Sonderthemen

„Eine andere Beschäftigung als auf dem ersten Arbeitsmarkt kam für mich nie in Frage“

Anne Bloom kam in einer Zeit auf die Welt, in der Barrierefreiheit für viele noch wie ein Fremdwort klang. Seit ihrer Kindheit ist die heute 49-Jährige auf einen Rollstuhl angewiesen – doch auf ihn reduziert werden, das wollte sie nie. „Nach dem Schulabschluss habe ich eine Ausbildung gemacht, arbeitete dann als Verwaltungsfachangestellte“, sagt Bloom. „Eine andere Beschäftigung als auf dem ersten Arbeitsmarkt kam für mich nie in Frage.“ Im Gegenteil: Anne Bloom wollte Karriere machen. Sie meldete sich bei der Abendschule an, holte ihr Abitur nach und studierte Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule. „Über eine Elternzeitvertretung bin ich schließlich beim Berliner Studierendenwerk gelandet und bis heute geblieben.“ Hier berät sie (angehende) Studierende, die selbst eine Beeinträchtigung haben. Sie erklärt ihnen beispielsweise, wie sie Hilfsmittel beantragen oder einen Gebärdensprachdolmetscher bestellen können. Aus ihrer jahrelangen Erfahrung weiß sie zu erzählen: „Auch bei Menschen mit Beeinträchtigung kommt es unheimlich auf die Bildung an. Je höher der Bildungsstand ist, desto einfacher wird es, sich auf dem Markt zu beweisen.“ Dass sie selbst ein Handicap hat, hilft manchem ihrer Klienten. Wenn Studierende, oft mit ihren Eltern, zur Beratung kommen, sind sie manchmal überrascht, eine Beraterin im Rollstuhl vorzufinden. „Dann versuche ich natürlich im Gespräch die Verunsicherung mit der Situation zu nehmen.“ Dass sie im Studierendenwerk gelandet ist, hat übrigens noch einen weiteren Vorteil: Ihr Arbeitsplatz war von vornherein barrierefrei – hier kannten den Begriff alle.