Flughäfen in Berlin

Neues Plädoyer für Airport Tegel

Ex-Flughafenchef Karsten Mühlenfeld ist sicher, dass Berlin langfristig eine dritte Startbahn braucht.

Fand im Untersuchungsausschuss deutliche Worte: Karsten Mühlenfeld, heute bei Ryanair und von 2015 bis 2017 Chef der Flughafengesellschaft.

Fand im Untersuchungsausschuss deutliche Worte: Karsten Mühlenfeld, heute bei Ryanair und von 2015 bis 2017 Chef der Flughafengesellschaft.

Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Berlin. Der frühere Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hat am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses vor Kapazitätsengpässen am neuen Flughafen BER gewarnt. Es gehe in Berlin um die Flughafeninfrastruktur von „heute, morgen, übermorgen“, sagte Mühlenfeld, der zwischen 2015 und 2017 an der Spitze der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) stand. Die deutsche Hauptstadt brauche ein System, dass langfristig in der Lage sein muss, den Flugverkehr von und nach Berlin abzudecken, sagte Mühlenfeld: „Das haben wir leider nicht.“ Die bisher vorliegenden Planungen erfüllten diesen Anspruch „nicht im Geringsten“, so der Manager, der inzwischen für den irischen Billigflieger Ryan­air in Dublin arbeitet.

Mühlenfeld brachte dabei sehr grundsätzliche Einwände vor: Die zwei Start-und-Lande-Bahnen am BER „schaffen es nicht“, gab sich der gebürtige Berliner überzeugt. „Man braucht eine dritte Bahn. Da bietet sich eine Bahn in Tegel an“, warb Mühlenfeld dafür, zumindest einen Teil des Flughafens offen zu halten. Eine neue Bahn am BER zu bauen, würde viel zu lange dauern. Auch die Kapazität der Gebäude am BER werde „an Grenzen kommen“, prophezeite Mühlenfeld. Er frage sich, wie man die erwarteten 40 Millionen Passagiere mit der von seinem Nachfolger Engelbert Lütke Daldrup geplanten Erweiterung zur Eröffnung im Herbst 2020 bewältigen wolle.

Neuorganisation vom Aufsichtsrat verboten

Man dürfe den funktionierenden Flughafen Tegel erst dann schließen, „wenn wir wissen, wie man Lösungen für die Zukunft schafft“. Er habe schon 2016 an Kapazitätserweiterungen am BER gearbeitet und einen Masterplan bis 2025 erstellt. Dieser sah zusätzliche Enteisungsplätze vor, eine Weiternutzung von Schönefeld-Alt und zusätzliche Abrollflächen, um die Landebahnen schneller frei zu machen. Der Aufsichtsrat habe diese Themen aber nicht diskutieren wollen. Eine Sanierung des Sechsecks in Tegel wäre nach seiner Einschätzung für „deutlich unter einer Milliarde Euro“ zu haben. „Natürlich ist Tegel ein schöner Flughafen“, sagte der Manager, der seit Monaten zwischen Berlin und Dublin pendelt.

Mühlenfeld war 2015 auf Druck des Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) zum FBB-Geschäftsführer gemacht worden. Beide kannten sich aus Mühlenfelds Zeit beim Triebwerkshersteller Rolls-Royce. 2017 wurde er abgelöst, nachdem er den Technikchef Jörg Marks gefeuert und durch den früheren Bahn-Bauexperten Christoph Bretschneider ersetzt hatte. Der damalige Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), empfand das als Vertrauensbruch. Den Job übernahm Müllers Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup.

Mühlenfeld zeichnete in seiner Aussage vor dem Ausschuss ein düsteres Bild von seinem Verhältnis zu den Aufsehern. Bei seinem Amtsantritt sei er davon ausgegangen, dass ein Indus­trievertreter an die Spitze des Gremiums rücken würde. Dann aber entschied Müller, selbst den Vorsitz zu übernehmen. In der Folge habe sich der Aufsichtsrat „in Geschäftsführungsaufgaben im Detail“ eingemischt. So sei es ihm vom Präsidialausschuss des Aufsichtsrates untersagt worden, die Organisation des Unternehmens so zu verändern, wie er das für nötig befunden habe. Denn die Flughafengesellschaft sei nicht für ein solches Bauprojekt aufgestellt und immer abhängig gewesen von Baufirmen, Planungsbüros, Sachverständigen und deren Interessen.

„Ich hätte zwar Leute entlassen können, aber dafür keine neuen einstellen dürfen“, beschrieb Mühlenfeld seine damalige Lage. Müller habe nie persönlich unter vier Augen mit ihm gesprochen. Das habe sein „Mitarbeiter“ Engelbert Lütke Daldrup getan, der auch eigene Mitarbeiter auf der Baustelle gehabt habe. Niemandem könnten deshalb die Probleme des Projektes verborgen geblieben sein. Schon früh habe sich abgezeichnet, dass der noch von seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn angekündigte Starttermin Ende 2017 nicht zu halten sein würde. Erst im Januar 2017 sei aber definitiv klar geworden, dass der Termin platzt. Kurz danach machte der Regierende Bürgermeister das erneute Scheitern der Eröffnung öffentlich.

BER-Chef Lütke Daldrup von Eröffnung 2020 überzeugt

Mühlenfelds Nachfolger Lütke Daldrup ist weiter überzeugt, dass der BER wie zuletzt angekündigt im Oktober 2020 in Betrieb gehen kann. Die Beseitigung von Mängeln und die Prüfungen etwa der Brandmeldeanlage würden sich positiv entwickeln, sagte er am Freitag nach der Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats.

Zum Thema Weiterbetrieb von Tegel habe keiner der drei Flughafen-Gesellschafter Gesprächsbedarf gesehen, sagte Lütke Daldrup. Er verwies auf ein Interview mit Mühlenfeld Ende 2016, in dem dieser sich klar gegen den Betrieb von zwei Flughäfen in Berlin ausgesprochen habe. „Damit hat Herr Mühlenfeld recht. Inzwischen hat er aber offensichtlich die Meinung seines neuen Arbeitgebers Ryanair angenommen“, so Lütke Daldrup. Ryanair-Chef Michael O’Leary und auch Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr setzen sich für ein Offenhalten von Tegel ein.

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