BER

Gespielter Notfall am Hauptstadtflughafen

Die Flughafenfeuerwehr probt gemeinsam mit den Landkreisen in einer großen Übung den Ernstfall.

Feuerwehrübung im Eisenbahntunnel am BER - Chef Helge Schill

Feuerwehrübung im Eisenbahntunnel am BER - Chef Helge Schill

Foto: Krauthöfer

Schönefeld.  Während die meisten Menschen für die Nicht-Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER nur noch Spott übrighaben, hat sich weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit in den Tunnelanlagen und dem dazugehörigen Bahnhof unter den Terminals einer der größten Trainingsmöglichkeiten für die Flughafenfeuerwehr entwickelt. Derzeit proben deren Einsatzkräfte gemeinsam mit den Feuerwehren aus den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming in einer Großübung den Ernstfall.

Am Donnerstag sah das Szenario so aus: Auf dem menschenleeren Vorplatz des BER standen in gleißender Sonne Dutzende Feuerwehrmänner mit schweren Atemmasken, um sie herum zahlreiche Feuerwehrfahrzeuge. In den Tunnelanlagen unter ihnen war kurz zuvor in einem Doppelstockzug der Bahn ein Feuer ausgebrochen. Es gab Meldungen von mehreren Verletzten. Ein erster Trupp der Feuerwehr erkundete die Lage und gab die Situation an Brandbekämpfer und Personenretter weiter. „Wenn es ernst wird, muss jeder Handgriff sitzen“, sagte der Leiter der Flughafenfeuerwehr Tegel, Helge Schill, der Berliner Morgenpost.

Jeder Einsatz in der Tunnelanlage eine Herausforderung

Die Berliner Flughafenfeuerwehr holte sich dafür fachlichen Rat aus der Schweiz. Dort sitzt im Balsthal mit dem Interkantonalen Feuerwehr-Ausbildungszentrum (IFA) eine der renommiertesten Lehrakademien für Feuerwehren in Europa, die sich auf die Rettung aus Tunneln spezialisiert hat.

Für die Flughafen-Feuerwehr ist jeder Einsatz in der mehr als drei Kilometer langen Tunnelanlage und des Bahnhofes mit seinen zwei S-Bahn- und vier Fernbahngleisen eine Herausforderung. Denn der Bahnhofstunnel befindet sich direkt unter dem Fluggastterminal. Wenn es im Bahnhof brennt, hätte das Auswirkungen auf den gesamten Flughafen. „Unser Ziel ist es, dass wir 15 Minuten nach der ersten Meldung mit dem Wasserschlauch am Feuer stehen“, sagte Schill dieser Zeitung. Wäre es eine größere Lage würde das komplette Terminal geräumt und der Flugverkehr eingestellt. Im Gegensatz zum Hauptgebäude über der Erde soll die Entrauchungsanlage in dem Tunnel einwandfrei funktionieren.

Rundgang durch den Flughafen BER

Im Flughafen herrscht noch Helmpflicht, doch der neue BER-Chef zieht eine positive Bilanz: Von 180.000 Mängeln müssen laut Lütke Daldrup nur noch 13.000 beseitigt werden. Die Entrauchungsanlage soll mittlerweile funktionieren.
Rundgang durch den Flughafen BER

Entrauchungsanlage im Tunnel funktioniert einwandfrei

Lange gab es auch hier Probleme: Im Jahr 2016 war bekannt geworden, dass es erhebliche Schwierigkeiten mit dem Brandschutz in den Tunnelanlagen gab. Konkret ging es um das Zusammenspiel der Entrauchung des Terminalgebäudes und des direkt darunterliegenden Flughafenbahnhofs. Im Brandfall muss mit verschiedenen technischen Maßnahmen sichergestellt werden, dass die bei einem Feuer entstehenden giftigen Gase nicht von einem Gebäudeteil in den anderen eindringen und die Menschen dort gefährden. Diese Probleme hat man mit dem Neubau von zusätzlichen Nachströmbauwerken, die Frischluft ins Terminal leiten, gelöst. So soll verhindert werden, dass das Terminalgebäude belastete Luft aus dem Tunnel zieht.

Dass die Flughafenfeuerwehr mit ihren insgesamt 236 Feuerwehrleuten auch für die Tunnelanlage des BER zuständig ist, stellt eine Besonderheit dar und ist deutschlandweit einmalig. Für die Flughafenfeuerwehr, die sonst an den Standorten Tegel und Schönefeld vor allem mit vorbeugendem Brandschutz und der Gefahrenabwehr beschäftig ist, kommt am BER damit ein völlig neues Aufgabengebiet hinzu. „Weil der Flughafen noch nicht offen hat, können wir das hier unter realen Bedingungen trainieren“, sagte Schill beim Einsatz am Donnerstag. Insgesamt trainierten er und seine Einsatzkräfte fünf Tage den Ernstfall in unterschiedlichen Szenarien. Denn im Gegensatz zu einem Brand in einem Haus, stellt ein Feuer in einer Tunnelanlage eine besondere Herausforderung dar. Die Einsatzkräfte haben lange Rettungswege zu absolvieren und mit extrem schlechter Sicht zu kämpfen. „Bis zum Brandherd können es mehrere Hundert Meter sein“, sagt Markus Vogt, der aus der Schweiz nach Berlin gekommen ist, um die Hauptstädter zu beraten.

Außerdem hat die Feuerwehr in einem Tunnel mit extrem hohen Temperaturen zu kämpfen und im Fall des Tunnels unter dem BER noch mit vielen Menschen – beim Eintreffen eines ICE mit bis zu 1200 Reisenden.

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