Sonderthemen

Gut und schön!

Auch bei der Mode achten Veganerauf pflanzliche Alternativen

MANUELA BLISSE

„Sehr viel Strick, schöne Muster, Prints, Weinrot und Dunkelblau, entspannte Schnitte“, gibt Christina Wille einen Einblick in die Herbstmode 2017. Doch es sind nicht nur Formen und Farben, die bei der Chefin von LoveEco eine Rolle spielen. Es geht um das Material und damit um eine Lebensphilosophie. Vor drei Jahren hat sie den größten veganen Eco Fashion Store in Berlin eröffnet. „Eco“ und „Fashion“ waren nicht immer Begriffe, die zueinander gepasst haben. Am Anfang sei es vor allen um Ersteres gegangen. „Gegen die Ausbeutung von Mensch und Tier und für die Umwelt“ war für Christina Wille, wie für die Produzenten veganer Mode ein Leitmotiv, das die Basis ihres Ladens darstellt. Persönlich beschäftigt sie sich seit rund sieben Jahren mit dem Thema veganes Leben. Inzwischen kann Kleidung nicht nur vegan, ökologisch und Fair Trade sein, sondern ebenfalls richtig modisch. „Man sieht es nicht“, schmunzelt sie.

Deutschland spielt eine Vorreiterrolle in Sachen veganer Mode. Viele junge Labels kommen aber auch aus den skandinavischen Ländern und Italien. Bei Love­Eco, der Conceptstore befindet sich in Friedrichshain, präsentiert Christina Wille eine „persönliche Auswahl der Lieblingsteile von über 40 Marken“, alle aus Europa: Kleidung bis hin zu Socken und Unterwäsche und Accessoires wie Fair Trade-Schmuck aus recycelbaren Materialien wie recyceltem Polyester umfasst das Sortiment. Bei Strumpfhosen wird auf Bio-Baumwolle gesetzt.

„Fair, vegan und ökologisch, kurz: gut und schön“ war auch das Motto von Nicole Noli, als sie vor fünf Jahren ihren ersten Store in München eröffnete. Inzwischen gibt es DearGoods auch in Berlin. „Wir führen über 30 Labels, viele aus Deutschland, aber auch aus England, Belgien und den Niederlanden“, sagt Lena Heidemann aus dem Hauptstadtshop in Friedrichshain, der Kleidung für Männer und Frauen, Taschen, Rucksäcke, Portemonnaies, Badetücher, Schmuck, Sonnenbrillen und andere Goodies wie Coffee-to-go-Becher offeriert. Mit den Kreationen aller Labels sei man modisch gekleidet, bestätigt Lena Heidemann. Das wird auch die Modenschau auf dem „Veganen Sommerfest“ zeigen, bei der DearGoods, LoveEco sowie sieben weitere Stores und Labels einen Mix aus Übergangsmode und Herbst-Must-Haves auf den Laufsteg bringen werden.

Die Frage, was es heißt, sich vegan zu kleiden, kennt Christina Wile auch von vielen Kunden, die „Neueinsteiger“ in diesem Segment sind. „Bei nicht-veganen Materialien denken viele sicherlich an Wolle, Leder und Pelz. Aber auch Seide, Perlmutt und Daunen sind nicht vegan“, erklärt sie. Die Entwicklung und Verarbeitung dieser Bestandteile schade Tieren, der Umwelt und letztendlich auch den Menschen – entweder indirekt durch Folgeschäden in der Natur und Weltwirtschaft oder direkt durch hautschädigende Chemikalien, die in der Weiterverarbeitung genutzt werden. „Viele Marken haben bereits sehr gute Materialien gefunden, um diese Problematik zu beenden“, sagt Wille, „aus pflanzlichen oder recycelten Fasern lassen sich innovative Materialen gewinnen, die genauso gut aussehen und halten wie die konventionellen, beispielsweise Eukalyptus- und Buchenholzfasern, Kork oder recycelte PET-Flaschen.“ Und sie lassen sich in tragbare und angesagte Mode umsetzen.

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