Norovirus-Infektion

Gefürchteter Brechdurchfall grassiert vor allem im Winter

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Das Norovirus ist einer der häufigsten Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen und tritt bevorzugt im Winter auf. Was im Ernstfall hilft und wie man vorbeugen kann, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Am Abend ist die Familie noch völlig gesund ins Bett gegangen – doch die Nacht war die Hölle: „Im Fünf-Minuten-Takt rannten sowohl mein Mann als auch meine beiden kleinen Töchter auf Toilette. Wir hatten alle Durchfall.

Und zwischendurch haben wir uns abwechselnd erbrochen“, schildert Heike F. die Tortur, die in den Wintermonaten viele Familien durchmachen ­– nicht selten mehrfach. Familie F. hatte nicht etwa eine Lebensmittelvergiftung – die ist nämlich seltener, als viele annehmen. Bei Familie F. hatte das Norovirus zugeschlagen.

Das Norovirus einer der häufigsten Erreger der akuten Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis). Der Erreger ist – neben dem Rotavirus – für den Großteil der nicht durch Bakterien verursachten Infektionen verantwortlich. Es tritt überfallartig innerhalb weniger Stunden auf und befällt ganze Familien, Kindereinrichtungen, Altenheime oder auch Kreuzfahrtschiffe.

So kam es im Herbst 2012 zum bisher größten und schwersten Ausbruch in Deutschland mit fast 11.000 Fällen. Vor allem Kinder in Schulen und Kindereinrichtungen in Ostdeutschland waren betroffen. Durch Noroviren verseuchte Tiefkühlerdbeeren aus China waren über Cateringunternehmen mit dem Gemeinschaftsessen ausgeliefert worden.

Deutlicher Anstieg der Infektionszahlen

Norovirus-Infektionen sind in Deutschland meldepflichtig und verzeichnen jedes Jahr die meisten an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldeten Erkrankungen. Seit 2006 wird dort ein deutlicher Anstieg der übermittelten Fälle pro Saison beobachtet, im Jahr 2014 waren es rund 72.000. Seit 2012 sind die Zahlen zwar wieder zurückgegangen, verweilen jedoch auf einem hohen Niveau. Dies kann daran liegen, dass seit 2011 nur noch eindeutige, im Labor nachgewiesene Fälle an das RKI berichtet werden müssen.

Eine labordiagnostische Untersuchung von Stuhlproben ist jedoch nicht immer sinnvoll, nötig und wirtschaftlich. Wenn es bereits Norovirus-Erkrankungen in der näheren Umgebung gibt, gehen Ärzte bei gleicher Symptomatik davon aus, dass eine Infektion mit dem selben Virus vorliegt. Experten schätzen deshalb, dass die tatsächliche Zahl der Norovirus-Infektionen in Deutschland deutlich höher liegt.

Norovirus extrem wandelbar und widerstandsfähig

Noroviren treten weltweit auf, ihren Namen haben sie von der Stadt Norwalk im US-Bundesstaat Ohio. Dort wurde der Erreger nach einem Gastroenteritis-Ausbruch 1968 erstmals beschrieben. Unter dem Mikroskop zeigen die Viren eine runde Form, sie haben keine Hülle und verfügen als Erbgut über eine einsträngige RNA. Das Virus wird in fünf Haupttypen unterteilt, von denen drei beim Menschen auftreten. Das Virus ist – ähnlich wie das Influenza-Virus – extrem wandelbar, bisher wurden mindestens 30 Untertypen und Varianten gefunden.

Das Norovirus ist sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und Hygienemaßnahmen. Es überlebt Temperaturen vom minus 20 bis plus 60 Grad. In einem Experiment wurde es auf einem kontaminierten und später gereinigten Teppich selbst noch nach zwölf Tagen nachgewiesen. Das Virus tritt gehäuft in den Wintermonaten auf, Hauptsaison sind die Monate November bis März. Nach einer durchgemachten Norovirus-Infektion sind Menschen zwar immun, jedoch meist nur für wenige Monate und nur für den gleichen Subtyp des Virus.

Wie steckt man sich mit Noroviren an?

Das Norovirus ist hochansteckend, es reichen bereits kleinste Mengen zur Übertragung aus. Diese erfolgt von Mensch zu Mensch: durch direkten Kontakt mit dem Erkrankten oder seinen Ausscheidungen, durch kontaminierte Gegenstände (zum Beispiel Türklinken, Toilettenschüsseln, Handtücher, Seifenspender). Nach dem Erbrechen sind selbst in der Atemluft Noroviren in hoher Zahl nachweisbar. Weitere wichtige Übertragungswege sind verseuchte Speisen vor allem in der Gemeinschaftsverpflegung, die nicht gekocht werden (zum Beispiel Salate, Obst, Meeresfrüchte) oder verunreinigtes Wasser.

Symptome einer Norovirus-Infektion: Plötzlich und heftig

Eine Infektion mit Noroviren ist nicht zu unterschätzen. Die Betroffenen verlieren in der akuten Phase durch Durchfall und Erbrechen erheblich an Flüssigkeit, was vor allem für ältere Menschen, Kleinkinder schnell gefährlich werden kann. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Norovirus-Infektion dauert zwischen sechs und 50 Stunden.

