BER-Debakel

Am BER müssen 600 Wände neu gebaut werden

Etliche Brandschutzwände im BER-Terminal müssen abgerissen werden. Doch an das Gebäude selbst glaubt der Flughafenchef weiterhin.

Blick in das BER-Terminal

Blick in das BER-Terminal

Foto: Patrick Pleul / dpa

Am Hauptstadtflughafen BER reiht sich Panne an Panne: Am Montag gab Flughafenchef Karsten Mühlenfeld vor dem BER-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags bekannt, dass im Terminal nun auch noch rund 600 Wände falsch eingebaut wurden. „Wir haben eine gehörige Zahl von Wänden, die als Brandschutzwände definiert sind, aber so nicht gebaut wurden“, sagte der Manager. Sie seien in Leichtbauweise errichtet worden. Teilweise müssten „Stützen eingebaut oder Wandteile verstärkt“ werden, um die geforderten Brandschutzklassen zu erreichen, teilte der BER-Chef am Abend mit. Ein „sehr geringer Teil“ dieser Wände sei komplett neu zu bauen. Ein Teil der „Sanierungsmaßnahmen“ sei bereits realisiert worden, so Mühlenfeld weiter.

Derzeit herrscht im gesamten Terminal ein Baustopp – wegen der eingebauten, zu schweren Rauchgasventilatoren. Der Flughafenchef rechnet damit, dass das Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald die Baustelle noch in dieser Woche teilweise wieder freigibt. Die Überprüfung habe ergeben, dass das Problem gelöst werden könne. Die Bühne, auf der die zu schweren Rauchgasventilatoren installiert sind, könne verstärkt werden. Allerdings sei die Gewährleistungsfrist von fünf Jahren überschritten. Wer damals unter dem damaligen Generalplaner Gerkan, Marg und Partner verantwortlich war, sei bislang nicht klar. „Wir betreiben keine Ahnenforschung“, sagte Mühlenfeld.

Die Eröffnung des Flughafens im zweiten Halbjahr 2017 sei „theoretisch noch möglich“. Wegen der Pannen und der vorläufigen Insolvenz des Gebäudeausstatters Imtech ist es laut Mühlenfeld bislang am BER zu einer Bauverzögerung von drei bis vier Monaten gekommen. Die geplante bauliche Fertigstellung bis März 2016 sei nicht mehr zu halten, sagte er. „Wir haben aber noch Potenzial bei der technischen Inbetriebnahme, sodass wir die Möglichkeit haben, im zweiten Halbjahr 2017 fertig zu werden.“

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Forderung, den BER aufzugeben "hilft nicht weiter"

Die Forderung, das BER-Terminalgebäude zu entkernen oder gar neu zu bauen, wies der Flughafenchef zurück. „Dies würde immens viel Zeit und Geld kosten“, sagte er. „Diskutieren kann man das, wenn man glaubt, man kann noch zehn Jahre mit Tegel und Schönefeld-Alt leben.“ Es sei besser, jetzt fertig zu bauen. Auch im Aufsichtsrat habe bei der jüngsten Sitzung keiner einen kompletten Neustart gefordert. Im Gegenteil: Das Kontrollgremium beschloss die Erweiterung des BER bis zum Jahr 2023. Der Flughafen wird zu seiner Eröffnung bereits zu klein sein, um alle Passagiere abfertigen zu können. „Was hier plakativ von politischer Seite vorgebracht wird, hilft nicht weiter“, sagte der Flughafenkoordinator der Brandenburger Landesregierung, Rainer Bretschneider, zu der Forderung der Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen (CDU) und Renate Künast (Grüne). Den Airport lassen Berlin, Brandenburg und der Bund bauen.

Der Vorstand der Berliner CDU-Fraktion fordert angesichts der Bauverzögerungen eine Parlamentsberatung mit Mühlenfeld und dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Müller ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft FBB. Der Unions-Abgeordnete Stefan Evers will wissen, seit wann in der FBB das Ausmaß des Problems mit den Brandschutzwänden bekannt ist.

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