Luftverkehr

Kosten für den BER steigen auf über sieben Milliarden Euro

Gerade zwei Milliarden Euro sollte der BER anfänglich kosten. Das waren 2006. Nun werden es wohl knapp 7,3 Milliarden.

Blick auf den Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg.

Blick auf den Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg.

Foto: dpa

Berlin. Um den künftigen Hauptstadtflughafen BER fertigzustellen, werden weitere 770 Millionen Euro benötigt. Das geht aus dem aktuellen Businessplan der Flughafengesellschaft hervor, wie ein Sprecher am Freitag bestätigte. Damit steigen die Gesamtkosten für den BER auf mehr als sieben Milliarden Euro. Beim ersten Spatenstich 2006 gingen die Verantwortlichen noch von zwei Milliarden Euro aus. Die Mehrkosten ergeben sich daraus, dass die Eröffnung des drittgrößten deutschen Flughafens im Dezember vergangenen Jahres um weitere zwei Jahre auf 2020 verschoben wurde.

Inwieweit die BER-Eigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund bereit sind, Geld nachzuschießen, ist unklar, große Zustimmung lösen die Mehrkosten nirgendwo aus. In der Berliner Landesregierung sind insbesondere die Grünen nicht bereit, ohne zwingende Notwendigkeit weiteres Landesgeld zu bewilligen. Man sei skeptisch, ob das zum jetzigen Zeitpunkt erforderlich sei oder ob es nicht strukturell andere Möglichkeiten gebe, hieß es aus Parteikreisen. Man lote derzeit andere Finanzierungsmodelle aus. Wenn diese nicht greifen, sei die Flughafengesellschaft in der Pflicht. Wie Rot-Rot-Grün sich zu der Finanzfrage positioniert, ist Thema des Koalitionsausschusses am kommenden Dienstag. Die Sitzung sollte bereits in dieser Woche stattfinden, wurde aber verschoben, weil zu diesem Zeitpunkt der Businessplan der Flughafengesellschaft noch nicht vorlag. Immerhin: Vor wenigen Wochen wurden die Mehrkosten noch auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Rundgang durch den Flughafen BER

Im Flughafen herrscht noch Helmpflicht, doch der neue BER-Chef zieht eine positive Bilanz: Von 180.000 Mängeln müssen laut Lütke Daldrup nur noch 13.000 beseitigt werden. Die Entrauchungsanlage soll mittlerweile funktionieren.
Ein Rundgang über die Flughafen-Baustelle am BER

Die Senatsfinanzverwaltung wollte die nun genannten 770 Millionen Euro nicht kommentieren. Zunächst solle sich der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft in seiner nächsten Sitzung Anfang März damit befassen, sagte Sprecherin Eva Henkel. „Unser Ziel als Gesellschafter ist es, durch eigene Anstrengungen des Unternehmens sowie weitere Optimierungsmöglichkeiten die Finanzierungslücke zu verkleinern“, lautete die Stellungnahme der Verwaltung. Nach den nun vorliegenden Zahlen lasse sich hinsichtlich der voraussichtlichen Kosten aber eine positive Tendenz erkennen.

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) bleibt bei seiner Haltung, kein weiteres Landesgeld zuzuschießen. „Meine klare Erwartung ist unverändert, dass die Flughafengesellschaft durch unternehmerische Eigenmaßnahmen zur Finanzierung beiträgt“, erklärte Görke am Freitag. Nach RBB-Informationen soll die Hälfte der 770 Millionen von den Flughafeneigentümern Bund, Berlin und Brandenburg kommen – ob als Zuschuss oder Darlehen, blieb offen. Für den Rest wolle die Flughafengesellschaft Bankkredite aufnehmen, hieß es.

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