Flughafen-Debakel

Ex-Technikchef Weyer kritisiert Eingriffe der Politik am BER

Thomas Weyer bemängelte im Untersuchungsausschuss häufige Personalwechsel bei den BER-Verantwortlichen. Zudem hätten Politiker gegen den Willen der Geschäftsführung Pläne für das Terminal geändert.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Die Projektsteuerer auf der Baustelle für den neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld haben aus Sicht des früheren Technikchefs Thomas Weyer keine gute Arbeit geleistet. „Es war ein sehr zähes Zusammenarbeiten, und die Qualität hätte ich mir schon etwas besser vorgestellt“, sagte Weyer am Freitag im Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses über die Erfahrung mit den Baumanagern der Firma WSP CBP. So habe es zu viele Personalwechsel gegeben. Weyer war von 2004 bis 2008 einer der Geschäftsführer der Berliner Flughafengesellschaft. Heute ist er Finanzchef des Flughafens München.

Weyer bestätigte, dass der Entwurf für das BER-Terminal mehrfach geändert wurde, so um mehr Platz für Läden zu bekommen. Auch habe der Aufsichtsrat, in dem Politiker des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg das Sagen haben, Baupläne gegen das Votum der Geschäftsführung umgewandelt. Dabei ging es etwa um den Einbau einer speziellen Fluggastbrücke für den Großraumjet A380, der wegen der fehlenden Interkontinentalverbindungen normalerweise in Berlin weder startet noch landet.

Nach Ansicht der Grünen-Vertreter war dies „ein kosten- und zeitintensiver Fehler“. „Seine Aussage erhärtet die These, dass die Flughafengesellschaft für einen erfolgreichen Projektverlauf organisatorisch zu schlecht aufgestellt war“, sagten im Anschluss die Abgeordneten Andreas Otto und Harald Moritz. „Das Zusammenspiel von Aufsichtsrat, Geschäftsführung und insbesondere dem Projektsteuerer war problematisch.“

Für die Vertreter von SPD und CDU, die Abgeordneten Ole Kreins und Oliver Friederici, haben die Aussagen des früheren Flughafen-Technikchefs deutlich gemacht, dass „ein gravierendes Kontrollversagen der Geschäftsführung ab 2008 einer der Hauptgründe für die Probleme am BER“ seien. Dies werfe insbesondere ein schlechtes Licht auf Weyers Nachfolger Manfred Körtgen, der zur nächsten Ausschuss-Sitzung als Zeuge geladen ist.

Schallschutz wurde falsch geplant

Laut dem Ausschussvorsitzenden Martin Delius (Piraten) habe Weyer den Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden Klaus Wowereit (SPD) an mehreren Stellen seiner Aussage kritisiert. So habe er die Entscheidung, Körtgen als Technischen Geschäftsführer ab 2008 zu bestellen, nicht nachvollziehen können. Körtgen wäre aus Sicht von Weyer nicht für den Posten eines Geschäftsführers geeignet gewesen. Auch die Entscheidung, das Terminal entgegen der ursprünglichen Planung mit einer A380-Brücke auszustatten, sei eine Entscheidung des Aufsichtsrats und seines Vorsitzenden gewesen. Man habe einen „Weltflughafen“ errichten wollen, obwohl aus Sicht der Geschäftsführung gar kein Bedarf für eine A380-Brücke bestanden habe.

Weyer habe auch deutlich gemacht, dass die heutigen Flugrouten am BER nicht in die ursprünglichen Berechnungen eingegangen seien, so der Ausschussvorsitzende Martin Delius (Piraten). Die Aufwendungen für Schallschutzmaßnahmen für die Anwohnerinnen seien auf Basis gerade verlaufender Flugrouten berechnet worden, obwohl die Deutsche Flugsicherung schon damals darauf hingewiesen hatte, dass durchaus auch abknickende Routen in Frage kämen. Der aktuelle finanzielle Mehrbedarf der Flughafengesellschaft für die Schallschutzmaßnahmen hätte bereits zu Beginn des Projekts eingerechnet werden müssen. Geschäftsführung und Aufsichtsrat hätten die Öffentlichkeit bewusst im Unklaren gelassen.

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