Papas und Opas

Vom langen Warten auf das Ergebnis eines Coronatests

Wenn die Wohnung zum Wartezimmer wird: In dieser Woche mussten meine Familie und ich einen Corona-Test machen lassen.

Felix Müller musste zum Coronatest.

Felix Müller musste zum Coronatest.

Foto: Reto Klar/dpa/BM Montage

Berlin. Sonntag, 22 Uhr. Der Urlaub ist vorbei. Ich bin gerade aus Venedig nach Tegel geflogen. Die Familie ist schon ein paar Stunden früher in Berlin gelandet. Ich musste mit Umstieg in Düsseldorf hinterher, weil nicht jede Fluggesellschaft den Hund mitnehmen wollte. Venetien ist seit drei Tagen Corona-Risikogebiet, also muss ich mich testen lassen. Am Flughafen geht das leider seit zwei Wochen nicht mehr. Ich hetze also zum Taxi und lasse mich zur Teststelle am Zentralen Omnibus-Bahnhof ZOB fahren. Dort will ein Bundeswehrsoldat gerade den Eingang schließen. Er zeigt gähnend auf die lange Schlange vor dem Container des Roten Kreuzes. Ich werde wütend, wedele mit meiner Bordkarte, sage das Wort „Risikogebiet“ und erkläre im Befehlston, es sei „im Interesse dieses Landes“, mich da jetzt reinzulassen. Der Soldat lässt mich ein, nach einer Stunde bin ich dran. Jetzt beginnt die Wartezeit.

Montag, 9 Uhr. Die ganze Familie muss in Quarantäne bleiben, bis die Ergebnisse vorliegen. Jeder von uns hat die Kopie seiner Aussteigekarte erhalten. Darauf findet sich eine mikroskopisch kleine, für das bloße Auge kaum entzifferbare, achtstellige Nummer. Die muss man mit einer Liste abgleichen, die täglich auf der Website des Labors aktualisiert wird. Ich lese, dass es circa 72 Stunden dauert, dass das Labor 2000 Proben am Tag untersuchen kann, aber 3000 bekommt, und dass man bitte nicht dort anrufen soll, weil die Leitungen dringend gebraucht würden.

Meine Frau schreibt Mails an die Schulen meiner Kinder, weil sie auch erst einmal zu Hause bleiben müssen. Die Sekretärin der Schule meines Sohnes ruft sie zurück und fragt, wie man denn noch Unterricht machen solle, wenn jetzt alle in Quarantäne gingen. Meine Frau antwortet, das wisse sie auch nicht. Ich sage einen Friseurtermin ab und beschäftige mich für die Zeitung mit der Architektur des BER, während der Hund eine Rolle Toilettenpapier zerfetzt. Das sei unsere letzte gewesen, sagt meine Frau. Ich will es nicht hören.

Mittwoch, 11 Uhr. Auf der Website des Labors ist inzwischen zu lesen, dass man im Durchschnitt sechs Tage auf das Testergebnis warten muss. Ich scrolle durch meterlange Zahlenkolonnen, von uns ist keine Nummer dabei. Nebenan verzweifelt die neunjährige Tochter an schriftlicher Division. Ich sage ihr, dass es sinnlos ist, Rechenaufgaben anzuschreien. Sie schreit dann stattdessen mich an. Zwei Stunden später sind alle Probleme gelöst. Ich treffe sie im Flur, ihre Haare sind dick mit Klarsichtfolie umwickelt.

– Was soll denn das?

– Ich blondiere meine Haare.

– Und womit?

– Mit Zitronensaft. Altes Hausmittel.

Ich freue mich, dass die online bestellten und gestern gelieferten Lebensmittel so sinnvoll verwendet werden. Man muss das Positive sehen.

Freitag, 10 Uhr. Gestern musste ich wieder alle Termine absagen, weil es immer noch keine Ergebnisse gab. Wo bleiben die denn? Ich entwickle Theorien. Vielleicht ist meine Probe irgendwie problematisch und betreuungsintensiv? Wurde sie falsch etikettiert, ist sie hinter einen Schrank gefallen? Und was kann man in einem solchen Fall tun? Das Labor will ja nicht angerufen werden. Soll ich ein Fax schicken? Um 11.45 Uhr ist das Update auf der Website endlich da. Ich entdecke meine Nummer und das Wort „negativ“ und renne jubelnd durchs Wohnzimmer. Auch meine Frau ist negativ getestet, von den Kindern gibt es noch keine Ergebnisse. Mir wird klar, dass der Test nur besagt, dass ich vor einer knappen Woche negativ war. Ich höre auf zu jubeln. Trotzdem darf ich jetzt wenigstens eine Ausstellung besichtigen. Sie wird direkt nach der Eröffnung für vier Wochen schließen.

Sonnabend, 12 Uhr. Meine Tochter, immer noch ohne Ergebnis, kostümiert sich für Halloween und eine Party im ganz kleinen Kreis. Mein Bedarf nach Grusel ist nach dieser Woche gedeckt.