BER-Debakel

Am BER gibt es den nächsten Rückschlag

Die Flughafengesellschaft hat einem Planer einen Teil des Auftrags entzogen. Es geht um den Brandschutz - mal wieder.

Blick in das BER-Terminal

Blick in das BER-Terminal

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Schönefeld.  Nach der guten Nachricht über die pünktliche Fertigstellung der Sanierung der Nordbahn in Schönefeld, holt die BER-Baustelle wieder die traurige Wirklichkeit ein. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) hat einem Planer der umstrittenen Entrauchungsanlage einen Teil des Auftrages entzogen. Es habe Qualitätsprobleme gegeben, sagte ein Flughafensprecher. Es gehe jedoch nur um einen Planungsabschnitt der Anlage, für den nun eine andere Firma verantwortlich sei. Der Rest des Auftrages sei dem Unternehmen nicht entzogen worden.

Genau handelt es sich um Fehler bei der „peripheren Entrauchung im A-Riegel“, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel am Sonntag. So bezeichnen die Flughafenplaner die Entrauchungsanlage in dem 700 Meter langen Hauptpier, an dem einmal die Flugzeuge andocken sollen. Hier seien Umplanungen nötig gewesen, die teilweise erfolgt seien, teilweise jedoch nicht zu gebrauchen waren. Deswegen habe die Flughafengesellschaft dem Planer diesen Teil des Auftrags entzogen.

„Die Qualitätsprobleme waren einer der Gründe, die zu den drei bis vier Monaten Rückstand auf der Baustelle geführt haben“, sagte Kunkel. Der teilweise Auftragsentzug erfolgte demnach bereits im September. „Der Auftrag ist mittlerweile anderweitig vergeben.“ Zum geplanten Eröffnungstermin gebe es keinen neuen Stand der Dinge, so der Flughafensprecher weiter. Mitte Oktober hatte die FBB noch einmal bekräftigt, dass der BER im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen soll. Doch mittlerweile mehren sich die Stimmen, die auch diesen Eröffnungstermin anzweifeln.

Umstrittene Anlage beschäftigt die Betreiber seit Jahren

Die umstrittene Entrauchungsanlage beschäftigt die Flughafengesellschaft seit Jahren. Die Planungsfehler haben zu der spektakulären Eröffnungsverschiebung im Jahr 2012 geführt – nur wenige Wochen vor der geplanten Eröffnung. Während die Planungen am Flughafen in den vergangenen Jahren häufig verändert wurden, war die Entrauchungsanlage nicht entsprechend umgeplant worden.

Der ehemalige Planer des BER, Alfredo di Mauro, hatte zuletzt im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des BER-Debakels das Konzept seiner unterirdischen Entrauchungsanlage auf dem Flughafen verteidigt. Der Begriff „aufwendige Lösung“ dafür sei falsch. Kollegen hätten vielmehr den Begriff „geniale Lösung“ dafür geprägt, so di Mauro selbstbewusst.

Ob die Anlage allerdings wie geplant fertiggestellt werden kann, ist weiter ungewiss. Auch di Mauro sieht Probleme. Es gebe Hinweise, wonach das Druckverhältnis in den Abzugsrohren einen zu hohen Unterdruck erzeuge. Sollte sich das bestätigen, müssten alle insgesamt 32 Entrauchungsanlagen im Hauptpier umgebaut werden. Seit 2014 ist der Ex-Planer nicht mehr auf dem Flughafen beschäftigt. Seine Planungen seien nicht funktionsfähig, hieß es damals zur Begründung. Dagegen wurde die Sanierung der Nordbahn in der vergangenen Woche planmäßig abgeschlossen. Auch der Kostenrahmen wurde nach Angaben der Flughafengesellschaft eingehalten.

Nordbahn wieder in Betrieb

Der Flughafen nannte die genauen Kosten der gut fünfmonatigen Arbeiten nicht. Es soll sich um ungefähr 50 Millionen Euro handeln. Von der Nordbahn läuft ab sofort wieder der Flugbetrieb des Flughafens Schönefeld. Während der Arbeiten waren die Flugzeuge auf der neu gebauten Südbahn gestartet und gelandet, die dafür vorübergehend in Betrieb ging. Der benachbarte Neubau des BER soll die neue Landebahn später als Start- und Landebahn nutzen.

Ebenfalls in der vergangenen Woche hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin im Zusammenhang mit dem Bau des geplanten Hauptstadtflughafen in einem weiteren Fall Anklage erhoben. Einem früheren Bereichsleiter der Flughafengesellschaft wird dabei Bestechlichkeit im besonders schweren Fall vorgeworfen. Zugleich erhielten drei ehemalige Mitarbeiter des Gebäudeausrüsters Imtech eine Anklage. In dem Fall geht es um ungeprüfte Millionenzahlungen aus dem Jahr 2012.