Während eine normale Magen-Darm-Infektion mit leichtem Unwohlsein beginnt und sich allmählich verschlimmert, setzt die Norovirus-Infektion plötzlich und mit akuten Gastroenteritis-Symptomen ein, es geht einem schlagartig schlecht. Zu den typischen Anzeichen zählen:

  • schwallartiges, heftiges Erbrechen
  • starke, sich wiederholende Durchfälle
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • gelegentlich Gliederschmerzen, erhöhte Temperatur oder Fieber

Die Symptome dauert in der Regel zwischen zwölf und 48 Stunden an, die Infektion kann auch leichter verlaufen. Patienten scheiden die Noroviren noch mindestens 48 Stunden nach dem Abklingen der Symptome aus, so lange bleiben Betroffene auch ansteckend. In einigen Fällen wurde das Virus selbst Wochen nach überstandener Infektion noch nachgewiesen

Diagnose beim Arzt

Das Norovirus verbreitet sich leicht und oft sehr rasant. Für den Arzt reicht daher meist die Schilderung der Symptome für die Diagnose, wenn bereits Fälle von Infektionen in der Umgebung gemeldet wurden. Nicht bei allen Erkrankten wird in der Stuhlprobe im Labor nach dem Norovirus gesucht.

Wichtig ist die Labordiagnostik vor allem, wenn in Krankenhäusern, Altenheimen oder Kindereinrichtungen gehäuft Erkrankungen auftreten, um daraus Maßnahmen zur erhöhten Hygiene und Desinfektion abzuleiten. Wird das Virus im Labor nachgewiesen, so ist die Erkrankung beim RKI meldepflichtig – der Erkrankte selbst muss die Norovirus-Infektion jedoch nicht melden.

Behandlung bei Norovirus-Infektion

Gegen das Norovirus gibt es keine antiviralen Medikamente, die Behandlung konzentriert sich allein auf die Linderung der Symptome (symptomatische Therapie) und die ausgleichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Medikamente gegen Durchfall sollten nicht eingenommen werden, da diese die Ausscheidung der Viren verlangsamen.

Weil die Symptome der Norovirus-Infektion so plötzlich und heftig auftreten, schaffen es Betroffene in der akuten Phase ohnehin kaum zum Arzt. Dies ist in den meisten Fällen auch nicht nötig und aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr zudem nicht ratsam.

Bei einer Infektion mit Noroviren ist es äußerst wichtig, den akuten Verlust von Körperflüssigkeiten und Elektrolyten von Beginn an auszugleichen. Betroffene sollten viel trinken, zum Beispiel ungesüßte Tees, Wasser, fettarme Brühe oder spezielle Elektrolyt-Lösungen aus der Apotheke. Ungeeignet sind kohlesäurehaltige Mineralwässer, Limonaden oder Milchgetränke.

Sobald das Erbrechen nachlässt, können Erkrankte zunächst leichtverdauliche und magenschonende Speisen wie Zwieback oder Haferbrei in kleinen Portionen zu sich nehmen und dann langsam auf feste Kost umsteigen. Gönnen Sie Magen und Darm in den ersten Tagen etwas Schonung, da sie durch häufiges Erbrechen und Durchfälle sehr strapaziert wurden.

Schwere Brechdurchfälle können jedoch für Kleinkinder und ältere Menschen durch den großen Flüssigkeitsverlust lebensbedrohlich werden und müssen unter Umständen im Krankenhaus behandelt werden. Dort bekommen die Patienten Nähr- und Elektrolytlösungen über Infusionen verabreicht.

Strenge Hygienemaßnahmen

Bei der Betreuung daheim sollte auf strenge Hygiene geachtet werden, um eine Ansteckung anderer Familienmitglieder möglichst zu verhindern. Dazu gehören:

  • Isolierung von Betroffenen
  • Tragen von Schutzhandschuhen beim Reinigen von Gegenständen, die mit Stuhl oder Erbrochenem in Kontakt gekommen sind
  • Tragen eines Mundschutzes beim Kontakt zum Kranken, der erbricht
  • Regelmäßige Reinigung von Flächen und Gegenständen (Türgriffe, Toiletten)
  • konsequentes, gründliches Händewaschen, insbesondere vor der Zubereitung von Lebensmitteln und nach Toilettengängen

Nach überstandener Norovirus-Infektion sollte die Bett- und Körperwäsche des Erkrankten so heiß wie möglich gewaschen werden. Da noch Tage nach der Erkrankung Viren ausgeschieden werden, ist es ratsam, zunächst auf Kontakte zu Freunden und Bekannten zu verzichten und auch nicht zur Arbeit oder zur Schule zu gehen.

Kinder unter sechs Jahren dürfen erst wieder in den Kindergarten, wenn sie zwei Tage beschwerdefrei waren. Ob ein ärztliches Attest dafür nötig ist, entscheiden die Träger der Einrichtung. Grundsätzlich sollte mindestens noch zwei Wochen auf eine gründliche Hygiene geachtet werden.

Noroviren: Wie kann ich vorbeugen?

Gegen Noroviren gibt es bisher weder eine Impfung noch ein Medikament. Die Viren treten in vielfältigen Erscheinungsformen auf und verändern sich ständig. Es wird davon ausgegangen, dass alle zwei bis drei Jahre ein neuer Stamm des Norovirus auftaucht. Das macht die Entwicklung eines wirksamen Impfschutzes sehr schwierig. Weil der menschliche Körper wahrscheinlich keine langanhaltende Immunität gegen das Norovirus aufbauen kann, müssten zudem ähnlich wie bei der Influenza saisonal immer wieder neue Impfstoff-Zusammensetzungen angeboten werden.

Wichtigster und wirksamster Schutz vor einer Ansteckung bleibt deshalb vorerst eine strenge Hygiene, vor allem wenn in der Umgebung Norovirus-Infektionen bekannt sind. Der Kontakt zu Betroffenen und deren Angehörigen sollte vermieden werden. Wer selbst erkrankt ist, sollte nicht zur Arbeit gehen, um die Ausbreitung und eine Ansteckung mit dem Norovirus möglichst zu unterbinden.

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