Planungsfehler

Flughafen BER: Kosten für Terminal 2 verdoppeln sich

Ein Gutachten offenbart neue eklatante Fehler am BER. Die Kosten für das Terminal 2 verdoppeln sich auf nun 200 Millionen Euro.

Geparkte Flugzeuge vor dem Hauptterminal am Flughafen BER.

Geparkte Flugzeuge vor dem Hauptterminal am Flughafen BER.

Foto: Patrick Pleul / ZB

Berlin. Das Zusatzterminal 2 soll den künftigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld entlasten. In dem neuen Gebäude sollen jährlich sechs Millionen Passagiere vor allem von Billigfliegern zusätzlich abgefertigt werden. Ohne die damit geschaffenen Kapazitäten wäre der Airport bereits bei der für Oktober 2020 geplanten Eröffnung zu klein.

Doch auch bei diesem aktuellen Projekt sind die Baukosten massiv aus dem Ruder gelaufen. Statt der veranschlagten 100 Millionen Euro werden sie sich auf mindestens 200 Millionen verdoppeln. Ein bislang vertrauliches Gutachten des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) der Flughafengesellschaft listet jetzt die Gründe dafür auf.

Kommentar: Kostenexplosion am BER - Aus Fehlern nichts gelernt

Flughafen BER: Planung für neues Terminal ohne belastbare Parameter

Die neuen Fehler reihen sich in die nicht enden wollende Pannen-Geschichte des Flughafenbaus ein. Das erschreckende Resümee der Untersuchung: Geplant wurde ohne belastbare Parameter. Zu Beginn des Vergabeverfahrens habe „noch keine Kalkulationsreife bestanden“, stellte der externe Gutachter nach Informationen der Berliner Morgenpost fest.

Weder war zum Start festgeschrieben, wie viele Passagiere im Terminal 2 abgefertigt werden, noch war die Anzahl der Sicherheitskontrollen genannt, die dort durchgeführt werden sollen. Geplant ist, dass das neue Terminal unabhängig vom Hauptterminal betrieben werden kann.

Neues Terminal am BER wurde mehrfach umgeplant

Dazu kamen fehlende Vorgaben beim Innenausbau: Nicht einmal, wie viele Geschossebenen das neue Gebäude neben dem Pier Nord haben soll, war laut Gutachten definiert. Wie schon beim Hauptterminal wurde mehrfach umgeplant. Diese Erweiterungen haben beim neuen Terminal 2 laut PwC dazu geführt, dass sich die Bruttogeschoßfläche von 15.000 Quadratmeter auf 23.000 Quadratmeter drastisch erhöht hat. Der Bau wird auch dadurch erheblich teurer.

Im Vergabeprozess habe die hohe Zahl von rund 250 Ergänzungen oder Klarstellungen zusätzlichen Aufwand bei den Bietern ausgelöst, heißt es weiter. Preistreiber waren auch die gute Baukonjunktur mit hoher Auslastung, Kostensteigerungen von rund 5,4 Prozent, steigende Rohstoffpreise und eine risikobewusstere Kalkulation der Bieter.

Flughafengesellschaft räumt Unzulänglichkeiten ein

Die Flughafengesellschaft FBB der beiden Länder Berlin und Brandenburg und des Bundes hat inzwischen Fehler eingeräumt. Es habe „verschiedene Unzulänglichkeiten über alle bisherigen Projektphasen hinweg gegeben“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Versäumnisse führt die FBB auch auf den Termindruck zurück.

Die Zeit bis zur Fertigstellung des Zusatzbaus ist tatsächlich knapp bemessen: Der Flughafen erhielt im vergangenen Juli die Baugenehmigung durch den zuständigen Landkreis Dahme-Spreewald. Bis zur geplanten Eröffnung bleiben damit nur gut zwei Jahre Zeit, wenn das Terminal im Oktober mit dem Flughafen nächsten Jahres in Betrieb gehen soll. Kritiker halten den Zeitplan für höchst ambitioniert.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup: Aus Erfahrungen gelernt

Schnell, schlicht und schön, so lautete die Devise für das neue Terminal. „Aus den Erfahrungen und Schwierigkeiten mit dem äußerst komplexen Fluggasterminal T1 haben wir gelernt“, versicherte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup bei der Vorstellung des Zweckbaus. Das Terminalgebäude T2 sei optisch ansprechend, aber stark funktional konzipiert.

Die Vergabe des Bauauftrags an einen Generalunternehmer sei Teil dieses pragmatischen Ansatzes. Die Flughafengesellschaft FBB hatte nach einem EU-weiten Verfahren die Zechbau GmbH aus Bremen als Generalunternehmer mit dem Bau des neuen Terminals T2 beauftragt.

Eine weitere Kritik der Gutachter lautete allerdings: Die FBB habe die Verträge mit dem Generalplaner und dem Projektsteuerer nach den Änderungen nicht angepasst und ihnen keine schriftlichen Kostenziele gesetzt.

Die Expertise wurde laut FBB von der Flughafengesellschaft in Auftrag gegeben. Es sei „gängige Praxis“, bei wichtigen Fragestellungen externen Sachverstand zu nutzen, sagte ein Sprecher. Das Gutachten habe „natürlich auch dazu gedient, Fragen des Aufsichtsrates hinsichtlich des Budgetbedarfs zu beantworten und die Kostentreiber zu identifizieren“.

Eröffnungstermin des Flughafens BER bleibt Oktober 2020

Nach der Aufsichtsratsitzung am vergangenen Freitag erklärte Flughafenchef Lütke Daldrup, er halte am BER-Eröffnungstermin für Oktober 2020 fest. Sorgen mache aber immer noch die Brandmeldeanlage im Hauptterminal. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gibt es dabei aber nach wie vor erhebliche Terminrisiken. Auch die Kabelgewerke befinden sich unverändert auf dem „kritischen Pfad“.