BER-Desaster

Nachfolger für BER-Chef Mehdorn weiter verzweifelt gesucht

Nach dem angekündigten Rücktritt von BER-Chef Hartmut Mehdorn war der Ex-Rolls-Royce-Manager Karsten Mühlenfeld als dessen Nachfolger gehandelt worden. Doch der hat nun einen anderen Job gefunden.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Auch sieben Wochen nachdem Hartmut Mehdorn seinen Rücktritt angekündigt hat, ist noch kein neuer Flughafen-Chef gefunden. Einer der am heißesten gehandelten Kandidaten ist inzwischen aus dem Rennen. Der frühere Rolls-Royce-Manager Karsten Mühlenfeld, von einigen Medien bereits als Mehdorn-Nachfolger verkündet, hat am 1. Februar seinen Dienst bei dem deutsch-kanadischen Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation angetreten.

Das bestätigte ein Unternehmenssprecher am Montag der Berliner Morgenpost. Mühlenfeld, der sich einen Namen beim Aufbau der Triebwerksfabrik von Rolls-Royce in Dahlewitz (Teltow-Fläming) machte, ist bei Bombardier jetzt Entwicklungschefs für die Region Zentral- und Osteuropa.

Der amtierende Flughafen-Geschäftsführer Mehdorn hatte am 15. Dezember angekündigt, spätestens Mitte des Jahres seinen Posten räumen zu wollen. Die Entscheidung kam damals für viele überraschend, hatte doch erst drei Tage zuvor der Flughafen-Aufsichtsrat den von Mehdorn vorgestellten Zeitplan für einen Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens BER bestätigt. Danach soll der BER in mehrere Schritten im zweiten Halbjahr 2017 eröffnet werden. Mehdorn begründete seinen Rücktritt mit dem fehlenden Rückhalt bei den Flughafen-Eigentümern. Spätestens zum 30. Juni 2015 werde er die Flughafengesellschaft verlassen, so seine Ankündigung.

Weitere Kandidaten

Seither suchen die Flughafen-Eigentümer, der Bund (26 Prozent der Gesellschafteranteile) und die Länder Berlin und Brandenburg (je 37 Prozent), intensiv nach einem Nachfolger. Zu den aktuell aussichtsreichsten Kandidaten für einen Mehdorn-Nachfolge gehört nach Informationen der Berliner Morgenpost Michael Clausecker. Der einstige Deutschland-Chef von Bombardier, der nach einer Umgestaltung der Konzernspitze seinen Job verlor, gilt als strategisch denkender Manager. Ambitionen werden auch dem Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Rainer Bomba (CDU) nachgesagt, der den Bund seit Langem im BER-Aufsichtsrat vertritt und daher große Projekt-Kenntnisse hat. Wiederholt genannt wurde der Chef des Flughafen Köln-Bonn, Michael Garvens, der jedoch bereits zwei Mal abgesagt haben soll.

Bislang gibt es aber noch nicht einmal eine Einigung darüber, wie die Flughafen-Spitze künftig aufgestellt sein soll. Während Berlin möglichst eine kollektive Geschäftsführung mit einem gleichberechtigten Sprecher als Außenvertreter favorisiert, setzen Brandenburg und der Bund offenbar wieder auf eine einzelne Führungspersönlichkeit à la Mehdorn. Ein Spitzentreffen Mitte Januar zu dieser Frage blieb ohne greifbares Ergebnis.