Pannenflughafen BER

„Mehdorn muss sich künftig mehr zurückhalten“

Eigentlich wollte Flughafenchef Hartmut Mehdorn nur das Frachtzentrum am BER einweihen. Doch da musste er sich unangenehme Fragen zu seinem Ex-Arbeitgeber gefallen lassen. Mehdorn reagierte gereizt.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Es hätte der perfekte Termin am neuen Hauptstadtairport BER werden können. Flughafenchef Hartmut Mehdorn kam dort am Mittwochvormittag mit Brandenburgs Ministerpräsident und Aufsichtsratschef Matthias Platzeck sowie Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD) zusammen, um das neue Frachtzentrum auf dem Gelände einzuweihen. Endlich geht am BER etwas vorwärts, sollte die Botschaft sein. Wenn schon kein Flugzeug abhebt, dann wird wenigstens Luftfracht verladen.

Doch anstatt einfach nur zu zeigen, wie es am BER wenigstens ein klein wenig vorwärts geht, musste sich Mehdorn Fragen zu seinem ehemaligen Arbeitgeber Air Berlin gefallen lassen. In den Tagen zuvor waren nämlich Briefe aufgetaucht, die den Eindruck erwecken, dass diese Verbindung enger ist, als es für die Reputation der Flughafengesellschaft gut ist. Offenbar hat sich Mehdorn in die Schadensersatzverhandlungen mit seinem Nachfolger als Vorstand bei der Air Berlin, Wolfgang Prock-Schauer, direkt eingemischt. Ein konkretes Angebot an die Air Berlin trägt nämlich seine Unterschrift. Dabei hatte Mehdorn noch bei seinem Amtsantritt im März angekündigt, sich aus den Verhandlungen heraus zu halten, um Interessenskonflikte zu vermeiden.

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Wie sehr Mehdorn das Thema nahe geht, zeigte sich an seiner gereizten Reaktion. Auf Nachfragen von Journalisten zu dem Thema reagierte Mehdorn am Rande der Einweihung des Cargo-Zentrums genervt. „Ich verstehe Ihre Fragen nicht“, versuchte er immer wieder auszuweichen. Dann überlegte er es sich aber anders. „Ich habe nie verhandelt“, sagte er. Das habe ein Team in der Flughafengesellschaft übernommen. Er habe lediglich „ein Vertragsergebnis“ unterzeichnet. „Da wird eine Maus zu einem Elefanten aufgeblasen“, wetterte Mehdorn. Und: „Hier wird solange der Kopf über der Suppe geschüttelt, bis ein Haar zu finden ist.“

Amann spielt bei Einweihung keine Rolle

In einem Brief an Platzeck vom 10. Juni 2013 behauptete Mehdorn, dass die Gerüchte über Zugeständnisse an die Air Berlin von Technikchef Horst Amann losgetreten worden seien. Ob das zutrifft, ist nicht bekannt. Auffällig war jedoch, dass Amann bei der Einweihung des Frachtzentrums keine Rolle spielte. In den Grußworten erwähnte ihn nur der Betreiber des Cargo-Centers, Wolfgang Dietz. Das ist umso bemerkenswerter, als Amann vor Mehdorns Amtsantritt fast ein Jahr lang der wichtigste Ansprechpartner in der Flughafengesellschaft war.

Während sich Platzeck zu den Vorwürfen gegen Mehdorn nicht äußern wollte, übte Wowereit offen Kritik. Er kündigte an, dass der Vorfall bei der Aufsichtsratsitzung am 16. August Thema sein werde. „Mehdorn muss sich in solchen Fällen künftig mehr zurückhalten“, sagte Wowereit. Eine Unterschrift, wie sie Mehdorn unter das Ausgleichsangebot an die Air Berlin gesetzt hatte, könne laut Wowereit genau so gut die neue Finanzchefin Heike Fölster leisten. Der Verdacht eines Interessenskonflikts müsse unbedingt vermieden werden. Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Christoph Franz kündigte indes an, dass der Konzern Schadensersatzansprüche „erst dann geltend macht, wenn der BER eröffnet hat“.

Erster Schritt zur Teileröffnung

Mit dem Frachtzentrum hat der krisengeschüttelte Hauptstadtflughafen einen ersten Schritt zur Teileröffnung gemacht. „Das ist ein elementarer Baustein für die Gesamtinbetriebnahme“, sagte Flughafenchef Mehdorn. Jetzt sollten schrittweise alle fertigen Teile – Parkhäuser, Mietwagenstation und Bahnhof – in Betrieb genommen werden. Um den Jahreswechsel könne wahrscheinlich auch der Testbetrieb für kleinere Fluggesellschaften am Nordpier beginnen. Die Entscheidung werde die Geschäftsführung im August treffen und mit dem Aufsichtsrat abstimmen.

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Die Dietz AG kann laut Vertag das Zentrum 60 Jahre lang betreiben. Es sei zu 100 Prozent vermietet, einige Büros bereits bezogen worden, sagte Wolfgang Dietz. In eine Frachtbox legte er symbolisch Planungsunterlagen, Regierungschef Platzeck eine Ausgabe der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ – und Klaus Wowereit die „Berliner Morgenpost“. Dann wurde die Kiste verplombt.

Am Cargo-Center sollen ab 1. August die Fracht von UPS und Fedex sowie der Beiladung abgefertigt werden. Ab September kann die Fracht per Lkw auch von Tegel über den BER umgeschlagen werden. Wie Torsten Jueling, Produktmanager Air Cargo bei der Flughafengesellschaft, auf Anfrage bestätigte, steht die Genehmigung des Luftfahrtbundesamt für den Frachtabfertiger aber noch aus.

Um in dem modernen Frachtzentrum ihre Pakete abzuliefern, müssen die Lieferanten allerdings etwas weiter fahren. Denn das bisherige Cargo-Center liegt im Norden des alten Flughafens Schönefelds, das neue südlich auf dem BER-Gelände. Doch von dort hebt bislang noch kein Flugzeug ab.