Pannenbau

Flughafen BER wird bis zu eine Milliarde Euro teurer

Für die Inbetriebnahme und den Ausbau des Berliner Großflughafens BER fehlen einem Zeitungsbericht zufolge bis zu eine Milliarde Euro.

Berliner Großflughafen sollen bis zu eine Milliarde Euro fehlen

Diesen Finanzbedarf habe die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg nach ersten Schätzungen dem Aufsichtsrat vor Weihnachten mitgeteilt, berichtet die "Bild am Sonntag.

Berliner Großflughafen sollen bis zu eine Milliarde Euro fehlen

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Berlin. Beim Weiterbau des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld tun sich immer neue Finanzlöcher auf. Für die Inbetriebnahme und den Ausbau des Berliner Hauptstadtflughafens BER fehlt einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge bis zu einer Milliarde Euro. Einen entsprechenden Finanzbedarf hatte die BER-Geschäftsführung dem Aufsichtsrat demnach bereits vor Weihnachten mitgeteilt. Unklar ist bislang, woher das Geld kommen soll.

Der erheblich gestiegene weitere Finanzbedarf erklärt sich im Wesentlichen durch die abermals um gut 30 Monate verzögerte Eröffnung. Die laufenden Kosten auf der Baustelle und die entgangenen Einnahmen durch den Flugbetrieb belaufen sich auf rund 25 Millionen Euro im Monat. Allein dadurch ergeben sich bis zur geplanten Inbetriebnahme Mehrkosten von 750 Millionen Euro. Zudem benötigt der Flughafen laut „Bild am Sonntag“ weitere Millionen für neue Aufträge zur Fertigstellung und zum beschleunigten Ausbau. Bis zum Jahr 2035 sind, wie berichtetet, neue Erweiterungsbauten geplant, um dann jährlich 55 Millionen Passagiere abfertigen zu können. Nach jetzigem Stand wird der Flughafen bei seiner Eröffnung im Jahr 2020 bereits zu klein sein, um alle Passagiere, die bislang über die beiden anderen Flughäfen Tegel und Schönefeld reisen, aufnehmen zu können.

Ein Sprecher der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) wollte den Bericht auf Nachfrage der Berliner Morgenpost am Sonntag nicht kommentieren. Er verwies auf die bereits im Dezember getroffenen Aussagen. Neben den Aspekten der baulichen Fertigstellung und der damit verbundenen Abarbeitung der noch vorhandenen Mängel in der Gebäudetechnik wurden damals auch die aus dem Eröffnungstermin entstehenden Finanzierungsfragen erörtert. Dazu wurde festgelegt, auf der Basis des neuen Eröffnungstermins im Oktober 2020 den genauen zusätzlichen Finanzierungsbedarf zu ermitteln. Auf der kommenden Aufsichtsratssitzung im März solle dann über die weitere Finanzierung entschieden werden. Man werde alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Eigen- und Fremdfinanzierung nutzen, hatte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup dazu im Dezember angekündigt.

Vertrauen verspielt

Die Kosten für den BER haben sich seit dem Baubeginn 2006 bereits von zwei auf 6,5 Milliarden Euro erhöht. Bis Ende dieses Jahres ist die Finanzierung noch gesichert. Maximal 400 Millionen Euro könne die Gesellschaft durch Kredite alleine stemmen, heißt es unter Berufung auf Gesellschafterkreise. Wie der restliche Bedarf finanziert werden soll, darüber müssen sich die Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg noch einigen.

Rot-Rot-Grün fehle der Mut, angesichts der desaströsen Finanzlage am BER, eine Teilprivatisierung der Flughafengesellschaft in Betracht zu ziehen, kritisierte am Sonntag der Generalsekretär der Berliner CDU, Stefan Evers. „Auf diese Weise könnte nicht nur das dringend erforderliche frische Kapital, sondern vor allem ein neuer Blickwinkel in die Flughafengesellschaft eingebracht werden“, ist der Politiker überzeugt. Eine Beteiligung privater Partner könnte auch neues Vertrauen in den BER schaffen. Er fordere den Senat daher auf, sich den Chancen einer öffentlich-privaten Partnerschaft zu öffnen.

Rundgang durch den Flughafen BER

Im Flughafen herrscht noch Helmpflicht, doch der neue BER-Chef zieht eine positive Bilanz: Von 180.000 Mängeln müssen laut Lütke Daldrup nur noch 13.000 beseitigt werden. Die Entrauchungsanlage soll mittlerweile funktionieren.
Ein Rundgang über die Flughafen-Baustelle am BER

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