Flughafen

Chaos am BER – Müller räumt Rückschlag ein

BER-Aufsichtsratschef Michael Müller spricht nach dem Baustopp von einem Rückschlag - und gerät in seinem neuen Amt in die Kritik.

Wieder Baupfusch entdeckt: Neue  BER-Panne gefährdet den Zeitplan

Wieder Baupfusch entdeckt: Neue BER-Panne gefährdet den Zeitplan

Foto: imago/David Heerde / IMAGO

Noch keine drei Monate ist es her, dass Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller den Vorsitz des BER-Aufsichtsrats übernommen hat. Bisher blieb der SPD-Politiker in diesem Amt von Kritik weitgehend verschont. Doch die Schonfrist scheint um zu sein – nachdem die Hiobsbotschaften von der Baustelle des künftigen Hauptstadtflughafens nicht abreißen. Es hagelt Kritik – nicht nur an der Flughafengesellschaft, sondern auch am Aufsichtsrat und seinem Chef.

Am Wochenende gab die Flughafengesellschaft FBB ein weiteres Problem auf der Baustelle bekannt. Zuvor war bereits durchgesickert, dass ein erneuter Baupfusch entdeckt worden ist. In drei von 20 Deckenfeldern des Terminals sind laut einem Gutachten am Dach des Fluggastgebäudes Rauchgas-Ventilatoren eingebaut worden, die schwerer sind als erlaubt.

Dies sei offensichtlich vor dem dann geplatzten Eröffnungstermin Mitte 2012 geschehen, hieß es. Die Folge: Die Statik muss neu berechnet werden. Ein Teil des Terminals wurde vorsorglich gesperrt. Am Montag hat die Untere Bauaufsicht des Landkreises Dahme-Spreewald nun einen sofortigen Baustopp für die Flächen unterhalb des gesamten Terminaldaches am BER verfügt. Er gilt solange, bis der Sicherheitsnachweis vorliegt. Stefan Evers, Sprecher der CDU-Fraktion im Untersuchungsausschuss BER forderte am Montag: „Ich erwarte vom Aufsichtsratsvorsitzenden Müller eine ehrliche Aussage dazu, ob die Einhaltung des seit gut einem Jahr avisierten Eröffnungstermins in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen überhaupt noch realistisch ist.“

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Der CDU-Abgeordnete äußerte daran Zweifel. „Die Geschichte verdrängter Probleme darf sich nicht wiederholen“, warnte Evers. Müller müsse umgehend für einen reibungslosen Informationsfluss in der Flughafengesellschaft sorgen. „Seitdem er den Vorsitz des Aufsichtsrats übernommen hat, vermisse ich klare Akzente“, sagte Evers. „Er war ja nicht einmal dazu bereit, den Aufsichtsrat mit der fachlichen Expertise zu verstärken, die es in einer solchen Situation dringend bräuchte.“

Ernstes Kommunikationsproblem in der Flughafengesellschaft

Evers kritisiert, dass die Geschäftsführung ein ernstes Kommunikationsproblem in der Flughafengesellschaft habe. Und auch, dass es große Lücken in den ohnehin viel zu umfangreichen Mängellisten gebe. „Die frühere Geschäftsführer haben den Aufsichtsrat bewusst über den Zustand auf der Baustelle getäuscht – dieser wird offenbar nicht einmal mehr von den eigenen Leuten informiert. Das gefährde nach allen Fortschritten der vergangenen Monate das Vertrauen in Flughafenchef Mühlenfeld und Technikchef Marks ganz erheblich.

Müller hatte sich im Dezember 2014 bereits einmal zur Deckenstatik geäußert. Kurz nach seinem Amtsantritt als Regierender Bürgermeister antwortete er auf eine Anfrage des Piraten Martin Delius, nach Angaben der Flughafengesellschaft seien „keine zu hohen Deckenlasten“ festgestellt worden.

Die Konsequenzen der zu schweren Lüfter sind noch unklar. Ein Teil des Gebäudes in Schönefeld bei Berlin wurde am Freitag gesperrt, nun müssen Bauexperten klären, wie gravierend die festgestellte Überlastung an mehreren Stellen des Daches ist. Am kommenden Freitag tagt der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg und wird sich dem Vernehmen nach auch mit diesem Thema beschäftigen.

Wegen schwerer Bau- und Planungsmängel bei der Brandschutzanlage konnte der Flughafen im Juni 2012 nicht in Betrieb gehen. In den Wochen zuvor hatten die Verantwortlichen versucht, die letzte Bauphase zu beschleunigen. Wie inzwischen bekannt ist, ging dabei einiges durcheinander.

Kritik aus Brandenburg

Kritik kommt auch aus Brandenburg, neben dem Bund und Berlin Mitgesellschafter des Flughafengesellschaft. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel warf der Flughafengesellschaft FBB am Montag vor, mit dem Bau des Flughafens überfordert zu sein. „Das Bekanntwerden dieses erneuten schweren technischen Problems zeigt einmal mehr, dass die Flughafengesellschaft weder das Know-how noch die Erfahrung besitzt, ein solches Großprojekt zu stemmen.“ Die FBB hätte nie mit dem Bau des Terminals beauftragt werden dürfen. „Es doch zu tun, war ein schwerwiegender politischer Fehler.“ Auch Vogel rügt die Informationspolitik. Er verlangt auf der Sitzung des BER-Sonderausschusses kommenden Montag von der FBB-Geschäftsführung eine Erklärung zu der „neuen bösen Überraschung“. „Der Fall verdeutlicht auch, wie richtig das Herangehen einer gründlichen Fehleranalyse des früheren Technikchefs Horst Amann war und wie falsch der von Hartmut Mehdorn praktizierte Weiterbau im Sprinttempo ohne Rücksicht auf Verluste.“

BER-Aufsichtsratschef Michael Müller räumte am Montag ein, dass der Baustopp „ein Rückschlag“ sei. Er forderte die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft auf, den Aufsichtsrat und die Öffentlichkeit „schnell und vollumfänglich zu informieren“. Erst nach einem umfassenden Bericht könne abgeschätzt werden, welche Konsequenzen der vorläufige Baustopp habe.