Papas & Opas

Bei aller Liebe: Corona nervt!

Linus macht schwer zu schaffen, dass bei ihm andauernd Feiertage ausfallen. Aber wenn alles vorbei ist, gibt er eine große Party.

Foto: pa/Montage BM

Berlin. Selbst in Cottbus ist die Stimmung inzwischen gekippt. Das Städtchen in der Lausitz, das wie ganz Brandenburg lange von der Pandemie verschont geblieben war, ist mittlerweile genauso ein Hotspot geworden wie, sagen wir, Berlin-Reinickendorf. Das bringt auch für unseren Enkel Einschränkungen mit sich. Mal spontan die besten Freunde treffen – keine gute Idee, wegen Corona. Oma und Opa in Berlin besuchen – lieber jetzt nicht, in den Zügen könnte man sich anstecken. In der Schule ohne Maske über den Hof toben – leider verboten, alle müssen Rücksicht nehmen.

Linus wird deshalb nicht gleich zum Querkopf oder Querschläger oder wie die sich nennen; tapfer befolgt er die Regeln. Trotzdem spricht er auf seine drollige Art unverblümt aus, was alle denken: „Ich kann dieses Corona nicht mehr hören!“

Für Linus stehen viele wichtige Feiertage an

Gerade in den vergangenen Wochen war der kleine Junge ziemlich geknickt. Beinahe am Rande der Verzweiflung. Schließlich stehen für ihn von Ende Oktober bis Ende Dezember viele wichtige Feiertage an. Zuletzt hat er Halloween immer mit seiner besten Freundin, unserer Nachbarin Sophia, und deren Familie gefeiert. Ging diesmal nicht, das große Fest fiel aus.

Zu Hause haben seine Eltern mit ihm stattdessen tolle Masken aus Kürbissen gebaut. Bilder davon haben sie uns zugeschickt, Linus sah schwer gruselig aus. Trotzdem war es nicht so schön wie sonst. Noch schlimmer war der Martinstag. Auch da wurden extra neue Laternen gebastelt. Zu dritt sind sie dann losgezogen, Mama, Papa, Linus, wie jedes Jahr. Aber eben nicht gemeinsam mit einer großen Kita- oder Kirchen-Gruppe mit 20 und mehr Leuten und ebenso vielen bunten Laternen. Die Straßen in Cottbus waren wie leer gefegt und finster. Der kleine Junge hatte richtig schlechte Laune. Corona-Blues bei Tag und Nacht.

Linus wird es langweilig

Was also tun? Seien wir ehrlich, Linus hat ja immerhin den Luxus, dass sich seine Eltern sehr viel Zeit für ihn nehmen. Nach der Schule zum Beispiel kann er mit seinem Papa stundenlang auf dem Spielplatz bleiben. Doch bei aller Liebe wird auch das einem Sechsjährigen mit der Zeit langweilig, immer aufs Neue zu rutschen oder zu klettern. Corona nervt einfach. Da war es schon fast wie Kindergeburtstag, als vergangenes Wochenende sein Kumpel Leon mal zum Spielen vorbeikommen durfte.

Hin und wieder versuchen auch Oma und Opa aus Berlin, ein bisschen Abwechslung in sein Leben zu bringen, indem wir anrufen und fragen, was es so Neues gibt. Zwar will Linus dann immer, dass seine Eltern ihr Handy auf Lautsprecher stellen, man könnte ja sonst was verpassen. Nur ist er selbst nicht gerade geschwätzig bei solchen Anlässen. Seine geläufigsten Antworten pendeln zwischen „ja“ und „nein“, manchmal „gut“ oder „nicht gut“, im Falle von Nachfragen meist „weiß nicht“. Aha.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt

Wir haben uns alle noch gar nicht getraut anzusprechen, dass ja demnächst weitere Feiertage anstehen, die vielleicht noch wichtiger sind als Halloween, weil sich da in Berlin die ganze Familie zum Putenverschlingen trifft – und was wohl daraus dieses Jahr werden wird. Natürlich hat Oma schon Kekse für die Adventszeit gebacken, und ich hatte mich bereit erklärt, sie sicherheitshalber in Cottbus vorbeizubringen, für alle Fälle. Doch nicht einmal das kam bisher zustande. Linus hüstelt nämlich zurzeit, und seine Mama war sogar eine ganze Woche erkältet. Sie wollen mich nicht in Gefahr bringen, wie lieb.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und so bleiben wir guter Dinge, dass wir in ein paar Wochen doch noch einen schönen Weihnachtsbaum kaufen werden, die Sterne, Kugeln und Engel aus dem Keller holen und ihn mit Linus schmücken können. Unser Enkel scheint da bei aller aktuellen Tristesse ähnlich optimistisch zu sein. In einem seiner letzten Gefühlstäler hat er jedenfalls bereits angekündigt: „Wenn Corona endlich vorbei ist, mache ich eine große Party mit allen meinen Freunden.“