Sonderthemen

Die Zukunft isst pflanzlich

Das Vegane Sommerfest vom 25. bis zum 27. August lädt zum Probieren ein

SIMONE JACOBIUS

Immer mehr Menschen entdecken für sich die Vorteile einer rein pflanzlichen Ernährung – sei es für die Tiere, die Umwelt, die eigene Gesundheit, die weltweite Nahrungsgerechtigkeit oder einfach aus geschmacklichen Gründen. „Eine pflanzliche Lebensweise ist die Lösung für viele der aktuell drängendsten Fragen und dies rückt immer mehr in das öffentliche Bewusstsein. Vor allem die junge Generation ist heute offen für Themen wie Tier-, Umwelt- und Klimaschutz und ernährt sich zunehmend fleischfrei“, sagt Wiebke Unger vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU). Der VEBU geht von acht Millionen Vegetariern in Deutschland aus (zehn Prozent der Bevölkerung), davon sollen sich 1,3 Millionen ausschließlich pflanzlich ernähren.

Noch vor drei Jahren gab es in Deutschland nur 900.000 Veganer, die Zahl steigt also kontinuierlich. Laut einer Forsa-Umfrage sollen 22 Prozent aller Verbraucher zumindest gelegentlich eine vegane Mahlzeit bewusst in ihren Alltag integrieren. Zum allgemeinen Trend passt auch, dass es das Vegane Sommerfest in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal gibt. Angefangen hat es klein und familiär auf einem Abenteuerspielplatz im Humboldt­hain. Seit 2008 ist es kontinuierlich gewachsen und inzwischen im Herzen der Stadt angekommen: Das 10. Vegane Sommerfest findet vom 25. bis 27. August auf dem Alexanderplatz statt. Veranstalter sind der VEBU, das Tierrechtsbündnis Berlin-Vegan und die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.

Im vergangenen Jahr wurde die Veranstaltungsfläche bereits vergrößert und erstreckte sich über die Straßenbahnschienen hinweg – 60.000 Besucher kamen insgesamt. „Das Ziel, alles etwas lockerer zu machen und mehr Sitzplätze zu schaffen, hatten wir erreicht. Das werden wir auch dieses Jahr beibehalten“, sagt Wiebke Unger. 100 Stände wird es in diesem Jahr geben, eine Steigerung um zehn Prozent. Darunter sind Aussteller, die in jedem Jahr dabei sind wie Brammibals Donuts, Réger Burger oder Veganz, aber auch viele neue. Dazu gehören beispielsweise etliche vegane Eismanufakturen. „Das scheint absolut im Trend zu liegen“, meint Unger. Aber auch vegane Lippenpflege (lipfein) oder Nagellack (Kia Charlotta) und tierleidfreie Seife (SauberKunst) gehören mit zu den Ausstellern. Ebenso wie veganer Käse, Waffeln und Mode. Gerade Mode ist in diesem Jahr deutlich stärker vertreten, als in den Vorjahren.

In einem Zelt wird es wieder Vorträge rund ums Thema geben, beispielsweise zur Nährstoffversorgung, zur Kinderernährung, zum Reisen oder zur veganen Lebensweise. Außerdem stellen sich verschiedene Initiativen vor, etwa die Vegan-Blogger „Vegan ist ungesund“ (So. 16.15-17 Uhr, natürlich mit einem Augenzwinkern) und es gibt Lesungen des Kinderbuchautoren Udo Taubitz, „Schweinchen Schlau – mein Papa gehört mir!“ (Sbd. 12-12.45 Uhr).

„Wir wollen die Menschen neugierig machen“

Und auf der Bühne ist ein wechselndes Programm von Musik, Modeschauen und Kochshows zu sehen. „Es macht einfach Spaß, bei solch einem Fest dabei zu sein, als Aussteller, wie auch als Besucher“, sagt Wiebke Unger. Die Veranstalter wollen mit dem Fest aber nicht nur „Veggies“ ansprechen. „Wir wollen alle Menschen neugierig machen und ihnen zeigen, dass es bei uns völlig undogmatisch zugeht, einfach und locker“, sagt sie. Alle seien eingeladen, mitzufeiern.

Berlin gilt als Hauptstadt der Veganer: 1,3 Prozent der Berliner, also etwa 45.500 leben ohne tierische Erzeugnisse. Sogar zwölf Prozent der Berliner sind Vegetarier (420.000). Auch wächst die Anzahl der veganen Restaurants in Berlin stetig. So gibt es in der Hauptstadt mittlerweile 48 rein vegane und 193 vegetarische Gastronomiebetriebe. „Aber auch außerhalb von Städten kann man sich vegan ernähren, weil man nicht mehr von veganen Restaurants oder Supermärkten abhängig ist. Jeder normale Supermarkt führt heutzutage ein breiter werdendes veganes Sortiment“, erklärt Wiebke Unger. Und der Markt wird immer größer. Laut Marktforschungsinstitut Nielsen stieg der Umsatz mit vegetarisch-veganen Produkten im Lebensmitteleinzelhandel 2016 auf 686 Millionen Euro – ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und der vegane Trend greift immer stärker auch auf andere Branchen über. So gibt es in Berlin bereits ein veganes Tattoostudio, das nur Farben benutzt, die nicht an Tieren getestet wurden und auch keine tierschen Bestandteile beinhalten. Ein Friseursalon in Prenzlauer Berg lehnt Tierleid ab und verwendet aus diesem Grund nur vegane Produkte. Das gleiche gilt für ein Geschäft am Mehringdamm, dass sich auf veganes Sexspielzeug spezialisiert hat.

10. Veganes Sommerfest Berlin auf dem Alexanderplatz

25.-27. August, Freitag 12-20 Uhr, Sonnabend 11-20 Uhr, Sonntag 12-18 Uhr; Eintritt frei

www.veganes-sommerfest-berlin.de

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