Papas & Opas

Weihnachten bleibt Weihnachten – nur anders

Wer feiern will, braucht einen Corona-Test: Dietmar Wenck über Geschenke auspacken zwischen Lebkuchenhaus und Luftreiniger.

Dietmar Wenck ist Sportredakteur und Opa von Linus.

Dietmar Wenck ist Sportredakteur und Opa von Linus.

Foto: bm / BM

Linus zählt nicht – ich hätte nie gedacht, dass ich so einen Satz jemals schreiben könnte. Aber in dieser eigenartigsten Zeit unseres Lebens werden eben neue Formulierungen gebraucht, coronabedingt, sozusagen. Neue Rechnungen werden aufgestellt. Zum Beispiel diese: Wie viele Gäste dürfen zu Weihnachten kommen, was darf man tun, um als Familie halbwegs normal feiern zu können, ohne gegen die Regeln der Regierenden zu verstoßen? Was müssen alle beachten? Da hilft unser Enkel indirekt schon mit. Er ist nämlich erst sechs und nimmt keinen der Plätze weg, die wir zu vergeben haben. Die Vorschriften sagen, Angehörige unter 14 Jahren zählen nicht.

Natürlich geht es nicht allein um die Regeln des Senats, mindestens genauso um Regeln der Vernunft. Nicht um das Ausreizen dessen, was gerade so durchgeht. Obwohl das viele Menschen tun, schlimmer: Sie überreizen es. Da sind die Leute, die aufs Glühwein-Trinken im Rudel einfach nicht verzichten können. Oder die sich dicht an dicht vor Geschäften anstellen, um die letzten Stunden vor dem Lockdown mit Shoppen zu verbringen. Die nicht müde werden, Party zu machen. Und wenn man ehrlich ist: Heimreisen zum Fest in vollen Zügen oder im Flieger sind auch nicht der beste Beitrag, die Infektionszahlen zu senken. Jeder kann bei sich etwas verbessern. Andererseits können nicht alle nur mit diesem bleiernen Covid-Gefühl in der Stube hocken und warten, bis der Schrecken vorbei ist. Das Leben geht ja weiter.

Weihnachten gehört für uns zwingend dazu. Okay, es wird anders als sonst. Aber es wird Weihnachten geben. Wir haben uns vorgenommen, sehr vorsichtig zu sein. Bisher hat sich in der Familie niemand infiziert, das soll so bleiben. Der Gottesdienst fällt diesmal aus, sonst ein fester Bestandteil an Heiligabend. Beim Singen fällt uns der Verzicht vergleichsweise leicht. Wir singen sowieso nicht. Wir werden – so gut es geht – Abstand halten, das wird merkwürdig genug. Masken gehören ja schon zur normalen Kleidung dazu, selbst für Linus. Sogar eine Maschine namens Luftreiniger haben wir gekauft, die angeblich einen Raum auf 45 Quadratmeter Fläche virenfrei hält. Sie wird über die Feiertage pausenlos laufen. Man kann sie später auch gut gegen meine Birkenpollenallergie einsetzen. Hoffe ich. Steht zumindest in der Produktbeschreibung.

Wir sind also nicht übel vorbereitet. Unseren Glühwein brauen wir selbst. Wir sind Oma, Opa, vier Erwachsene in gerader Linie (so nennt sich das im Amtsdeutsch) und Linus – der nicht zählt. Alle unsere Kinder, die sich zum Besuch entschlossen haben, machen vorher Covid-19-Tests. Sie haben das selbst vorgeschlagen. Die Gefahr, sich Weihnachten in unserem Haus anzustecken, ist geringer als beim Einkaufen. Es sind ja keine Fremden da, nur Menschen, denen wir zu hundert Prozent vertrauen. Wir finden: So geht das. Ein Restrisiko bleibt immer, das kann sowieso niemand ausschließen. Nirgends.

Oma hat wie immer unser Haus geschmückt, schon zum 1. Advent. Ich muss noch das Lebkuchenhaus bauen, den Baum habe ich wie in jedem Dezember besorgt. Linus hat in den vergangenen Jahren immer beim Schmücken mitgemacht. Wir haben öfter telefoniert, seine Vorfreude wurde von Mal zu Mal größer. Insgesamt auf die Tage bei uns, auf das gemeinsame Spielen und natürlich auf das spannende Auspacken der Geschenke. Wenn Lego drin ist, wird gleich alles zusammengebaut. Zuletzt war immer Lego drin. Sein Papa hat berichtet, dass unser Enkel sich hin und wieder in sein Zimmer verzogen und vorher nach Geschenkpapier gefragt hat. Wir dürfen also auch aufgeregt sein.

Linus hat natürlich mitbekommen, dass alles anders ist. Wie in der Schule, wie unterwegs, wie zu Hause. Corona ist überall. Wir haben versucht, alles so zu organisieren, dass nichts schiefgehen kann. Linus und die großen Kinder möchten sehr gern mit uns Weihnachten verbringen. Das zählt für uns.