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Steter Kämpfer für ein barrierefreies Berlin

Wenn Jürgen Schneider Ende August mit 68 Jahren in den Ruhestand geht, kann er seinem Nachfolger eine durchaus positive Bilanz seiner Arbeit als Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung hinterlassen: Auf sein Drängen hin werden neue Fahrzeuge der BVG nur noch behindertengerecht bestellt, theoretisch 97 Prozent der S-Bahnhöfe sind mit Aufzügen zu erreichen (von denen aber laut Schneider 20 bis 25 täglich nicht funktionieren) und die Berliner Bauordnung wurde zu Gunsten Behinderter novelliert.

Schneider, der sich schon seit seiner Dissertation mit Problemen von Behinderten beschäftigt, tut dies seit 1983 in verschiedenen Funktionen auch in der Berliner Verwaltung. Ausdruck für den Erfolg seiner stetigen Bemühungen, möglichst viele Bereiche des öffentlichen Lebens für Menschen mit Behinderungen besser zugänglich zu machen, ist der 2013 an Berlin verliehene „Access City Award“ der Europäischen Kommission. Die Auszeichnung „Barrierefreie Stadt“ wird Kommunen verliehen, die mit ihren Erfolgen anderen Städten als Vorbild dienen.

Doch ganz ohne Sorgen um 600.000 Berliner mit Handicap, deren Interessenvertreter und geachtetes Sprachrohr Schneider ist, geht er nach fast acht Jahren als Landesbeauftragter dann doch nicht in den Ruhestand. Denn eines seiner wichtigsten Projekte steht vor einer ungewissen Zukunft: die barrierefreie öffentliche Toilette, von der es berlinweit 270 gibt – die Wall Toilettenhäuschen. Für deren Betrieb hat der Senat laut Schneider zum Ende des Jahres 2018 den Betreibervertrag gekündigt. Schneiders Angst ist, dass ein gut funktionierendes Konzept Schaden nehmen könnte.