröffnen werde. „Ja, wir werden im Oktober 2020 eröffnen“, so Flughafen-Sprecher Hannes Hönemann.

In dem Bericht heißt es, inzwischen seien "Rückbaumaßnahmen" im Terminal notwendig, um gravierende Mängel an Sicherheitskabeln des Brandschutzsystems beseitigen zu können. Dies gehe aus einem 61 Seiten starken "Statusbericht" des TÜV Rheinland vom 8. März dieses Jahres hervor.

BER: "Kleinere Rückbaumaßnahmen sind kein Abriss"

Die Flughafengesellschaft erklärte, "kleinere Rückbaumaßnahmen" bei sicherheitsrelevanten Kabeln dürfe man sich nicht etwa als "Abriss" vorstellen. Vielmehr gehörten sie "zu jeder Baufertigstellung eines komplexen Gebäudes dazu" und seien "kein Problem für den Fertigstellungstermin", heißt es in der Stellungnahme.

Manchmal müsse man einfach eine Abdeckung oder ein Wandelement abnehmen oder ein Lüftungsrohr wegnehmen, um an die sicherheitsrelevanten Kabel zu kommen.

Hintergrund: Flughafen BER seit 2500 Tagen nicht eröffnet

FDP: "Flughafen-Chef Lütke Daldrup hat sich als notorischer Lügner erwiesen"

Die Probleme am BER sollen im Berliner Abgeordnetenhaus nun umfassender durchleuchtet werden. Dazu wollen CDU und FDP den Auftrag des Untersuchungsausschusses ausweiten, wie die beiden Oppositionsfraktionen am Freitag mitteilten. "Allein der Untersuchungsausschuss kann mit seinen rechtlichen Konsequenzen die ersehnte Klarheit für die Stadt erzwingen, ob der BER überhaupt noch zu retten ist", teilte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja am Freitag mit.

Bislang untersucht der Ausschuss des Landesparlaments das Krisenmanagement und die Sanierungsarbeiten im Terminal bis zum Sommer 2018. CDU und FDP wollen den Untersuchungsauftrag bis in die Gegenwart ausdehnen.

Die Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses ermöglicht auch zahlenmäßig unterlegenen Oppositionsfraktionen, ihre Anliegen bei der Ausschussarbeit durchzusetzen. Allerdings haben auch schon Vertreter von SPD und Grünen signalisiert, dem Antrag zuzustimmen.

Czaja erhob schwere Vorwürfe gegen die BER-Spitze: "Flughafen-Chef Lütke Daldrup hat sich als notorischer Lügner erwiesen, von dem die Steuerzahler keine Wahrheit über den BER erwarten können." Gegen diesen Vorwurf ging Lütke Daldrup noch am Freitag juristisch vor. Über eine Anwaltskanzlei forderte er Czaja auf, bis 18 Uhr eine Unterlassungserklärung abzugeben.

Opposition hält Weiterbetrieb des Flughafens Tegel für alternativlos

Nach Ansicht von FDP und CDU bleibe der Weiterbetrieb des Flughafens Tegel für den Luftverkehrsstandort Berlin-Brandenburg alternativlos.

Der Senat wurde aufgefordert, den Forderungen der Anwohner nach entsprechendem Lärmschutz unverzüglich nachkommen. Czaja: „Der heutige Tag zwingt den Senat endlich die notwendigen Investitionen in TXL zu leisten, um einen reibungslosen Weiterbetrieb für die nächsten Jahre sicher zu stellen.“

Flughafen BER: TÜV-Bericht stellt 11.519 Mängel bei Kabeln fest

Der TÜV-Bericht stellt 11.519 Mängel allein bei den Kabeln für die Sicherheitsbeleuchtung und Sicherheitsstromversorgung fest, die nach der gescheiterten Eröffnung 2012 ausgetauscht und erneuert wurden. Das seien fast vier Mal so viele wie bisher von den Verantwortlichen angegeben.

Dazu sagte FBB-Sprecher Hönemann, dass sich nicht die Anzahl der Mängel geändert habe, sondern die Art der Dokumentation. „Wir haben Mängel in jeden einzelnen kleinteiligen Arbeitsschritt unterteilt, damit die Firmen bei der Abarbeitung keine Ausreden mehr haben.“ Das mache so kurz vor dem Ende der Baufertigstellung Sinn. „Wir werden in den kommenden Wochen sehen, wie die Zahl der Mängel schnell schrumpfen wird.“

CDU und FDP: „Eröffnung des BER 2020 absolut unrealistisch“

Flughafen BER räumt ein: Brandmeldeanlage nicht termingerecht fertiggestellt

Die FBB räumte ein, dass die Brandmeldeanlage nicht termingerecht zum 29. März fertiggestellt war. Inzwischen habe die Firma Bosch die Arbeiten aber weitgehend abgeschlossen. Es werde noch einige Wochen dauern, bis der TÜV diese endgültig geprüft habe und ein Gesamtergebnis feststehe.

Dem Zeitungsbericht zufolge kommt hinzu, dass das Problem der im Terminal verwendeten Plastikdübel bei der Befestigung von Kabeln nicht gelöst sei. So verdichteten sich Hinweise, dass die von der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH erhoffte Einzelfallzulassung nicht erteilt werde.

Schlimmstenfalls könnten die Dübel so "zu einem K.-o.-Problem" werden. Hönemann konterte, entscheidend sei nicht die Norm, sondern dass die Dübel sicher seien. Das Nachweisverfahren hierzu sei gerade in Arbeit, eine Sondergenehmigung beantragt. „Solche und ähnlicher bauliche Sondergenehmigungen für einzelne Teile des BER gibt es schon weit über 100“, sagte der Sprecher. Wenn bauliche Installationen nicht den Normen entsprechen, heiße das ja noch nicht, dass sie nicht sicher seien. Es gehe also darum, den Nachweis zu erbringen, dass eine andere Bauweise als in der Standardnorm den gleichen Sicherheitsstandard erfüllt.

Eröffnung des BER im Oktober 2020 soll gesichert werden

Am 8. März habe der TÜV dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft den Status der prüfpflichtigen Anlagen vorgestellt, erinnerte der Sprecher. Die Prüfer hätten "naturgemäß einen kritischen Blick". "Dies deckt sich weitgehend mit unseren eigenen Einschätzungen." Die FBB arbeite hart daran, alle Mängel abzustellen. "Wir werden den Eröffnungstermin im Oktober 2020 sichern, wenn die Baufirmen und Dienstleister ihren Job machen."

Der Airport sollte eigentlich 2011 in Betrieb gehen. Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme machten bislang aber jeden Eröffnungstermin zunichte.