Flughafen BER

Koalitionsausschuss: Plan B für den BER

Flughafenexperte Faulenbach da Costa empfiehlt Terminal-Eröffnung mit weniger Passagieren. Am Mittwoch tagt der Koalitionsausschuss.

2020 soll der BER in Schönefeld endlich eröffnen

2020 soll der BER in Schönefeld endlich eröffnen

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Schönefeld.  Die Zukunft des BER sorgt wieder für Debatten zwischen den Spitzen von SPD, Linken und Grünen. Im Koalitionsausschuss will das Berliner Regierungsbündnis am heutigen Mittwoch das weitere Vorgehen für die Dauerbaustelle in Schönefeld festlegen. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup möchte den BER im Herbst 2020 eröffnen. Weil dieses Datum jedoch von einigen in der Koalition in Zweifel gezogen wird, sieht er sich erneut mit Forderungen nach einem Plan B konfrontiert.

Vor allem die Grünen und Teile der SPD drängen darauf, sich auf den GAU vorzubereiten. Falls die Gutachter eben doch neue Probleme auf der Baustelle finden, die eine Eröffnung in der angepeilten Zeit allen eingebauten Puffern zum Trotz unmöglich machen sollten, müsse die Flughafengesellschaft vorbereitet sein und eine Alternative anbieten können. Lütke Daldrup hat solche Gedankenspiele bisher stets zurückgewiesen und betont, der Termin im Herbst 2020 sei nicht gefährdet.

Experte: Eröffnung, wenn die Passagierzahl niedriger bleibt

Weitere Verzögerungen auf der Baustelle nähren aber den Argwohn in der Landespolitik, dass eben doch etwas schiefgehen könnte mit der BER-Eröffnung und der damit verbundenen Schließung des Flughafens Tegel. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Jörg Stroedter will deshalb am Mittwoch den Koalitionsspitzen Überlegungen des Offenbacher Flughafenplaners Dieter Faulenbach da Costa vorstellen. Der Experte geht davon aus, dass die Flughafengesellschaft (FBB) den bisher wegen Brandschutzmängeln noch unvollendeten Hauptterminal eröffnen könnte, wenn die Zahl der Passagiere niedriger bleibt als von der FBB geplant. Mit maximal 15 Millionen Passagieren pro Jahr wären Notausgänge und Brandschutztreppen so dimensioniert, dass die technischen Brandschutzanlagen weniger leisten müssten. Der Flughafenchef müsste seine Ambitionen zurückstellen, den Terminal mit 22 und im zweiten Schritt mit 27 Millionen Passagieren zu eröffnen. Mit der geringeren Kapazität entspräche das Gebäude der Baugenehmigung von 2007, so Faulenbach da Costa. So würde der „Grundfehler“ am BER geheilt, die haustechnischen Anlagen laufend an die Brandlasten anpassen zu müssen.

Besser mehr Geld als spätere Eröffnung

Die rund zehn Millionen fehlenden Passagiere möchte der Flughafenexperte Faulenbach da Costa in temporären Bauten nach dem Vorbild mobiler Messehallen abfertigen und dann mit einem Bus-Shuttle zu den Nord- und Südpiers transportieren. Von dort würden die Menschen die Flugzeuge besteigen. „Fliegende Gebäude“ dürfen laut der Brandenburgischen Bauordnung bis zu fünf Jahre stehen bleiben.

Aus Sicht des stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden muss sich der Flughafen wappnen, damit man nicht Ende 2019 oder Anfang 2020 feststellt, dass der Eröffnungstermin für den BER erneut nicht zu halten sei. Selbst wenn die Vorbereitungen zusätzliches Geld kosten würden, sei das immer noch besser, als das Risiko einer erneuten Verschiebung einzugehen.

Eine Alternative, falls der Start 2020 nicht klappt

Auch die Grünen gehen davon aus, dass man im Herbst die Weichen für einen Plan B stellen müsse. Fraktionschefin Antje Kapek sagte, die in Lütke Daldrups Zeitplanung eingebauten Puffer seien schon „fast weg“. Deshalb werben auch die Grünen dafür, den BER notfalls mit Mobilbauten zu eröffnen. „Ich stehe lieber am Ende als Unke da, und es funktioniert trotzdem anders“, sagte Kapek. Lütke Daldrup hatte in der Vergangenheit stets Forderungen nach einem Plan B als unrealistisch zurückgewiesen. Die mindestens 22 Millionen Passagiere aus Tegel ließen sich am BER nicht in Zelten abwickeln, davon sind sie in der Flughafengesellschaft überzeugt.

Und auch ein anderes Hindernis, das bei den Gegnern des BER und den Anhängern einer Offenhaltung von Tegel zuletzt ausgiebig betont wurde, sehen die Flughafen-Bauer nicht. Die Rechtsgelehrten Stefan Paetow und Elmar Giemulla hatten Anfang Mai im Abgeordnetenhaus erklärt, für den weiteren Ausbau des BER brauche die FBB einen neuen Planfeststellungsbeschluss. Das gelte auch schon für das neue Leichtbau-Terminal 2, welches Lütke Daldrup bis 2020 anstelle eines Parkhauses rechts vom Hauptterminal hinstellen und damit zusätzliche sechs Millionen Menschen abfertigen will. Ein solches Verfahren dauere lange und könne durch Klagen aufgehalten werden, so die Meinung der Kritiker. Das sei der „finale Torpedo für das BER-Projekt“, heißt es.

Die Flughafengesellschaft sieht das anders. Nachbarschafts- oder Umweltinteressen würden nicht berührt durch den Ausbau-Masterplan. Deshalb sollen die zusätzlichen Kapazitäten auf der Fläche zwischen den beiden Start- und Landebahnen und nicht im Außenbereich des Flugfeldes entstehen. Die FBB erwartet die Genehmigung der Planänderung für den Terminal 2 noch in diesem Sommer. Klagen gegen diese Entscheidung seien zwar möglich, hätten aber keinen Baustopp zur Folge.

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