Flughafen

Noch ein Problembericht am BER

Nach dem Tüv stellen weitere Prüfer Mängel fest. Flughafenchef Lütke Daldrup bleibt trotzdem optimistisch

Der BER (Archivbild)

Der BER (Archivbild)

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Am 31. August 2018, so hat es Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup in Aussicht gestellt, sollen die Bauarbeiten am neuen BER abgeschlossen sein. Die Berichte externer Prüfer machen jedoch deutlich, dass es ziemlich schwierig sein dürfte, dieses Ziel zu erreichen. Dabei ist dieses Datum für Lütke Daldrup entscheidend. Denn auf die folgende Wirkungsprüfung der Anlagen und die Abnahme des Gebäudes hat er keinen direkten Einfluss mehr. Ob es gelingt, den Starttermin für den BER einzuhalten, liegt dann nicht mehr in seiner Hand.

Am 15. Dezember will der Flughafenchef einen Starttermin für den BER nennen. Die Frage ist, ob 2020 zu schaffen ist oder ob es gar noch später wird, wie einige neue Informationen befürchten lassen.

Vergangene Woche hatte ein Tüv-Bericht bei der Entrauchung und anderen technischen Anlagen eine anhaltend hohe Zahl von Mängeln aufgezählt, wie der "Tagesspiegel" berichtet hatte. Jetzt zeigt ein weiterer Report der für die Terminplanung zuständigen Ingenieure von RKS, dass auch in der Organisation der Baustelle noch längst nicht alles stimmt. Das Fazit der Prüfer ist alarmierend: "Der Fertigstellungstermin (...) zum Ende 8/2018 ist ohne frühzeitige Gegensteuerung bei den eintretenden Störungen stark gefährdet", schreiben die Autoren in ihrem aktuellen Wochenbericht zum "Stand der Terminplanung / des Technischen Risikomanagements", der vom 16. November datiert. Eine Bewertung zu einem "realistischen Endtermin" sowie zu den verbleibenden Risiken sei "bislang nur begrenzt möglich". Mindestens zehn wesentliche Risiken lägen direkt auf oder dicht am "kritischen Weg". Das heißt, weitere Verzögerungen an diesen Stellen hätten Folgen für die Fertigstellung.

"Die Berichte stellen den Projektstatus realistisch dar"

Der Flughafenchef ist wie schon im Falle des Tüv-Berichts bemüht, die Aussagen der seit Frühjahr 2017 für den Flughafen tätigen Gutachter als Beleg dafür darzustellen, dass ihm eben nicht wie manchen seiner Vorgänger der Überblick fehlt über das Geschehen auf der Baustelle. "Die Begleitung der Bauorganisation durch die RKS-Berichte werden von der Baumannschaft als konstruktiv und zielführend wahrgenommen", sagte Lütke Daldrup. Die Hinweise und Verbesserungsvorschläge würden berücksichtigt und umgesetzt. Schönreden will der frühere Berliner SPD-Staatssekretär die Lage am BER nicht: "Die Berichte stellen den Projektstatus realistisch dar. Das ist die Grundlage die wir benötigen, um nicht in alte Fehler zu verfallen."

Um sein Fertigstellungsziel zu halten, muss der studierte Stadtplaner jedoch hart nachsteuern. So liege eine "präzise Information zum aktuellen Leistungsstand Planung/Bau noch nicht in ausreichendem Maße vor", schreibt RKS. Und auch die Zuarbeiten aus der Ebene, auf der es um die Detail-Terminpläne für einzelne Arbeiten geht, seien noch unzureichend.

Leistungen müssen besser gesteuert und nachverfolgt werden

Die Gutachter empfehlen nun, die ermittelten Risiken in den Terminplan zu integrieren, die vorliegenden Informationen weiter zu präzisieren und die Dokumentation zu verbessern. Dafür brauche das Projekt weitere Kapazitäten, unter anderem in der Objektüberwachung. Auch Lütke Daldrup hat erkannt, dass die Leistungen der Baufirmen besser gesteuert und nachverfolgt werden müssen.

Womöglich haben auch diese anhaltenden Organisationsschwächen, die Lütke Daldrup dazu veranlasst haben, das für den Bau des Terminals zuständige Team aus der Einheit "Technik und Bau" der Flughafengesellschaft herauszulösen und künftig sich direkt zu unterstellen, so berichtete der "Tagesspiegel". Damit verliert Technik-Chef Jörg Marks die Verantwortung, um die entscheidenden Probleme am BER zu lösen. Noch hält die Flughafengesellschaft aber am Fertigstellungstermin August 2018 fest. Es solle Druck auf der Baustelle herrschen, kein Planer und keine Firma solle sich zurücklehnen können, heißt es. Dass er Aufsichtsräten diese Berichte nicht in Gänze vorlegt, hält der Geschäftsführer für normal. Es werde aber in den Sitzungen des Kontrollgremiums "summarisch" über die Erkenntnisse informiert. Wenn Lütke Daldrup wie angekündigt in einer Sondersitzung des Aufsichtsrates am 15. Dezember seinen Eröffnungstermin für den BER nennen will, sollen auch externe Experten ihre fachliche Einschätzung dazu abgeben, ob ein solches Ziel realistisch ist.

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