Erhalt des Flughafens

Erster Mini-Protest gegen Tegel-Schließung

Mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg in knapp drei Monaten wird der Betrieb am Airport in Tegel eingestellt. Dagegen demonstrierten am Sonntag jetzt erstmals etwa zwei Dutzend Menschen mit einem Trauermarsch im Terminal.

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Viele Berliner lieben ihren Flughafen Tegel, verbinden ganz persönliche Erinnerungen und Erlebnisse mit dem kompakten, sechseckigen Hauptterminal und seinem 70er-Jahre Charme. Der Trauermarsch, zu dem sich am Sonntagnachmittag zwei Dutzend Mitstreiter des Aktionsbündnisses Berliner Flughafenfreunde versammelt hatten, wird deshalb auch sicher nicht die letzte Protestaktion gegen die Stilllegung des Flughafen Tegels bleiben. Denn die Hauptforderung der Demonstranten, den Airport mit dem internationalen Code „TXL“ wenigstens als Regierungs- und Ausweichflughafen zu erhalten, wird von den verantwortlichen Landesregierungen in Berlin und Brandenburg strikt abgelehnt.

Der Flughafen Tegel wird, so sehen es die Planungen vor, in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni geräumt. Eine Umzugskarawane wird das verbliebene Flughafen-Equipment in Richtung Schönefeld zum neuen Großflughafen BER transportieren. Doch eine große Abschiedsfeier, so Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, wird es nicht geben. „Der Senat hält die Konzentration der Feierlichkeiten auf die Eröffnung des Flughafens BER, selbstverständlich unter Einbeziehung der Berliner und Brandenburger Bürger, für angemessener“, antwortet er auf eine parlamentarische Anfrage der CDU.

Für viele Berliner ist diese Entscheidung schwer nachzuvollziehen – zumal schon die Abschiedsfeier für den City-Airport Tempelhof im Herbst 2008 für Empörung sorgte. Die damalige Feier war 800 geladenen Gästen vorbehalten, die Bevölkerung musste draußen bleiben. Gäste, die zu dem Abschiedsfest ins Hauptgebäude wollten, wurden von den Demonstranten lautstark ausgebuht und ausgepfiffen, viele Protestierende zündeten Grabkerzen an als letzten Gruß an den historischen Flughafen. Ob sich ähnliche Szenen in Tegel wiederholen werden, bleibt abzuwarten.

Lediglich die Mitarbeiter in Tegel werden nach der Schließung noch einmal gesondert Abschied nehmen dürfen. Für diese sei, so der Staatssekretär weiter, „ein Mitarbeiterfest in Tegel im Spätsommer geplant“.

Nach den Planungen der Flughafenbetreiber stehen also Schönefeld und der Neuanfang im Vordergrund stehen: Publikumstage am 12. und 13. Mai in Schönefeld sollen den Besuchern Gelegenheit geben, sich bei einem Rundgang auf dem Areal über den neuen Flughafen zu informieren. Zur offiziellen Eröffnungsfeier am 24. Mai sind dann außer den geladenen Gästen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), auch 30.000 Berliner und Brandenburger eingeladen. Wie genau sich Interessierte für die Eintrittskarten zum Festakt bewerben können, ist noch offen.

In Tempelhof dauerte es ein gutes halbes Jahr, bis zum Mai 2009, dass die Berliner das Flughafenareal wieder betreten konnten. Anlass war das große Fest zum Ende der Berlin-Blockade vor 60 Jahren. Rund 160.000 Besucher nutzten damals die Gelegenheit für ein Wiedersehen.

Die erste öffentliche Begehung des Flughafenareals in Tegel soll nach drei Monaten, am 2. September, möglich sein. Bei einem Tag der offenen Tür bekommen die Berliner dann erstmals Gelegenheit, Abschied von ihrem alten Flughafen im Nordenwesten Berlins zu nehmen – allerdings werden Interessierte zunächst nur im Rahmen von geführten Touren in das dann ehemalige Flughafengebäude gelangen.

In Tempelhof hat es anderthalb Jahre gedauert, bis die Berliner das 300 Hektar große Flughafenareal endlich dauerhaft nutzen konnten: Berlins nunmehr größter Park wurde im Mai 2010 mit einem Besucherfest eröffnet. Seither stehen die Tore zu dem mit Gitterzäunen abgesperrten Areal offen. In Tegel ist eine umfassende Öffnung des 460 Hektar großen Areals ohnehin nicht geplant. Da dort, so der Staatssekretär weiter, in weiten Teilen ein Technologie- und Industriepark entstehen soll, werden diese Flächen erst von den künftigen Nutzern5 zugänglich gemacht.

Weitere Informationen, Bilder, Videos und interaktive Grafiken zum Flughafen BER unter: morgenpost.de/flughafen