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Hauptstadtflughafen BER soll wohl 2020 eröffnen

Vielleicht ist es im Herbst 2020 so weit: Passagiere könnten dann am BER einchecken. Auf der Baustelle ist aber noch viel zu tun.

Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld

Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld

Foto: dpa

Berlin. Die Volksvertreter waren ungehalten: Zwei Stunden folgten sie am Mittwoch in einer öffentlichen Anhörung im Abgeordnetenhaus den Worten des Flughafenchefs und zweier Manager von Siemens und Bosch, aber klare Antworten auf ihre vielen Fragen erhielten sie nicht. "Ich komme mir vor wie bei Monty Python", stellte der SPD-Abgeordnete Torsten Schneider in Anspielung auf die absurden Filme der englischen Komikertruppe fest.

Zwei Tage ehe der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag dem Aufsichtsrat einen Eröffnungstermin für den BER nennen will, gaben sich die BER- und Unternehmensvertreter in wesentlichen Fragen zugeknöpft. Zum Eröffnungstermin gab es allenfalls Andeutungen. Zum zusätzlichen Finanzbedarf kaum Konkretes. Und zu den Vertragsbedingungen zwischen den Unternehmen und dem Flughafen fast nichts. "Die Antworten von Siemens und Bosch waren wenig zufriedenstellend", urteilte der Ausschussvorsitzende Jörg Stroed­ter (SPD), der erstmals eine Sitzung des ansonsten vertraulich tagenden Beteiligungsausschusses eröffnet hatte.

Der CDU-Mann Christian Goiny griff Lütke Daldrup hart an, als dieser sich zum Finanzbedarf nicht äußern wollte. "In der Lage, in der Ihr Unternehmen ist, will ich solche Äußerungen eigentlich nicht hören", schimpfte Goiny.

Experten glauben, das Terminal kann fertig gestellt werden

Trotz des Ärgers der Abgeordneten lassen sich aus den Aussagen von Lütke Daldrup sowie von Axel Schultz von Siemens Building Technologies und Thomas Reinicke von Bosch Sicherheitssysteme ein paar Neuigkeiten und Einschätzungen herauslesen.

Die Wichtigste: Die Experten sind anders als viele Skeptiker überzeugt, dass der Terminal fertigzustellen und in Betrieb zu nehmen ist. Außerdem halten sie es für möglich, trotz noch ausstehender letzter Planungen den BER wie von Lütke Daldrup geplant bis Ende August 2018 fertig zu bauen.

Ihre jeweiligen Systeme würden funktionieren, versicherten sie. Siemens steuert die Entrauchung der Räume und die Zuführung von Frischluft. Bosch kümmert sich um die Steuerung der mehr als 1400 Türen und die Brandmeldeanlagen. "Ja, es ist komplex", sagte der Bosch-Vertreter. Aber vergleichbare Anlagen liefen auch in anderen Flughäfen. Die Probe aufs Exempel werde aber erst die sogenannte Wirk- und Prinzipprüfung bringen. Dieser Prozess dauert zwölf bis 14 Monate, in denen die verschiedenen Systeme beweisen müssen, dass sie zusammen einwandfrei laufen.

Als Grund für die mehrjährige Verzögerung nannten die Manager die vielen Umplanungen während des Bauprozesses. Inzwischen seien die Planungsunterlagen "weitgehend vollständig", die Flughafengesellschaft habe aber Termine genannt, bis die letzten Dokumente kommen sollten. Auch viele der zuletzt vom Tüv benannten Probleme seien inzwischen gelöst. Die Prüfer hätten in ihrem Bericht einige neue Anforderungen formuliert und keine Rücksicht darauf genommen, dass Anlagen zum Teil noch nicht fertig seien.

Koalition uneins über weitere Finanzspritzen für den BER

Wenige Stunden vor der Anhörung im Ausschuss hatten sich die Spitzen der rot-rot-grünen Koalition ebenfalls mit dem BER befasst. Grüne und Linke drangen dem Vernehmen nach darauf, schnell Klarheit zu schaffen, wie viel Geld der BER-Bau noch verschlingen wird. Bisher war immer von rund 500 Millionen Euro die Rede, die allein schon wegen der weiter verzögerten Eröffnung fehlen würden.

Weil SPD, Grüne und Linke sich nicht einig wurden, will man sich im Januar abermals in einem Koalitionsausschuss mit dem Thema befassen. Dem Vernehmen nach reicht das Geld der Flughafengesellschaft noch bis September 2018. Lütke Daldrup ist angehalten, bis zur Aufsichtsratssitzung im März darzustellen, wie viel Geld er wirklich braucht und wie er das besorgen will. Vor allem die Grünen legen Wert darauf, auch alternative Szenarien wie eine teilweise Inbetriebnahme des BER mit zeitweisem Weiterbetrieb des Flughafens Tegel durchzurechnen.

BER-Erweiterung soll zusätzliche 2,3 Milliarden Euro kosten

Der Flughafenchef machte aber erneut deutlich, dass er dafür keine Notwendigkeit sieht. Er geht davon aus, dass der BER eröffnet und seinem Masterplan folgend schrittweise erweitert wird. 2,3 Milliarden Euro werden nach heutigen Planungen benötigt, um die Kapazitäten des Flughafens auf 55 Millionen Passagiere pro Jahr auszuweiten.

Diese Investitionen werde die Flughafengesellschaft aber selbst erwirtschaften, versicherte Lütke Daldrup. Wichtiger Baustein dafür ist die geplante Entwicklung einer "Airport-City". Für diese Aufgabe erwägt der Manager, eine eigene Baugesellschaft zu gründen, die von der eigentlichen Flughafengesellschaft getrennt arbeitet und abgerechnet wird.

Er räumte ein, dass dieser Ausbau für weiteren Verkehr in der Region sorgen werde. So forderte auch der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD), am Mittwoch eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs und einen Ausbau der Straßen rund um den Flughafenstandort Schönefeld. "Ich fürchte, der Flughafen Schönefeld-Alt wird noch sehr, sehr lange bleiben", sagte Loge in Wildau. Angesichts steigender Fluggastzahlen müsse dieser Flughafen und die Verkehrsanbindung dringend professionalisiert werden. "Wenn der BER irgendwann eröffnet, werden sich die Zahlen verdreifachen", so Loge.

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